Freitag, 23. September 2011

Nachtrag zum vergangenen Wochenende

„FDP endlich bei 18, pardon, 1,8 Prozent“[1]
„Nicht genug damit, dass genaue Aussagen zum Zustand der FDP nicht mehr möglich sind, weil die Datenlage dank rapide Schwindender Anhänger dafür zu dünn geworden ist ...“[2]
„Vielleicht hat Frau Leutheusser-Schnarrenberger ja nur noch einen gefunden, der mit eigener Arbeit immerhin ein ‘befriedigend’ zustande gebracht hat und ein 1,8%er ist.“[3]
„Projekt 1,8 %. In Memoriam FDP : "Markenkern beschädigt"“[4]

Undsoweiterundsofort. Grenzenloser Jubel, landauf, landab, vor allem im Internet. Nicht, daß ich mich nicht gerne mitfreuen würde. Aber ach, was nützt es denn, wenn die Partei der Besserverdienenden geliefert ist, die Besserverdienenden selber aber immer besser verdienen.

Grundprobleme des Katholizismus 3: Papst teilt Leid

„Ein im ursprünglichen Programm nicht vorgesehener wichtiger Termin war außerdem das Treffen Benedikts mit einigen Opfern von sexuellem Missbrauch, abseits der TV-Kameras. ‚Ich habe ihr Leiden geteilt und habe tiefbewegt mit ihnen zusammen gebetet- wobei ich ihnen auch das Handeln der Kirche zugesichert habe‘“.[1]
Böswillige werden sagen: Wenn er schon ihr Leiden geteilt hat, dann wird er sicher nur einen ganz kleinen Teil genommen und den Opfern den Löwenanteil gelassen haben. Aber vielleicht hatte er ja gerade – die Meldung ist von 2010 – die Meinungsumfragen zum Ansehen seiner Kirche und ihrer Hirten gelesen und litt unsäglich. Irgendwie geht das natürlich auf das Leiden der Opfer zurück. Allerdings ist fraglich, ob man es ein Teilen ihres Leidens nennen kann.

Donnerstag, 22. September 2011

Grundprobleme des Katholizismus 2: Der Vatikan als Führer

„Das Gespräch der Konfessionen müsse auch nach Sibiu intensiv weiter geführt werden, sagte der Magdeburger Bischofs [sic!] Gerhard Feige.“ Das meldete am 9. September 2007 – lange her, aber sicher immer noch aktuell – „Radio Vatikan. Die Stimme des Papstes und der Weltkirche.“[1]
Das ist nicht so leicht zu interpretieren. Zwei Möglichkeiten bieten sich an: Erstens, die katholische Kirche ist darauf bedacht, daß das Gespräch der Konfessionen nicht in eine Richtung abgleitet, die dem Vatikan nicht recht sein kann. Deshalb bedarf es der intensiven Führung durch denselben, so daß nicht am Ende vielleicht Frau Käßmann die Führung übernimmt oder gar Herr Küng. Zweitens: Die Stimme des Papstes ist ja bekanntlich unfehlbar, aber der Bischof von Magdeburg sicher nicht. Vielleicht hat er sich vertan und wollte gar nicht „weiter geführt“ sagen, sondern „weitergeführt“.

Mittwoch, 21. September 2011

Grundprobleme des Katholizismus 1: Prälaten-Meisterstück

„Um Mißbrauch auch in kirchlichen Einrichtungen zukünftig zu verhindern, sind wir gezwungen, genau hinzusehen. Wir müssen das Leid der Opfer sehen, deren Würde zutiefst verletzt wurde. Wie können wir ihnen beistehen und helfen, um diese Erfahrungen zu verarbeiten?“ Das schreibt Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, in Nr. 20 von die Gesellschafter.de, einer „Initiative der Aktion Mensch“, Juni 2010.
Für die Zukunft der deutschen Sprache läßt hoffen, daß die Mehrheit der Deutschen die Hinterlist, die in dem Wörtchen „auch“ steckt, bemerkt und der katholischen Kirche einen nie dagewesenen, nicht einmal von der FDP erreichten Absturz in den Meinungsumfragen beschert hat. „Auch“, also vor allem anderswo und bei uns leider halt auch ein wenig, sind schlimme Dinge passiert. Da hat man die Würde von Opfern "zutiefst" verletzt.
Man will das verhindern, und zwar zukünftig, d. h. nicht gleich, nicht allzu schnell. Das will man, wenn ich den Herrn Prälaten richtig verstehe – so ganz eindeutig ist das nicht, was er schreibt –, aber nicht etwa erreichen, indem man dafür sorgt, daß dergleichen nicht mehr geschieht, denn dann gäbe es ja keine Opfer mehr, denen man beistehen und helfen kann, ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Aber eben das will man. Wenn in den „zurückliegenden Wochen Fälle sexuellen Mißbrauchs bekannt geworden“ sind – „meist liegen sie viele Jahre zurück“ (ebd.), weil, so darf man wohl ergänzen, die Fälle der jüngeren Zeit halt ihre Zeit brauchen, um bekannt zu werden –, dann haben die „Verantwortlichen in den betroffenen Einrichtungen“ „stets schnell reagiert.“ (Ebd.) Also nicht in den betreffenden Einrichtungen, sondern in den betroffenen, denn vom Mißbrauch waren nicht die Opfer, sondern die Einrichtungen betroffen. Das ist aber nicht ganz richtig, denn die waren nicht vom Mißbrauch, sondern von dessen Bekanntwerden betroffen.

