Dienstag, 20. September 2011

Internationale Ausländer

Das International Office[1] der Frankfurter Universität bietet „Informationen für internationale Studenten“ an.[2]
Was wohl ein internationaler Student ist? Unter einem nationalen Studenten hat man früher einen nationalistisch gesinnten verstanden. Aber ich glaube nicht, daß das International Office eigens Informationen für Studenten anbietet, die sich durch das Gegenteil einer nationalistischen Gesinnung auszeichnen.
Vielleicht kommt man so der Sache näher: Es gibt internationale Stars. Das sind solche, die auf allen Bühnen der Welt zuhause sind. Keineswegs aber ist ein Sänger aus Rußland, der einmal in einer Berliner Kneipe auftritt, ein internationaler Star, er ist nicht einmal ein internationaler Sänger, sondern ein ausländischer.
Das International Office wollte eigentlich „ausländische Studenten“ schreiben. Aber da hat es sich gedacht, das ist diskriminierend. Denn wenn so viele Leute meinen, Ausländer zu sein sei etwas Verwerfliches, dann muß etwas dran sein, und wir wollen niemanden beleidigen. Wir wollen lieber vorsichtig sein und sagen darum „internationale Studenten“, denn irgendwie ist international ja so was ähnliches wie ausländisch, beides hat irgendwie mit jenseits der Landesgrenzen und überhaupt mit ganz weit weg zu tun, und international klingt besser.




[1] Für diejenigen unter Ihnen, deren Universitätsaufenthalt schon fünf oder zehn Jahre zurückliegt: das Auslandsamt.

Kommentare:

Phaeake hat gesagt…

Ich halte "international" in diesem Fall für das weniger schlechte Wort als "ausländisch". Denn es geht um Studenten respektive Studienbewerber, "die ihre Hochschulzugangsberechtigung nicht in Deutschland oder an einer Schule mit deutscher Abiturprüfungsordnung erworben haben." (Besser als das "nicht ... oder" wäre ein "weder ... noch" gewesen.)
Ein deutscher Staatsangehöriger, der an einer französischen Schule seine Hochschulberechtigung erworben hat, fällt also in die Zuständigkeit des Büros, ein türkischer Staatsangehöriger mit deutschem Abitur eben nicht.

Ludwig Trepl hat gesagt…

Aha, so kann man's auch sehen, und es klingt einleuchtend. Nur: Garantiert hat das das "International Office" nicht so gesehen, sondern eher, wenn auch nicht genau so, wie ich es beschrieben habe.

Phaeake hat gesagt…

Na gut, wenn Sie es garantieren...

Halten wir fest: Wir haben ein einigermaßen vernünftiges Ergebnis und die Alternativen, dass dieses aufgund vernünftiger oder aber aufgrund völlig unvernünftiger Überlegungen erreicht wurde. Sie vertreten letzteres und ich stimme Ihnen sogar zu, allerdings nur weil ich Universitätsverwaltungen aus eigener Anschauung kenne.

Ludwig Trepl hat gesagt…

Das Ergebnis ist aber nur in diesem Fall einigermaßen vernünftig. Normalerweise wird - wenigstens an den Universitäten - "international" völlig hirnlos und inflationär verwendet, es bedeutet etwas Ähnliches wie "exzellent", also mehr oder weniger gar nichts.