Dienstag, 13. September 2011

Ärea

Das „Vital- und Wellnesscenter SAMSUN“ schreibt „Wellness-Ärea“, mit Ä.[1] Der Verein deutsche Sprache e.V., der sich ja vornehmlich darum bemüht, diese von Anglizismen zu reinigen, sollte dem Autor einen Preis verleihen.

Doch dem Deutschen ein Wort gewonnen zu haben – manche meinen ja, Area sei bereits eines, ein Lehnwort halt, womit sie sich aber irren – ist nicht alles. Man bedenke: In einem Milieu, in dem Sätze geschrieben werden, die aus Wörtern wie FitnessPark, Treckingcenter und Outdoor-Fun bestehen, wobei diese gerade mal noch durch und und nicht durch and verbunden werden, in einer Umgebung, in der vermutlich der Chef tobt, wenn einer statt Nordic Walking das Wort Steckeleslauf sich zu verwenden traut, wagt es einer, „Area“ einzudeutschen. Als das seinerzeit dem „Bureau“ passierte, gehörte kein Mut dazu, im Gegenteil, wer sich dem „Büro“ verweigerte, hatte in der nationalistischen Umgebung mit unangenehmen Konsequenzen zu rechnen. Aber heute? Welch eine Zivilcourage! Wer immer der Autor sein mag: Chapeau! Dafür gibt es doch sicher noch ganz andere Preise als solche des Sprachreinigungsvereins, viel höhere, solche, die der Bundespräsident überreicht. Ich sehe es schon vor mir: Der Autor wird bald mit Orden behängt sein wie ein sowjetischer General.


Kommentare:

Michael Allers hat gesagt…

Da ich Ihnen mindestens das Bundesverdienstkreuz gönne, seien Sie doch bitte so konsequent und schreiben fürderhin auch Äreal. ;-)

Überhaupt sollte jedes A in Wörtern lateinischen Ursprungs´durch Ä ersetzt werden, wenn der Anglo diese ebenfalls benutzt:
Ämbiente, Äquärell, Ästronomie ...

Ich frage mich nur, inwiefern das Nachvollziehen der engl. Aussprache eine "Eindeutschung" sein sollte. Man kann doch das Wort ganz einfach deutsch auszusprechen: Ahrea.

Wenn aber partout Englisch, reicht es bei dem unbekannten Sprachhelden leider doch nicht zum Orden; dann hätte er Äria schreiben müssen!

Ludwig Trepl hat gesagt…

"Ich frage mich nur, inwiefern das Nachvollziehen der engl. Aussprache eine "Eindeutschung" sein sollte."

In dem Sinne, wie auch "Büro" eine ist. "Ahrea" wäre natürlich auch eine. International ist beides üblich. Im Polnischen wurden zahllose Wörter aus dem Deutschen mal nach dem Modell "Ärea", mal nach dem Modell "Ahrea" übernommen. Aber so gut wie immer wurden sie, so oder so, polonisiert (falls das so heißt).

Ludwig Trepl hat gesagt…

"Wenn aber partout Englisch, reicht es bei dem unbekannten Sprachhelden leider doch nicht zum Orden; dann hätte er Äria schreiben müssen!"

Er soll ja nicht einen Orden für seine Verdienste um die deutsche Sprache bekommen, bzw. dafür nur einen minderen Ranges (von dem Sprachreinigerverein), sondern eine Tapferkeitsmedaille (vom Bundespräsidenten), und dafür ist es egal, ob Ärea oder Äria.

Antoninus hat gesagt…

"Chapeau!" Ja, nun, als Zitat!]
Warum nicht Kopfab! Das wäre was Deutsches! Zumindest [nicht: zutiefst!] Deutschsprachiges!

Aber: Warum nicht? Wenn schon nicht-, also: un-deutsch!

Ernsteres später! Sozusagen: "hysteron" [... müsste man mit alt-griech. Buchstaben schreiben.]

Anonym hat gesagt…

Nur mal zum Nachdenken über das hier sprachhistorisch unnötig verdächtigte „Bureau“:

Also, ich betrete ein Bureau; ein literarisches:
In Klabunds „Das Schreibmaschinenbureau“ mit dem ersten Satz „‹Geflügelte Hand›, Bureau für Schreibmaschinen-Arbeiten» stand unten an der Tür auf schwarzumrändertem Porzellanschild.
Ich läutete.
Lautlos öffnete sich die Tür, und ich stand im Bureau.“

(Also: Jahrszahl, Erscheinungsort und Anmerkungen zum Sprachgebrauch dieses deutschen Dichters könnten nachgetragen werden. Er steht nicht alleine da mit dem Wortgebrauch „Bureau“; vgl. Franz Kafka, Robert Walser u. a. zumeist oberdeutsche, wenn nicht gar schweizerisch-deutschsprachige Autoren.

In den Werksausgaben nach 1945 wurde dieser "eingeführte" (hochdeutsche und literarische, aber nicht allgemein-deutsche) Begriff abgeschafft, wenn es nicht histor.-kirtische Ausgaben waren.

Bei Duden findet man ihn seit 1880 (in der Erstausgabe des „Orthographischen Wörterbuchs“. S. 29): ,„Bureau, das; -s, -s u. –x“, - na, welche sprach-geschichtliche Einwanderung lag denn da vor?

Ach, ja: Weiteres ist doch bekannt? Eben: Bei Wiki:
http://de.wikipedia.org/wiki/B%C3%BCro

Ludwig Trepl hat gesagt…

Wer hat denn Bureau sprachgeschichtlich verdächtigt? Gar unnötig? Ich jedenfalls nicht. Ich hab nur diejenigen, die es durch Büro ersetzten, verdächtigt, und zwar politisch.