Übrigens: die Gesellschafter.de ist, anders als diese Bezeichnung nahelegt, kein Internetauftritt, sondern ein Druckerzeugnis. Das ist zukunftsweisend. Wahrscheinlich werden Bücher bald nicht mehr wie ein Buch, sondern wie ein Laptop aufgeklappt und überhaupt wie einer aussehen und wie eine Datei heißen, damit sie noch einer kauft. Die „Initiative Aktion Mensch“, von der die Gesellschafter.de herausgegeben wird, hieß früher „Aktion Sorgenkind“. Sie hat unter diesem wohlüberlegten und überhaupt überaus gelungenen Namen viel Segen gestiftet. Ob ihr das nach der Auswechslung von „Sorgenkind“ noch gelingen wird, diese Frage erfüllt uns mit Sorge. Immerhin ist „Mensch“ vom so ziemlich erhabensten Wort des achtzehnten Jahrhunderts im späten zwanzigsten zu einem der zuverlässigsten Debilitätsindikatoren herabgesunken.





Dienstag, 20. September 2011

Ankündigung

Übermorgen kommt der Herr Papst. Da wollen wir nicht im Abseits herumstehen. Darum beginnt in Kürze unsere Serie „Grundprobleme des Katholizismus“.

Internationale Ausländer

Das International Office[1] der Frankfurter Universität bietet „Informationen für internationale Studenten“ an.[2]
Was wohl ein internationaler Student ist? Unter einem nationalen Studenten hat man früher einen nationalistisch gesinnten verstanden. Aber ich glaube nicht, daß das International Office eigens Informationen für Studenten anbietet, die sich durch das Gegenteil einer nationalistischen Gesinnung auszeichnen.
Vielleicht kommt man so der Sache näher: Es gibt internationale Stars. Das sind solche, die auf allen Bühnen der Welt zuhause sind. Keineswegs aber ist ein Sänger aus Rußland, der einmal in einer Berliner Kneipe auftritt, ein internationaler Star, er ist nicht einmal ein internationaler Sänger, sondern ein ausländischer.
Das International Office wollte eigentlich „ausländische Studenten“ schreiben. Aber da hat es sich gedacht, das ist diskriminierend. Denn wenn so viele Leute meinen, Ausländer zu sein sei etwas Verwerfliches, dann muß etwas dran sein, und wir wollen niemanden beleidigen. Wir wollen lieber vorsichtig sein und sagen darum „internationale Studenten“, denn irgendwie ist international ja so was ähnliches wie ausländisch, beides hat irgendwie mit jenseits der Landesgrenzen und überhaupt mit ganz weit weg zu tun, und international klingt besser.




[1] Für diejenigen unter Ihnen, deren Universitätsaufenthalt schon fünf oder zehn Jahre zurückliegt: das Auslandsamt.

Montag, 19. September 2011

Muslima

Die weibliche Form von Moslem oder Muslim ist Moslemin oder Muslimin, jedenfalls wenn es nach den Regeln der deutschen Sprache ginge. Wer mag bloß die Muslima erfunden haben? Claudia Roth vielleicht? Und warum? Ich glaube es zu erraten, ohne es doch zu verstehen. Wer Muslima sagt, sagt auch Indigena – da, wo man vorher Indianerin sagte. Auf mysteriöse Weise reiht man sich damit ein in die Front der Kämpfer gegen die political incorrectness und den Eurozentrismus, denn die Europäer haben ja „Indianer“ erfunden. Daß „Indigena“ ein Fremdwort (europäischen Ursprungs) für das ganz und gar unkorrekte „Eingeborene“ ist, stört merkwürdigerweise wenig.
Ähnlich geht’s den australischen Eingeborenen. Keiner sagt das mehr. Widerfährt es einem, ist's ihm fast so unbehaglich, als ob ihm „Neger“ oder „Zigeuner“ über die Lippen gerutscht wäre. Er könnte ja auch Ureinwohner sagen, klingt vielleicht nicht ganz so verboten, aber er übersetzt die Eingeborenen lieber in die Sprache derer, die sie auszurotten versucht haben, sagt also Aborigines, und schon weiß er sich auf der Seite der Guten.

Sonntag, 18. September 2011

Jammer-Ossa

Das Wort stammt von dem Star-Journalisten Wolfgang Herles.
Phaeake hat es auf
http://kompetenzteam.antville.org/stories/2082829/
kommentiert.

