Donnerstag, 28. April 2016

Genauigkeitsfanatiker

„An einigen Orten Hamburgs kann man inzwischen Tag und Nacht Drogen kaufen. Innenbehörde und Polizei wollen stärker dagegen vorgehen. Wie genau wollen sie das schaffen?“
Das fragt Zeit-Online heute; wen, bleibt unklar. Falls ich der Gefragte sein sollte: Vielleicht  könnte man es in einem ersten Schritt hinbekommen, daß es nur noch zwischen 11.20 Uhr und 12.20 Drogen gibt, und in einem zweiten Schritt nur noch ganz genau zwischen 11.27 und 11.29.


Sonntag, 24. April 2016

„Regional – meist kommentiert“

lautet eine Überschrift in der Mainpost[1].
Ich verstehe das so: Artikel über Regionales werden meist kommentiert. Wird dagegen aus entfernten Gegenden berichtet oder über diese, werden die Artikel meist nicht kommentiert, sondern beispielsweise gelesen; den Artikeln über Regionales passiert das kaum. Die Autoren wollten vielleicht etwas anderes sagen, aber das ist ihnen mißlungen. Sie hätten dann „meistkommentiert“ schreiben müssen, aber sie glauben, das sei neuerdings verboten.





[1] http://www.mainpost.de/meistkommentiert/cme318862,4593288

Montag, 11. April 2016

Forscherdrang

„Die Suche nach Spuren von Intelligenz ist ein Forscherdrang, den Menschen in allen möglichen Alltagssituationen ausgesetzt sind, mit mehr oder weniger befriedigenden Ergebnissen.“ (Telepolis, 27.5.11)

Das „den“ ist sicher ein Flüchtigkeitsfehler, da wollen wir nicht so sein. Aber daß eine Suche ein Drang sein soll, will mir gar nicht in den Kopf. Ich dachte immer: Einen Drang zu suchen kann man zwar verspüren, aber das ändert nichts daran, daß eine Suche und ein Drang ihrem Wesen nach doch höchst verschiedene Dinge sind. – Na ja, auch das könnte man hinnehmen, wenn nicht Murks dieser Art so typisch wäre für den engagierten Journalismus. Wenn man mal vom Sprachlichen absieht und sich gleich an das vermutlich Gemeinte hält: Den Drang, Spuren von Intelligenz zu entdecken, verspüre ich hauptsächlich beim Lesen von Zeitungen und ganz besonders von Internetzeitungen, also in der Tat in Alltagssituationen, und die Ergebnisse sind eher weniger befriedigend.


Sonntag, 10. April 2016

Kollateralschaden der Steuerhinterziehung

Über „panama papers“ mag man sich ärgern; denn ein Zeitungsschreiber sollte doch in der Lage sein, das ins Deutsche zu übersetzen. Aber ein Satz, in dem „Panama Papiere“ steht statt „Panamapapiere“ – solche Sätze stehen heute in der FAZ –, ist meist keiner, sondern eine sinnlose Aneinanderreihung von Wörtern. Was heißt „Die Panama Papiere“? Gibt es eine Klasse von Gegenständen weiblichen Geschlechts, die "Panama" heißt, so daß ein einzelnes Mitglied dieser Klasse dann auf den weiblichen Namen "Papiere" hören kann – so wie ein Mitglied der Klasse der Weihnachtsgänse den Namen "Auguste" führen kann? Klingt etwas weit hergeholt. Aber was soll „Die Panama Papiere“ sonst bedeuten?


Donnerstag, 7. April 2016

political correctness

Im Baskenland gibt oder gab es eine Organisation namens ETA, deren Haupttätigkeit oder wie man heute sagt: Kerngeschäft das Bombenlegen ist, zumindest war, und die nicht der spanischen Regierung untersteht oder unterstand. Allen Regeln der heutigen Sozialwissenschaften, der political correctness und des modischen Jargons zufolge müßte man sie eigentlich eine NGO, eine Non Governmental Organisation nennen. Aus bisher unerforschten Gründen tut das aber keiner.

Montag, 28. März 2016

Bildungsthema

Prof. Dr. Gerhard de Haan wurde zum Vorsitzenden des Deutschen Nationalkomitees der UN-Dekade zur „Bildung für nachhaltige Entwicklung“ ernannt, und er sagte über diese Dekade folgendes: „Darin sollen Lernkonzepte, Modelle, Unterrichtsmaterialien usw. das Thema voranbringen. Wenn man sich deutsche Bildungsinstitutionen anschaut, kann man sagen, dass wir das inzwischen im schulischen Bereich gut verankert haben.“[1]
Früher soll es zu den Voraussetzungen für die Besetzung eines Postens, der „Bildung“ im Titel hat, gehört haben, daß der Kandidat sich durch  dieselbe auszeichnet. Einen Gebildeten erkannte man daran, daß er zu Formulierungen wie „das Thema voranbringen“ nicht in der Lage war.

Sonntag, 20. März 2016

Kundenkunde

„Schließt ein Kunde mit dem Lieferanten zum ersten Mal einen Vertrag, ist er aus Sicht des Lieferanten ein Neukunde. Hat er mit dem Lieferanten schon einmal einen Vertrag geschlossen, ist er ein Altkunde oder Bestandskunde. Hat er mit dem Lieferanten schon öfter bzw. regelmäßig einen Vertrag geschlossen, ist er ein Stammkunde.“[1]
Gut, daß das einmal gesagt wird, und gleich von einer so hochwissenschaftlichen Warte aus, wie es Wikipedia ist. Mich drückt schon seit längerem der Gedanke, daß eines Tages meine Enkel fragen könnten, was ein Stammkunde sei, und ich dann ins Stottern komme.