Montag, 19. September 2011

Muslima

Die weibliche Form von Moslem oder Muslim ist Moslemin oder Muslimin, jedenfalls wenn es nach den Regeln der deutschen Sprache ginge. Wer mag bloß die Muslima erfunden haben? Claudia Roth vielleicht? Und warum? Ich glaube es zu erraten, ohne es doch zu verstehen. Wer Muslima sagt, sagt auch Indigena – da, wo man vorher Indianerin sagte. Auf mysteriöse Weise reiht man sich damit ein in die Front der Kämpfer gegen die political incorrectness und den Eurozentrismus, denn die Europäer haben ja „Indianer“ erfunden. Daß „Indigena“ ein Fremdwort (europäischen Ursprungs) für das ganz und gar unkorrekte „Eingeborene“ ist, stört merkwürdigerweise wenig.
Ähnlich geht’s den australischen Eingeborenen. Keiner sagt das mehr. Widerfährt es einem, ist's ihm fast so unbehaglich, als ob ihm „Neger“ oder „Zigeuner“ über die Lippen gerutscht wäre. Er könnte ja auch Ureinwohner sagen, klingt vielleicht nicht ganz so verboten, aber er übersetzt die Eingeborenen lieber in die Sprache derer, die sie auszurotten versucht haben, sagt also Aborigines, und schon weiß er sich auf der Seite der Guten.

Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Wie mann sich die Welt von A bis ... (nein, weiter reicht es nicht...) zurecht verwurst-, pardon: -worten kann, um seine A...-versionen auszuweisen.

Gefangen in der Xenophobia (gr. ξενοφοβία (= „Fremdenangst“, von ξένος xénos „Fremder“ und φοβία phobia „Angst“, „Furcht“) muss mann so vor sich hingrollen.

Nur was zu "A" (wie "Aha" oder "A" im DWB:
http://germazope.uni-trier.de/Projekte/WBB2009/DWB/wbgui_py?lemid=GS13754

„Muslima“ muss deutschmann nicht hinterherzetern.
"Von gleichbedeutend und gleichlautend arabisch مسلمة‎ (weibliche Form von Muslim). Der Begriff ist die Eigenbezeichnung der meisten deutschsprachigen Muslimas."

Schlau/wow: vor-thinken et nach-clicken:
http://de.wiktionary.org/wiki/Muslima

"Kanake": "Entlehnt ist das Wort vermutlich vom polynesischen "kanaka für ‚Mensch‘, der hawaiischen Bezeichnung für die Kanaken Neukaledoniens..."

Such und click nach...

Oder: "Eva" - das älteste Wort für Frau, mann muss es nur noch bis ins Hebräische verfolgen, um sich im Paradies der Sprache zu fühlen.

Etvetera, pardon: et cetera... (übrigens trotz der "a"-Endform (Suffix) nicht weiblich, sondern: Nom. oder Akk. Neutrum.

"Als Adam hackt und Eva spann,
wer war allda der Edelmann;
ihm schmeckt kein Mahl, er schlummert süsz
bei federleichtem Sinn,
und träumt sich in ein Paradis
mit seiner Eva hin." (G.A. Bürger)

[Auch so wirr-parodistische passen Adam und Eva noch zusammen; besser als Paraphrasen zu Muslima.]

+++

Nur so als meine Kurzantwort auf die immer häufigere Verflechtung sprachlichen Auf-Zeichen mit politischem Ab-Sinn [statt Hintersinn] (pardon: Ab-Sicht)?

Ludwig Trepl hat gesagt…

Ich hab fast nichts verstanden, für schlichtere Gemüter, wie meines nun einmal ist, muß man's einfacher machen. Vor allem würde ich gern wissen, was das "mann" und das "deutschmann" soll, da scheint man mir etwas bestimmtes sagen zu wollen.