Sprach-Supergau und Sprachterrorismus

Beim Lesen der Seiten von http://twitter.com/Phrasenpranger habe ich mich oft gefragt, ob es die dort versammelten Phrasen und Stilblüten wirklich gibt oder ob die Autoren sie sich ausgedacht haben, und wenn es sie gibt: ob sie Teil der geschriebenen Sprache sind oder ob sie nur mal so dahingesagt werden. Ich wollte mit Klarheit verschaffen und habe nach „Qualität hat seinen Preis" mit Google gesucht – ein Satz, bei dem ich sehr im Zweifel war, ob ihn je einer zu Papier oder in eine Datei gebracht hat.
Ich erhielt 157.000 Ergebnisse, "Qualität hat ihren Preis" ergab ziemlich genau die gleiche Trefferzahl (162.000).[1] Nie hätte ich das  für möglich gehalten. Den Supergau haben wir nicht vor uns, wir sind schon mitten drin. Die Sprachkompetenz bröckelt nicht nur an den Rändern, der Kern ist bereits geschmolzen.
Oder erklärt sich die Sache ganz anders? Seit Jahren plagt uns die zwanghafte „Geschlechtergerechtigkeit“ vor allem in der Medien- und Politikersprache einschließlich des Jargons der Amateurpolitiker, wenigstens der mehr oder weniger linken (im wirklichen Leben ist diese Gerechtigkeit um einiges seltener). Politiker, so scheint es, bauen Wörter wie Steuerzahler oder Castrop-Rauxeler nur deshalb in ihre Reden ein, weil sie ihnen die Gelegenheit geben, Steuerzahler und Steuerzahlerinnen oder Castrop-Rauxeler und Castrop-Rauxelerinnen zu sagen. Dagegen regt sich jetzt Widerstand. Eine Bewegung kündigt sich an, die den Wohlklang der Sprache verteidigen will. Leider mit allen Mitteln. Alles Weibliche wird eliminiert. Man tut, was vor Jahren die radikalsten Feministinnen taten, nur umgekehrt. „Heilerde hat seinen Preis“ gibt es inzwischen auch schon, wer weiß, was noch alles.
Das Ergebnis des Kampfes ist, wie man sieht, schlimmer als das, was die Kämpfer bekämpfen. Man möchte sie Sprach-Terroristen nennen. Terroristen pflegen mit allen Mitteln für das Gute zu kämpfen, mit verheerenden Folgen.



[1] Am 30.3.2011. Sätze wie „der/das X der Qualität hat seinen Preis“ waren selten, die Trefferzahl trifft's also wirklich einigermaßen.

Samstag, 17. September 2011

Börsencrash


Vor einiger Zeit hat die Bundesregierung ein paar der an der Börse üblichen Gaunereien verboten.[1] In der Opposition, die das selber gerne gemacht hätte, überlegte man, was sich dagegen einwenden ließe. Ein SPD-Abgeordneter hatte es dann: Das Verbot genüge nicht, denn die meisten der besagten Gaunereien fänden an „außerbörslichen Orten“ statt.
Oh finstre Nacht, wenn wirst Du doch vergehen? / Wenn bricht mein Lebenslicht herfür? (G. F. Breithaupt, 1709).


[1] Am 2. Juli 2010, taz.

Freitag, 16. September 2011

Auf den Weg gebracht

Diese goldige Politikerphrase kommentiert: http://www.stilstand.de/die-schulerlotsen/

Kluge Köpfe

„Für das Programm ‚Heterogenität als Chance: Weichen stellen in entscheidenden Phasen des Student-Life-Cycle’ werden ab 01.10.2011 zahlreiche kluge Köpfe in insgesamt 35 Projekten gesucht, die uns bei unseren ausgezeichneten Aktivitäten unterstützen. Zu besetzen sind Stellen als Professorin/Professor (W2) Juniorprofessorin/Juniorprofessor (W1) ...“ (Stellenausschreibung der Universität Paderborn, September 2011).
Was wohl ein Student-Life-Cycle sein mag? Ich übersetze mir’s mit „Studenten-Lebenzyklus“. Ein Lebenszyklus reicht von einer Lebensphase, z. B. der Geburt, bis zur Wiederkehr derselben in der nächsten Generation. Es fällt mir schwer, das auf ein Studentenleben zu übertragen. Es gibt doch auch keinen Lebenszyklus von Kindergartenkindern, denn die schaffen es ja nicht, eine nächste Generation zu – wie sagt man doch? – generieren. Doch wahrscheinlich liege ich ganz falsch und so ein Life-Cycle ist etwas ganz anderes.
Aber das wollte ich ja gar nicht sagen.[1] Sondern folgendes:
Man sieht, das Eliteförderungsprogramm beginnt an unseren Hochschulen schon zu wirken. Während an den Exzellenzuniversitäten in aller Regel „herausragende“ oder eben "exzellente" wissenschaftliche Leistungen verlangt werden und vor allem „umfassende Kompetenzen im Wissenschaftsmanagement“, genügt an einer ordinären Universität wie Paderborn ein kluger Kopf, also das, was – die Älteren werden sich erinnern – früher zum Lesen der FAZ erforderlich war. Ob das reicht, um etwas so Kompliziertes wie einen Student-Life-Cycle zu erforschen? Aber vielleicht sollen diese W2-Professorinnen/Professoren und W1-Juniorprofessorinen/Juniorprofessoren das ja gar nicht, sie sollen ja nur „uns“ bei „unseren Aktivitäten“ „unterstützen“. Auch wenn es „ausgezeichnete“ Aktivitäten sind – ein paar Hilfstätigkeiten, für die man mit einem klugen Kopf auskommt, werden schon abfallen.
Man fragt sich, auf wen sich „uns“ bezieht. Vielleicht sind es die Ordinarien (für die Jüngeren: W3-Professorinnen/Professoren). Das wäre schön, wüßte man doch, daß in all dem Neuerungswirrwarr wenigstens eine Sache konstant bleibt, die Herrschaftsverhältnisse.




