Donnerstag, 20. Oktober 2011

Killer

Die Zeit titelt: „Klimakiller ersten Ranges“, und meint „Brandrodung, Weiden im Regenwald, rülpsende Kühe“.[1]
Die österreichische Filiale von Greenpeace schreibt: „In herkömmlichen Kühlschänken wurden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verwendet, die mittlerweile aufgrund ihrer Ozonschicht-zerstörenden [sic!] Wirkung weltweit verboten sind. Als Alternative entwickelte die Chemische Industrie jedoch teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW). Diese Stoffe sind zwar keine Ozonschichtkiller, zählen jedoch zu den sogenannten Klimakillern.“[2]
Ich frage mich, wie diese Stoffe Ozonschichtkiller, ja Klimakiller sein können. Killer ist englisch und heißt Mörder, wobei aber zumindest die Deutschen nicht jeden Mörder einen Killer nennen, sondern nur einen ganz kaltblütigen, z. B. einen Auftragsmörder. Daß der Kühlschrank als Ganzer die nötige Kaltblütigkeit besitzt, wenigstens in irgendeinem übertragenen Sinn, könnte man sich zur Not schon vorstellen. Aber Mörder? Ist er ja auch nicht, sagt Greenpeace, nur die Stoffe sind Mörder. Denen fehlt allerdings, so meine ich, zum Killer die metaphorische Kaltblütigkeit.
Aber selbst wenn sie diese hätten: Sind sie dann wirklich Mörder? Wäre das nicht so, als ob man nicht den Schützen, sondern die Pistole des Mordes anklagte? Auch wenn die Theorie Bruno Latours dies zu tun nahelegt, bleibe ich dabei: Nicht die Stoffe, sondern ihre Hersteller oder Besitzer oder Benutzer müßte man Mörder nennen. Und bei rülpsenden Kühen ist's auch nicht anders. Im mittelalterlichen England soll man zwar Hunden den Prozeß gemacht haben, aber da sind wir inzwischen doch weiter. Die Eigner der Kühe, nicht diese, und mögen sie noch so tückisch rülpsen, sind die Klimakiller.
Allerdings befriedigt auch das noch nicht. Denn was soll man sich unter der Ermordung des Klimas vorstellen? Wann ist das Klima tot? Wenn es nicht mehr regnet? Aber dann ist es doch immer noch da, sozusagen lebendig, es ist jetzt ein Wüstenklima geworden. Wenn es eiskalt wird? Aber dann hat es sich doch nur in ein arktisches Klima verwandelt. Wenn es affenheiß wird? Dann ist es zu einem tropischen Klima geworden, aber tot ist es noch lange nicht. Wenn sich die ganze Atmosphäre auf und davon macht? Einfach in den Weltraum verschwindet? Das wär’s, dann gäbe es in der Tat kein Klima mehr. Aber das traue ich sämtlichen Kühlschränken der Welt nicht zu. Selbst wenn ihnen die Autos, Kohlekraftwerke, Kachelöfen und Hochleistungsrinder dabei helfen, schaffen sie das nicht.

Kommentare:

Antoninus hat gesagt…

Daraf ich Ihnen mal eine Sprachkolumne empfehlen, nur so zum Studium; vielleicht schreiben Sie auch eine geistig und körperlich und moralisch große Antwort hierzu:

Harald Martenstein: Über deutsche Sprache: "Lebenszeichen Niedergang"

Harald Martenstein geißelt Sprachkritiker
(c) DIE ZEIT 12.02.2004 Nr.8

http://www.zeit.de/2004/08/Titel_2fMartenstein_2fSprachkolumne

Danke, wenn Sie einemal Zeit für einen zusammenhängenden Text aufwenden.

Ludwig Trepl hat gesagt…

Martenstein hat, wie meistens, auch hier recht. Daß er sich den Kommentar zu "Innovation" verkneift und in dem Moment, in dem er das sagt, doch einen schreibt, ist allerdings ein wenig inkonsequent. Er schreibt ja auch Glossen, halt anderer Art, und da setzt er sich mit Extremtrotteln in ein Boot, was ihn aber nicht stört.

Er hat also recht, nur: das, was der ankreidet, mache ich nicht, denn diese Art von Kritik kann einem ja nicht unbekannt bleiben und sie ist einsichtig. Höchstens mal aus Versehen mache ich es. Was glauben Sie, was ich alles für Blödsinn von mir gebe, wenn ich keine Zeit habe, lange darüber nachzudenken; ein Großteil dessen, was ich hier, wie Sie und Ihre Gesinnungsfreunde wohl sagen würden, benörgle, ist mir durch Selbstbeobachtung bekannt, lange bevor ich es irgendwo finde.

Aber solche Unterschiede bemerken Sie, so schlau Sie in mancher Hinsicht auch sind, offenbar nicht. Ich kann's nicht ändern. Einfach genauer lesen, das hilft oft.

Ich soll Zeit aufwenden, um einen zusammenhängenden Text zu schreiben? Meinen Sie das? Das paßt hier nicht so recht hin, und ich überlasse es gern anderen.