Samstag, 10. September 2011

Zutiefst entsetzt

"'Wir waren zutiefst entsetzt' - Unsere User erinnern sich an den 11. September 2001."

Das steht heute auf der GMX-Eingangsseite. 

Einem, der sagt, er sei "zutiefst" entsetzt, dem glaube ich nicht, daß er überhaupt entsetzt war. Diesen Glauben hat mir der Politikerjargon in den letzten Jahren ausgetrieben.

Erfreulich ist aber, daß GMX so, wie es noch vor wenigen Monaten allgemein üblich war, "11. September" und nicht "9/11", gesprochen "naineleffen", schreibt. Man freut sich doch über jeden, der in Modedingen etwas zögerlich ist.


Kommentare:

Michael Allers hat gesagt…

Autsch! Sie müssen Englisch ja nicht können oder mögen, aber trotzdem bitte "nainilewwen".

Ludwig Trepl hat gesagt…

Sie verwechseln Ideal und Wirklichkeit. Deutschenglisch hat wie Jamaikaenglisch eine eigene Aussprache ("Senk ju for träffelling"). Darunter leiden die Deutschen zwar sehr, denn sie möchten ja gern wie ein richtiger Kalifornier sprechen, aber es gelingt ihnen meist nicht, und zum Ausgleich führen sie ein amerikanisches Wort nach dem anderen ein, das hilft, meinen sie, auch.

Antoninus hat gesagt…

DWDS stuft auch 20111 noch "zutiefst" als Moder-, pardon: Modewort ein.
Ich fand schon für einen Beleg, allerdings, den frühesten:

"Die Weiberfeindlichkeit des Mannes kommt in allen Sprachen, in allen Literaturen der Welt zum Ausdruck, ohne ihm Hohn einzutragen. Der des Weibes am wenigsten entraten kann, ist nicht selten der zutiefst am Weibe Leidende. Strindbergs Monomanie wirkt immer wieder tragisch, tragisch wie das Schicksal seines Adepten, des jungen Weininger, der die Abkehr vom Weibe und damit vom Geschlecht folgerichtig mit dem Tode von eigener Hand besiegelte."

Aus: Meisel-Hess [Das kann keine Frau sein! Wetten?]: Die sexuelle Krise. Jena: Diederichs 1909, S. 49427. [Vielleicht ist die Seitenangabe ein Kopierfehler, wer weiß; ich ahne es zutiefst!]


Folgende Adverbien stehen (nach dem DWDS-Thesaurus) in einer Synonymgruppe:
"allerbest, ausgesprochen, außergewöhnlich, außerordentlich, besonders, enorm, himmelweit, massiv, sehr, sonderlich, stark, ungemein, zutiefst, äußerst, überaus".
Die sematischen Grundbedeutungen fehlen zu allermeist (hier nicht: zutiefst!), bzw. werden nicht mehr beachtet wg. des lärmenden Gebrauchs der Angeber-Adverbien.
http://www.dwds.de/?qu=zutiefst&view=1

[Nach einfacher Anmeldung ist dwds.de als eine wahre Frucht-, pardon: Fundgrube der "deutschen Gegenwartssprache" zu nutzen.]