[1] Das ist von Dittsche – nur um mir keinen Plagiatsvorwurf einzuhandeln.

Donnerstag, 15. September 2011

Sicherstellen und sicher stellen


„Wie ist sichergestellt, dass Anwaltskanzleien über die gesetzlich notwendigen Voraussetzungen für Insolvenzberatung, vor allem über geforderte Spezialisierung verfügen?“ Das will einer im bayerischen Landtag von der Landesregierung wissen.[1]
Deutsch kommt mir das nicht vor. Von Kleinigkeiten abgesehen, z. B. „über geforderte Spezialisierung“: Die Polizei kann Dinge, mit denen man etwas Schlimmes anrichten könnte, z. B. Waffen, sicherstellen. Aber sie kann damit nicht sicherstellen, daß damit nichts Schlimmes angerichtet wird, sie kann es nur gewährleisten; das gilt für jedes Geschehen, im Unterschied zu Dingen; die kann man sicherstellen.
Wenn allerdings die „Südwestpresse“ titelt: „Harley-Davidson sicher gestellt“[2], so können wir sicher sein, daß uns diese Zeitung etwas ganz anderes mitteilen wollte, nämlich: Das Motorrad wurde sichergestellt. Was sie uns tatsächlich mitteilt, ist nicht so recht klar. Möglich wäre: Die Harley-Davidson wurde sicher gestellt, d. h. es kam bei dieser Aktion, der Aktion des Stellens, niemand zu Schaden, und das ist ja nicht ganz selbstverständlich bei diesem schweren Fahrzeug. Oder: Die Harley-Davidson wurde sicher gestellt, d. h. so, daß sie nicht umfallen kann oder sonst etwas Unerwünschtes mit ihr geschehen kann. Oder aber: Die Harley-Davidson wurde sicher gestellt, d. h. sicher auf-, hin oder weggestellt, nicht etwa sicher gelegt. Oder auch: Die Harley-Davidson wurde sicher, d. h. wahrscheinlich, wohl, gewiß gestellt, nicht gelegt. Es mag noch mehr Möglichkeiten geben; sicher ist allerdings: Sicher gestellt bedeutet etwas ganz anderes als sichergestellt.
Zustandegekommen ist das wohl so: Die Journalisten von der „Südwestpresse“ haben kein Gespür für diese Unterschiede. Und so hat einer im Wörterbuch nachgesehen und gefunden, daß seit der Rechtschreibreform nicht nur sicherstellen, sondern auch sicher stellen möglich ist. Da hat er sich so gefreut, daß er nun schreiben darf, wie er mag, daß er gar nicht mehr weitergelesen hat. Dann hätte er nämlich gefunden, daß man sich über die bisherigen Regeln des Zusammenschreibens nur dann hinwegsetzen darf, wenn damit der Sinn nicht verändert wird, und damit auch: wenn dann nicht etwas dasteht, was gar nicht dastehen sollte.

Mittwoch, 14. September 2011

Investigativer Journalismus


In Henscheids Dummdeutsch-Lexikon von 1993 ist der investigative Journalismus nicht enthalten. Zweifellos hätte er in einer Neuauflage – E. Henscheid, bekanntlich der größte lebende deutsche Schriftsteller, wird heute 70, es wird also Zeit, daß er sich dranmacht – einen Ehrenplatz.
„Investigativer Journalismus (von lat.: ‚investigare’; zu dt.: ‚aufspüren, genauestens untersuchen’) bezeichnet eine Form des Journalismus.“ (Wikipedia). Potztausend, das hätte man nicht erwartet. Dann geht’s weiter: „Gegenstand dieser aufwändigen und hohe Ansprüche an das Können und Durchhaltevermögen stellenden Form der Berichterstattung sind meist skandalöse Vorfälle oder demokratiegefährdendes Fehlverhalten leitender Personen aus Politik und Wirtschaft.“ „Zu den frühen Vorläufern eines investigativen Journalismus in Deutschland kann man Maximilian Harden rechnen, der im Kaiserreich im Jahr 1906 die so genannte Harden-Eulenburg-Affäre aufdeckte.“ Um demokratiegefährdendes Verhalten ging es da weniger, sondern darum, die Öffentlichkeit darüber aufzuklären, daß der Politiker Eulenburg homosexuell ist. Das macht den zunächst merkwürdig anmutenden Sachverhalt verständlich, daß im Namen der Affäre auch deren Aufdecker auftaucht: Der eigentliche Skandal war die Aufdeckung.
Wegen der Sache, die der Urvater aller Investigatoren da aufgespürt hat, mag man Wikipedia die Behauptung nicht so recht glauben, daß investigativer Journalismus und Boulevardjournalismus ganz verschiedene Dinge seien. Wallraff soll auch ein investigativer Journalist sein. Der hat das bis vor kurzem gar nicht gewußt und auch sonst keiner. Doch hat das nicht gestört, seine Tätigkeit ließ sich auch ohne dieses Wort beschreiben. Es ist also nicht nur häßlich, sondern auch unnötig. Woher es wohl kommt, daß es sich nun so ausbreitet? Wahrscheinlich von den investigativen Journalisten selber. Sie arbeiten in ihrer Mehrheit für Organe, zu denen man früher Klatsch-, Tratsch- oder Hetzpresse, in feineren Kreisen Sensationspresse gesagt hat, d. h. für das, was man heute Yellow Press nennt, und man erkennt diese Art von Journalisten oft daran, daß sie von sog. Paparazzi begleitet werden. Nun versuchen sie, weil’s sonst keiner tun will und sich sowieso niemand mit ihnen abgeben mag, sich selbst zu adeln, indem sie sich einen in ihren Ohren wohlklingenden Namen geben.