Das
"Von gleichbedeutend und gleichlautend arabisch مسلمة‎ (weibliche Form von Muslim). Der Begriff ist die Eigenbezeichnung der meisten deutschsprachigen Muslimas"
hab' ich allerdings verstanden, es ist ja auch nicht vom Anonymus. Trotzdem glaub' ich es nicht. Die meisten deutschsprachigen Moslems sprechen türkisch, da ergeben zumindest die Internet-Wörterbücher andere Übersetzungen. Und daß es im Arabischen Muslima heißt, bedeutet noch lange nicht, daß das neudeutsche Muslima aus dem Arabischen kommt, denn von den deutschen Muslima-Sagern können nur sehr wenige arabisch, sie sagen es halt, weil man in den Kreisen, die sie für tonangebend halten, und hinter denen möchten sie ja nicht zurückbleiben, so redet. Würde man ihnen eröffnen, daß es aus dem Portugiesischen kommt und im Arabischen ganz anders heißt, würden sie sich nicht wundern und weiterhin Muslima sagen. Es stört ja auch keinen, daß die australischen Ureinwohner sich nicht Aborigines nennen.

Vermutlich stammt Muslima aus der selben geheimnisvollen Quelle wie Jammer-Ossa und Indigena. Die Linguisten hätten hier eine Aufgabe.

Phaeake hat gesagt…

Laut Duden, 24. Aufl., 2006, gibt es zwei Pluralformen von "der Muslim" nämlich die Muslims und die Muslime

Und es gibt drei weibliche Formen von "der Muslim", nämlich

1) die Muslima. Plural a) die Muslimas oder b) die Muslimen

2) die Muslime, Plural Muslimen

3) die Muslimin, Plural Musliminnen

Wenn man eine Gruppe männlicher und weiblicher Angehöriger des Islams ansprechen will, kann man also sagen: Liebe Muslims und Muslimas, liebe Muslims und Muslimen, liebe Muslims und Musliminnen, liebe Muslime und Muslimas, liebe Muslime und Muslimen (besonders schön), liebe Muslime und Musliminnen. Wenn freilich nur eine Frau unter den Angesprochenen weilt, könnte man auch "liebe Muslime und liebe Muslime" sagen.

Mit deutscher Wortbildungslehre hat zumindest die Muslima nicht so schrecklich viel zu tun. Und ich finde es - ganz im Ernst - zumindest an der Grenze zur Diskriminierung, für die weibliche Form des Wortes "Muslim" auf das Arabische zu rekurrieren. Die Christin wird auch nicht unter Anwendung altgriechischer Regeln vom Christen abgeleitet, die Jüdin nicht nach hebräischen Regeln vom Juden, die Buddhistin nicht nach japanischen (oder was auch immer) Regeln vom Buddhisten. Wer meint, dass man ausgerechnet die Muslima nicht Muslimin nennen dürfte, stellt gerade einen Gegensatz zwischen ihr und Deutschland her (wie anscheinend auch Anonym mit seiner Kontrastierung Muslima - Deutschmann), die nicht existiert. Es gibt ausreichend deutsche Musliminnen.

PS Verlinkung vom Wiktionarys von "Muslime" verdeckt dessen Doppelbedeutung.

Antoninus hat gesagt…

Vielleicht könntest du deinen estesn Satz auf die Sprachlogik [der indirekten Rede oder der Sachaussage?] oder auf Deutschtümlei überprüfen:
"Die weibliche Form von Moslem oder Muslim ist Moslemin oder Muslimin, jedenfalls wenn es nach den Regeln der deutschen Sprache geht."

Müsste er (der Satz) nicht heißen (um dir entgegen zu kommen):

"Die weibliche Form von Moslem oder Muslim ist Moslemin oder Muslimin, jedenfalls wenn es nach den Regeln der deutschen Sprache ginge."

Der Satz ist nur so zu lesen, dass du glaubst, dass alle von dir hervorgezerrten Fremd- oder Lehn- oder Wortneubildungen nach den deutschen Regeln und RegelInnen (na gut: als Mask.-Stamm plus in-Suffix ) gebildet sein müssten.

