Freitag, 9. Januar 2015

Forscherdrang


„Die Suche nach Spuren von Intelligenz ist ein Forscherdrang, den Menschen in allen möglichen Alltagssituationen ausgesetzt sind, mit mehr oder weniger befriedigenden Ergebnissen.“ (Telepolis[1])
Das „den“ ist sicher ein Flüchtigkeitsfehler, da wollen wir nicht so sein. Aber daß eine Suche ein Drang sein soll, will mir gar nicht in den Kopf. Ich dachte immer: Einen Drang zu suchen kann man zwar verspüren, aber das ändert nichts daran, daß eine Suche und ein Drang ihrem Wesen nach doch höchst verschiedene Dinge sind. – Na ja, auch das könnte man hinnehmen, wenn nicht Murks dieser Art so typisch wäre für den engagierten Journalismus. Wenn man einmal vom Sprachlichen absieht und sich gleich an das vermutlich Gemeinte hält: Den Drang, Spuren von Intelligenz zu entdecken, verspüre ich hauptsächlich beim Lesen von Zeitungen und ganz besonders von Internetzeitungen, also in der Tat in Alltagssituationen, und die Ergebnisse sind eher weniger als mehr befriedigend.



[1] 27.5.11

Freitag, 19. Dezember 2014

Deutscher Knalltütenpreis


Mit Spaß kindgerecht Entspannung erlernen.“[1]
Durchaus preiswürdig, aber zwei der fünf Wörter stehen nicht in der zu erwartenden Neuauflage des Dummdeutsch-Wörterbuchs. Es gibt also noch Steigerungsmöglichkeiten.




[1] www.mehr-lachen.de

Sonntag, 7. Dezember 2014

Jugendliche Kinder


Professor  E. aus Mainz schrieb mir:
„ZDF, Heute: '... die Einbrecher schicken teilweise jugendliche Kinder’. 
Wie alt die wohl sind? Vielleicht gibt’s im Verbrechermilieu ja noch Alternativen, von denen wir nichts ahnen.“

Ich glaube, daß es einfacher ist: Es ist schlicht eine Folge der rasant voranschreitenden Vergreisung unserer Gesellschaft. Kinder sind, so ist’s offiziell definiert, unter 14, Jugendliche zwischen 14 und 18. Jetzt altern die Dreizehnjährigen halt rascher und sind schon 17. Nur was das „teilweise“ soll, versteht man nicht. Vielleicht sind nur manche Körperteile schon der Kindheit entwachsen?


Donnerstag, 27. November 2014

Überpapst


Diesmal geht es nicht um Sprachliches; Der Beitrag ist off topic, wie der Deutsche sagt.
Kürzlich hörte und sah und ich mir auf Youtube eine Aufnahme der Tannhäuser-Overtüre an. Da bemerkte ich im Publikum an herausgehobener Stelle eine kleine weiße Gestalt. Voller Freude erinnerte ich mich: Ich hatte diese Aufnahme schon einmal gesehen, vor einigen Jahren im Fernsehen. Es war eines der großen Bildschirmerlebnisse. Dem frischgebackenen bayerischen Papst gaben die Münchner Philharmoniker ein Konzert. Der Hl. Vater saß auf einem Thron mitten drin, um ihn herum ein Ring rotmütziger geistlicher Würdenträger, um oder unter diesen ein weiterer Ring, und zwar aus weltlichen Würdenträgern. Unter ihnen war Otto Schily, damals Minister einer Republik; er kauerte wie ein Hofschranze zu Füßen des Kirchenfürsten und nährte so meine Zweifel an seiner Verfassungstreue. Dann kam ein gehöriger Abstand, dann die Masse des Publikums.
Nun trat Christian Thielemann ans Pult. Straff aufrecht, federnden Schrittes, ein Herr von der Halsbinde bis zu den Frackschößen, wie es ihn heute nicht mehr gibt, bzw. eben nur noch in diesem einen Exemplar. Eine gebieterische Geste mit der Linken, die Rechte hob den Taktstock, alles duckte sich, Musiker und Publikum, und auch Herr Ratzinger. Man spürte: Es gab einen Stellvertreter des Allerhöchsten im Saal, aber das war jetzt nicht er.
Und mit dem, dem Allergrößten auf Erden, habe ich schon mehrmals zusammen gespeist, ja, man könnte fast sagen: pflege ich zusammen zu speisen! Zwar an verschiedenen Tischen, aber doch im Garten des gleichen Restaurants, eines Ausflugslokals in der Nähe von Bayreuth, wo er alljährlich während der Festspiele zu logieren geruht. Höher kann ich in diesem Leben nicht mehr steigen. Oder vielleicht doch? Er trägt kurze bunte Hosen wie ein deutscher Tourist in einer italienischen Kirche und sieht viel kleiner aus als am Pult. Ob ich ihn einfach mal anspreche, vielleicht sogar duze?