Dienstag, 13. September 2011

Ärea

Das „Vital- und Wellnesscenter SAMSUN“ schreibt „Wellness-Ärea“, mit Ä.[1] Der Verein deutsche Sprache e.V., der sich ja vornehmlich darum bemüht, diese von Anglizismen zu reinigen, sollte dem Autor einen Preis verleihen.

Doch dem Deutschen ein Wort gewonnen zu haben – manche meinen ja, Area sei bereits eines, ein Lehnwort halt, womit sie sich aber irren – ist nicht alles. Man bedenke: In einem Milieu, in dem Sätze geschrieben werden, die aus Wörtern wie FitnessPark, Treckingcenter und Outdoor-Fun bestehen, wobei diese gerade mal noch durch und und nicht durch and verbunden werden, in einer Umgebung, in der vermutlich der Chef tobt, wenn einer statt Nordic Walking das Wort Steckeleslauf sich zu verwenden traut, wagt es einer, „Area“ einzudeutschen. Als das seinerzeit dem „Bureau“ passierte, gehörte kein Mut dazu, im Gegenteil, wer sich dem „Büro“ verweigerte, hatte in der nationalistischen Umgebung mit unangenehmen Konsequenzen zu rechnen. Aber heute? Welch eine Zivilcourage! Wer immer der Autor sein mag: Chapeau! Dafür gibt es doch sicher noch ganz andere Preise als solche des Sprachreinigungsvereins, viel höhere, solche, die der Bundespräsident überreicht. Ich sehe es schon vor mir: Der Autor wird bald mit Orden behängt sein wie ein sowjetischer General.


Montag, 12. September 2011

Computererhalt


„Der ‚Verein zum Erhalt klassischer Computer e.V.’ hat sich zum Ziel gesetzt, diese Computergenerationen zu erhalten und sie bei verschiedenen Veranstaltungen der Öffentlichkeit zu präsentieren.“[1]
Wie man sich das wohl vorstellen muß: Ein Verein setzt sich nicht etwa das Ziel, sondern setzt sich zu dem Ziel? Aber das nur nebenbei.
Erst dachte ich, das wäre wieder einer der zahllosen und immer zahlloser werdenden Fälle, daß einer Erhalt und Erhaltung nicht unterscheiden kann. Denn so ein Verein wird doch wohl, dachte ich, darauf hinwirken wollen, daß die klassischen Computer nicht aus der Welt verschwinden, sondern erhalten bleiben, und er wird sich darum für ihre Erhaltung einsetzen. Aber beim Weiterlesen merkt man, daß das Ziel des Vereins ein bescheideneres ist: Er will alte Computer (na ja, etwas mehr schon: „Computergenerationen“) auf Veranstaltungen der Öffentlichkeit präsentieren, und da er sicher noch nicht alle hat, muß er sie zunächst erhalten. Also ist tatsächlich Erhalt gemeint. Denn das kommt von erhalten im Sinne von bekommen; man kann dann gegebenenfalls den Erhalt bestätigen. Erhaltung – das kommt von erhalten im Sinne von bewahren – der klassischen Computer ist ein viel weiterreichendes, ein die Ziele unseres Erhalt-Vereins weit übersteigendes Anliegen. Gleichwohl dürfte er mit den Präsentationen, die er im Anschluß an den Erhalt vornimmt, auch zur Erhaltung einen gewissen Beitrag leisten.

Sonntag, 11. September 2011

Wir werden immer dicker

„Wer ärmer ist, stirbt auch zunehmend früher“.[1]
Das wundert mich nicht. Armut bringt ja eine ganze Reihe von möglichen Todesursachen mit sich, von denen sich ein Reicher nichts träumen läßt. Die verschwinden nicht mir nichts dir nichts alle, wenn die eine, der Nahrungsmangel, der am Zunehmen hindert, beseitigt ist.
Nicht ganz so schlimm erwischt hat es die Rentenversicherung. Auch sie wird dicker, aber es geht ihr wenigstens nicht ans Leben:
„In den 1990er Jahren geriet jedoch die gesetzliche Rentenversicherung immer mehr zunehmend in finanzielle Schwierigkeiten.“[2]

Samstag, 10. September 2011

Zutiefst entsetzt

"'Wir waren zutiefst entsetzt' - Unsere User erinnern sich an den 11. September 2001."