Woher verfügst du über sämtliche Wörter dieser Welt ... hinsichtlich ihre Endungen und ihre Genera? Über Griechisch oder Latein oder von dort ausgewanderte, eingebürgerte Sprachformen wohl nicht.

Verfügst du über alle Wörter? Stämme und Suffixe und Genera?
Du könntst doch im Netz verfügbare Wörterbücher z.B. einsehen.
http://www.woerterbuchnetz.de
www.DWDS.de

*
'Ultimatives' kräftiges Beispiel:
"der Maskulinist".
Gibt es auch "eine Maskulinistin?

Wer entscheidet das? Dein Sprachgefühl?

[Der vorige Eintrag von "Anonym" war übrigens von mir: "Antoninus"; der Click war eher weg, als ich meinen Namen eintragen konnte. - Alterserscheinungen? Oder PIRATEN-Glück? - Ich weiß noch nicht.]

Ludwig Trepl hat gesagt…

@ Antoninus

Viel versteh' ich wieder nicht. Zu dem, was ich zu verstehen glaube:

"Ginge" statt geht": stimmt.

Deutschtümelei:
Es gibt Regeln einer Sprache, nach denen wird üblicherweise (nicht immer, sonst wären es keine Regeln, sondern Gesetze) verfahren. Mit einem Fremd- oder Lehnwort nach den Regeln der deutschen Sprache zu verfahren, hat ebenso wenig mit Deutschtümelei zu tun wie die amerikanische Aussprache von "Berlin" mit Amerikanischtümelei. Von mir aus kann man's auch anders machen, man kann z.B. die Herkunfts-Endung im Falle verschiedener Formenbildung bei einem Lehnwort mit übernehmen, macht man ja auch manchmal. Mich interessiert einzig und allein, was in jemandem vor sich geht, der "Muslima" sagt statt meinetwegen "Moslemin", was ihm ja sicher zuerst über die Zunge wollte.

"'Ultimatives' kräftiges Beispiel:
"der Maskulinist".
Gibt es auch "eine Maskulinistin?
Wer entscheidet das? Dein Sprachgefühl?"
Natürlich gibt es die "Maskulinistin". Wie soll man die denn sonst nennen? Was hat das mit meinem Sprachgefühl zu tun? Das Sprachgefühl "entscheidet" natürlich oft, allerdings nicht meines, sondern das derer, die Deutsch können. Was soll sonst die letzte Instanz sein? In der Sprache "entscheidet" so wenig wie in der Musik ein Gremium oder ein Mehrheitsvotum.

Ludwig Trepl hat gesagt…

@ Paeake
"... zumindest an der Grenze zur Diskriminierung, für die weibliche Form des Wortes "Muslim" auf das Arabische zu rekurrieren."

Objektiv ja, aber subjektiv nicht, denn es weiß ja niemand, daß das im Arabischen so heißt - so daß "Muslima" dann indizieren würde, daß der Islam keine Weltreligion mit universellem Anspruch ist, sondern eine Art Brauchtum eines bestimmten Volkes ist, das gefälligst bei diesem bleiben soll wie das Jodeln bei den Alpenvölkern - , sondern man glaubt doch eher, wenn man überhaupt etwas glaubt, daß es wie "Indigena" aus dem schicken und politisch irgendwie korrekterem Spanischen kommt.

Phaeake hat gesagt…

Ludwig Trepl schrieb: "Objektiv ja, aber subjektiv nicht, denn es weiß ja niemand, daß das im Arabischen so heißt"
M.E. reicht für eine Diskriminierung aus: Jeder, der seine sieben Zwetschgen beieinander hat, erkennt, dass hier nach Regeln ein Femininum gebildet wird, die in der deutschen Sprache - vorsichtig ausgedrückt - extrem unüblich sind und eher an eine andere Sprache erinnern (ich hätte das Lateinische assoziiert). Interessant übrigens: Der Duden von 1980 ersparte sich jedes Femininum für Muslim.