Sonntag, 16. November 2014

Wachstumsschmerzen


„Deutschland ist zuletzt weniger gewachsen als Griechenland“ schreibt heute die FAZ in ihrer Internetausgabe.[1]
Und wir dachten alle, das hätten wir hinter uns, das machen nur noch die Russen. – Wenig zwar, aber immerhin gewachsen. Man möchte natürlich wissen, was denn dazugekommen ist. Vielleicht Hinterpommern? Ostpreußen jedenfalls nicht, da war ich kürzlich, das ist immer noch teils polnisch, teils russisch. Aber Hinterpommern ist eigentlich auch zu groß, um „weniger gewachsen als Griechenland“ zu rechtfertigen, denn Griechenland ist garantiert nicht um eine noch größere Fläche gewachsen, davon hätte man gehört. Vielleicht fand das Wachstum ganz woanders statt als dort im Osten, woran der Deutsche nach alter Gewohnheit  zuerst denkt. Mallorca? Hat es endlich geklappt?




[1] http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/stagnierende-wirtschaft-der-mindestlohn-ist-nicht-schuld-13267983.html


Donnerstag, 13. November 2014

Anything goes


„Warum werden im Zusammenhang mit gender und diversity so viele englische Begriffe verwendet? Der Gender Begriff bietet im Englischen die Möglichkeit den Begriff des sozialen Geschlechts vom biologischen abzugrenzen. Dies ist im Deutschen so einfach nicht möglich, da nur ein Wort zur Verfügung steht, und immer eine längere Erklärung angefügt werden müsste, um welchen Begriff es denn nun geht. Das Wort Gender ist also viel klarer zu gebrauchen, als das im Deutschen möglich wäre.“ Das fand ich auf einer Internetseite der Eliteuniversität TU München.[1]
Bisher dachte ich, es gäbe nur einen einzigen Grund, warum nicht nur im Zusammenhang mit gender und diversity, sondern auch sonst so viele englische Begriffe verwendet werden, nämlich die Angst, man könnte als Provinztrottel enttarnt werden. Aber es gibt, wie man an dem Zitat sieht, einen weiteren: Deutsch können sie einfach nicht mehr. Die neue Mischsprache hat fast keine Regeln, da kann jeder beim Schreiben mitmachen, sofern er nur in der Lage ist, Buchstaben aneinanderzureihen. Beim Verstehen wird’s schon schwieriger, da kann nicht jeder mitmachen, das ist wohl auf die Kreise unserer Eliten beschränkt.



[1] Frequently Asked Questions (FAQ) 1. Allgemeine Fragen, auf einer Seite namens „Gender Studies in Ingenieurwissenschaften“ der TU München (http://www.gender.edu.tum.de/faq.html).

Sonntag, 9. November 2014

Verkehrsunfall


„Verkehr ist die Bewegung von Personen, Gütern oder Nachrichten in einem definierten System.[1] Dabei werden Einheiten entlang von Kanten eines Netzwerks oder auf Routen einer Verkehrsinfrastruktur bewegt.“
Die Redaktion von Wikipedia hat darübergesetzt: „Dieser Artikel erläutert Verkehr im Sinne von Transport.“[1]
Das wird wohl als eine Nominaldefinition, eine Festsetzung des Sprachgebrauchs gedacht sein, denn eine Realdefinition, eine Feststellung des Sprachgebrauchs, ist es schwerlich. Bei einer Nominaldefinition ist man frei. Niemand kann einem verbieten, als Walfisch zu definieren, wozu bisher alle Welt Ameise gesagt hat. Sollte es aber doch als Realdefinition gemeint sein, und bei Wikipedia weiß man ja nie, stellen sich einige Fragen. Darf man es wirklich mit Fug und Recht einen Verkehr im Sinne von Transport nennen, wenn sich Nachrichten durch die Luft oder einen Draht von einem Mund zu einem Ohr bewegen? Und ist es denn kein Verkehr, wenn sich Personen nicht auf Kanten oder in einer Verkehrsinfrastruktur von einem Ort zum anderen bewegen, sondern z. B. einfach quer durchs Gelände fahren? Oder wenn ein Schiff übers Meer fährt und sich nicht an die Seefahrtsrouten hält? Oder wenn das alles nicht in einem Netzwerk oder einem definierten System geschieht?