Das steht heute auf der GMX-Eingangsseite. 

Einem, der sagt, er sei "zutiefst" entsetzt, dem glaube ich nicht, daß er überhaupt entsetzt war. Diesen Glauben hat mir der Politikerjargon in den letzten Jahren ausgetrieben.

Erfreulich ist aber, daß GMX so, wie es noch vor wenigen Monaten allgemein üblich war, "11. September" und nicht "9/11", gesprochen "naineleffen", schreibt. Man freut sich doch über jeden, der in Modedingen etwas zögerlich ist.


Konsequent

Eine fremde Sprache lernt man am besten, wenn man sich einfach ins Getümmel stürzt und jeden Umgang mit Leuten abbricht, die Deutsch können. Das scheint auch das Prinzip von fernakademie-klett.de zu sein. Dort wird man „vom Anfängerkurs bis hin zu international anerkannten Sprachzertifikaten der Universität Cambridge oder London Chamber of Commerce“ „fit in Stil“ gemacht.[1]

Freitag, 9. September 2011

Bildung im Paket

In der taz vom 31. August 2011 steht ein von einem „Mitbegründer und Gesellschafter der Teach First Deutschland GmbH“ und Angehörigen der „Educational-Entrepreneurship-Bewegung“ verfaßter Artikel, der das Buch eines Bertelsmann-Vorstandsmitglieds bespricht und lobt.
Der Buchautor wird als der „Immer-noch-Jungstar der Bildungsszene“ vorgestellt. Ich interessiere mich seit langem für Fragen der Bildung, habe dazu eigens Schriften Wilhelm von Humboldts und Schellings studiert und meinte, mich einigermaßen auszukennen. So glaubte ich, mit allen, die sich auch auskennen, daß es die Stiftung der Firma Bertelsmann war, die die Hauptarbeit dabei geleistet hat, an den Universitäten Bildung durch Ausbildung zu ersetzen, also abzuschaffen. Wie ich nun sehe, war ich im Irrtum. Nicht nur, daß Bertelsmann einen Experten, ach was, einen Star auf dem Gebiet der Bildung vorzeigen kann: Mit der Bildung sind wir keineswegs am Ende, im Gegenteil, da grünt’s und blüht’s derart, daß das bisherige Vokabular nicht mehr ausreicht, um zu beschreiben, was da abgeht. In dem halbseitigen taz-Artikel findet man:
Bildungsszene, Bildungsstandort, Bildungsarmut (3 mal), Bildungsrepublik (3 mal), sogenannte Bildungsrepublik (2 mal), Bildungssystem (3 mal), Bildungspaket, Bildungspolitik, Bildungsunternehmungen, Bildungskrise, Bildungsmanager, Bildungsetat, Bildungsrendite, Bildungsverlierer, Bildungsunternehmer (2 mal), Bildungsunternehmen, Bildungswesen, Bildungsbücher, Bildungspanik, Bildungslandschaft.
Etwa die Hälfte dieser Wörter las ich zum ersten Mal. Bei manchen kann ich mir denken, was sie bedeuten, bei anderen bleibt es auch nach längerem Nachdenken dunkel. Was ist ein Bildungspaket? Ein Paket, das Jugendliche von besorgten Großeltern zu Weihnachten bekommen und das Werke von Goethe, Lessing und Hölderlin enthält? Also Bildungsbücher? Oder sind Bildungsbücher solche, die Bertelsmann-Vorstandsmitglieder, Angehörige der Educational-Entrepreneurship-Bewegung und Angestellte der Teach First Deutschland GmbH zum Thema Bildung schreiben? Und was ist Bildungspanik? Die Panik, die einen Gebildeten erfaßt, wenn er die heutige Bildungslandschaft betrachtet? Oder die Panik, die jemanden befällt, dem der Verdacht kommt, ihm mangle es an Bildung und das könnte dazu führen, daß er mit einem geringen Einkommen vorlieb nehmen muß? Wäre das, was ihm dann an Geld fehlt, wenn er es hätte, die Bildungsrendite? Und was ist eine Bildungsunternehmung? Wenn ich es unternehme, dem Enkel ein Bildungspaket zu schicken – ist das eine solche Unternehmung? Oder sind Schulen gemeint? Oder diese nur dann, denn sie zugleich Bildungsunternehmen sind, also gewinnorientierte Privatschulen?
Auffällig ist, daß in allen diesen Wörtern „Bildung“ vorne steht. Wörter, in denen es umgekehrt ist – wie in „Herzensbildung“ – kommen in dem Artikel kein einziges Mal vor. Können Sie sich das erklären?


Donnerstag, 8. September 2011

Starkult

„Robert Koch, der Superstar der Medizin“ (ein dem Tagesspiegel entnommener Artikel in zeit.de, 27.5.2010).
Was ist ein Star? Wikipedia belehrt uns folgendermaßen:
„Es ist das Wesen der Stars, die Bedürfnisse gerade in die Pubertät eingetretener Jugendlicher nach Freiheit, Liebe oder auch Sex anzusprechen, ohne sie jedoch direkt zu erfüllen.“[1]
Das Foto von Robert Koch, das in zeit.de zu sehen ist, weckt erhebliche Zweifel daran,  ob die in der Überschrift aufgestellte Behauptung einer Prüfung standhielte. Lediglich einem Teil der Definition („ohne sie jedoch direkt zu erfüllen“) scheint mir das Wesen des Gelehrten ein wenig entgegenzukommen.
Im Übrigen ist die Überschrift ein Beleg dafür, daß der sogenannte seriöse Journalismus inzwischen im Dreck angekommen ist und sich dort zusammen mit dem Boulevardjournalismus suhlt. Ich kenne die Rechtslage nicht, aber das Gerechtigkeitsempfinden verlangt doch, daß die Nachkommen Kochs die Möglichkeit haben müßten, Zeit und Tagesspiegel wegen Beleidigung oder Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu verklagen. Eine Verjährung ist in derart schweren Fällen sicher ausgeschlossen.


[1] Stichwort Star, 29.1.11

Mittwoch, 7. September 2011

Witwerinnen

Die Freunde politisch korrekter, insbesondere genderbewußter (heißt das so?) Sprache haben, so scheint's, eine starke Verbündete bekommen:
„Witwerinnen. Solches sprach in der Kombination 'Witwer und Witwerinnen' die Qualitätsjournalistin Brigitte Büscher in der gestrigen Ausgabe von 'Hart aber fair'. Und zwar mehr als einmal.“ [1]

Studierende und Vorsitzende

Der Hamburger Liguistikprofessor A. Stefanowitsch hat allen Ernstes den modischen Gebrauch von „Studierender“ verteidigt.[1] Er meint, es gebe ja auch den Vorsitzenden, und man verstehe ja, was mit „Studierender“ gemeint ist – also was die Politkorrektler damit meinen –, das reiche schon. Er ist offenbar mit etlichen anderen Linguisten der Meinung, daß man statt „die Polizei hat den Täter gefaßt“ auch schreiben darf „die Polizei hat den Tuenden gefaßt“. Verstanden wird das sicher auch, und man tut ja nichts anderes als im Falle des Vorsitzenden, und wer möchte bezweifeln, daß „Vorsitzender“ richtig ist?
„Das Partizip 1 ist eine Verlaufsform, man drückt mit ihm aus, daß etwas gerade jetzt passiert. Man kann mit ihm nicht einen Dauerzustand bezeichnen und auch nicht z. B. einen durch eine typische Tätigkeit charakterisierten Beruf.“ Das habe ich vor einiger Zeit in diesem Blog (siehe Kunstmalende) geschrieben. Diese Regel, meint Stefanowitsch, gilt nicht mehr, wenn es eine Ausnahme gibt. – Es gibt nicht nur diese Ausnahme, sondern einige, wenn auch nur wenige mehr, z. B. „Lehrende und Lernende“. Aber das ist eben das Wesen von Regeln: Sie kennen Ausnahmen, das unterscheidet sie von Gesetzen. Eine Ausnahme muß sich eigens rechtfertigen lassen, kann man das nicht, ist die Regel anzuwenden. Die genannte gilt in beliebig vielen Fällen bzw. sie gilt für so viele Wörter, wie es Verben gibt; für jedes beliebige Verb gilt, daß das Partizip 1 eine Verlaufsform ist. Die wenigen Ausnahmen sind, vermute ich, alle auf dem Weg über fehlerhafte Verwendung (in Sondersprachen, wo bekanntlich jeder Unsinn möglich ist, im Falle von „Vorsitzender“ und „Alleinerziehender“ in der Amtssprache) entstanden, bis irgendwann durch lange Gewohnheit der Fehler nicht mehr bemerkt wurde. „Studierende“ ist auch in einer Sondersprache entstanden, im Jargon von Politkorrektlern, also derer, die davon träumen und es sicher bald in Angriff nehmen, das lästige „Täterinnen und Täter“, zu dem sie sich gendermäßig oder wie das heißt verpflichtet sehen, durch „Tuende“ zu ersetzen. – Sicher wird auch bei „Studierende“ der Fehler eines Tages nicht mehr bemerkt werden, denn die genderbewußten Sprachreiniger sind eine Macht. Aber so lange es noch jemanden gibt, der ihn bemerkt, bleibt er ein Fehler.

Ich glaube durchaus, daß man von den Linguisten allerlei wichtige Dinge lernen kann, aber wenn es darum geht, was richtiges Sprechen ist,  dann fragt man doch besser einen Deutschlehrer oder einfach jemanden, der deutsch kann.

Dienstag, 6. September 2011

Darstellen 2


„Vielmehr gingen wir bisher davon aus, dass das Land Schleswig-Holstein dieses Schlüsselprojekt mit seiner hohen Wirkungskraft in Bereiche des Nahverkehrs, der Ökologie, aber auch der Ökonomie nach Kräften unterstützen will. Eine Finanzierung dieses Projektes ohne das Land ist nicht darstellbar.“ Das ist aus der „Rede von Oberbürgermeister Torsten Albig zum Sachstand ‚Bahn frei! Die StadtRegionalBahn kommt’“.[1]
Eine Wirkungskraft hat es also, das Projekt, und zwar in Bereiche. Noch einmal: Es hat eine Kraft in Bereiche. Haben Sie etwas verstanden, verehrte Leserinnen und Leser? Wahrscheinlich wollte der Herr Oberbürgermeister sagen, daß das Projekt kräftig – und zwar nicht mit hoher, sondern mit großer Kraft – in gewisse Bereiche hineinwirkt. Interessant ist aber vor allem, daß man ohne das Land eine Finanzierung nicht darstellen kann. Wie stellt man eine Finanzierung dar? Auf der Bühne, vielleicht mit den Mitteln des Ausdruckstanzes? Oder auf der Leinwand? Am besten wohl in Form einer Graphik. Und das geht nicht ohne das Land, weil das einem die notwendigen Zeichenutensilien finanzieren muß, oder so.
Da wird jetzt wohl einer kommen und uns darauf hinweisen, daß in manchen Kreisen der Finanzwelt eine Bedeutung von „darstellen“ in Gebrauch ist, von der sich der normale Bürger nichts träumen läßt. Das mag ja sein, aber von seinem Oberbürgermeister kann der Bürger verlangen, daß er entweder lokalen Dialekt oder Hochdeutsch spricht, nicht Rotwelsch oder einen anderen Fachjargon.


Montag, 5. September 2011

Darstellen 1

In der Tagesschau sagte vor einigen Tagen[1] ein mir unbekannter, gleichwohl gewiß bedeutender Oppositionspolitiker: „Dessen ungeachtet muß Frau Merkel eine eigene Mehrheit darstellen.“
Was er gesagt hat, wird er  nicht gemeint haben. Man kann zwar von einer Kanzlerin vieles verlangen, aber nicht schauspielerische Fähigkeiten, die ausreichen, um als einzelner Mensch eine Mehrheit darzustellen. Ich vermute, es ist so: Jahrelang hat die Politikerkaste aufgestellt – mal breit, mal optimal, mal exzellent –, und zwar vor allem sich selber (siehe Aufstellen). Kein Fußballtrainer, zu dessen Hauptaufgaben, ja Kerngeschäft das Aufstellen doch gehört, konnte da mehr mithalten. Jetzt meint man, daß endlich einmal etwas Neues passieren muß, damit die Leute wieder zuhören. Wir dürfen gespannt sein, was dem Darstellen alles noch zustößt. Mit „wir sind breit (optimal, exzellent) dargestellt“ muß man wohl rechnen; es wird das gleiche bedeuten wie im Falle von aufgestellt, also mehr oder weniger nichts. Vielleicht verdrängt „darstellen“ aber auch das jetzt so beliebte „einfahren“. „Wir haben ein sensationelles Ergebnis dargestellt und ich danke allen Wahlhelfern ...“ – ich würde mich darüber nicht wundern.




[1] 29.8.2011

Samstag, 3. September 2011

Stämmige Wörter

„Das aus dem Französischen stämmige Wort "apropos" wird auch hierzulande oft und gerne benutzt.“[1]
In dem Blog, in dem das steht (http://woerter.germanblogs.de/), geben Experten, offenbar studierte, Schreibratschläge, und darum wird man nach den Regeln der Rechtschreibkommission oder des Duden das jetzt wohl dürfen. Aber die Regeln der deutschen Sprache erlauben es leider nicht. Darum hat sie dafür gesorgt, daß bei jedem, der in ihr einigermaßen zuhause ist, sich beim Lesen des eben zitierten Satzes körperliche oder seelische Beschwerden einstellen. Es bleibt dabei: entweder „das französischstämmige Wort“ oder „das aus dem Französischen stammende Wort“.

Donnerstag, 1. September 2011

taz kämpft gegen Anglizismen



„Türkisches Nachtleben in Berlin orientiert sich an Istanbuls Nightlife“, schreibt heute (1.9.11) die taz.
Daß man in Istanbul das Englische dem Türkischen vorzieht, ist zwar unwahrscheinlich, aber weiß man's? Dann wäre es nicht abwegig, vom nightlife in Istanbul zu schreiben. Aber daß ausgerechnet ein taz-Journalist so wie die große Mehrheit der Deutschen „Nachtleben“ zu dem sagt, was sich nachts in Berlin abspielt, wundert einen doch sehr.

Wundersame Nachfolgevermehrung


„Innensenator Christoph Ahlhaus ist zum aussichtsreichsten Kandidaten für eine Nachfolge von Bürgermeister Ole von Beust avanciert,“ schrieb vor einiger Zeit einer im Abendblatt.[1] Es gibt also nicht nur eine Nachfolge, sondern mehrere. Eine davon wird wohl Herr Ahlhaus antreten. Ich hab' die Sache nicht verfolgt. Haben die nun tatsächlich mehrere Bürgermeister?