Freitag, 12. August 2011

Realisierungspolitiker


„Stefan Grüttner, CDU-Vorsitzender und Chef der hessischen Staatskanzlei,“ erhob „Vorwürfe gegen Schneider. Der Offenbacher Oberbürgermeister habe nicht realisiert, dass es die Osthafenbetriebe mit ihrer Klage ernst meinten.“[1]
Da traut der CDU-Vorsitzende seinem Gegner zu viel zu. Der Oberbürgermeister hat keineswegs realisiert, daß es die Osthafenbetriebe mit ihrer Klage ernst meinten, obwohl das nicht unmöglich wäre; vielleicht wär’s ja gegangen, wenn er lange genug auf sie eingeredet hätte. Der Staatskanzleichef weiß nur nicht, daß „to realize“ zwar manchmal, aber nicht immer realisieren, also verwirklichen heißt, sondern oft auch bemerken, wahrnehmen, mitbekommen.

Kommentare:

Michael Allers hat gesagt…

Leider haben Sie nicht realisiert, dass 'realisieren' mittlerweile auch im Deutschen 'bemerken, wahrnehmen, mitbekommen' heißen kann.

Das ist ein ganz normaler Bedeutungswandel, hier in Form einer ~erweiterung. Ähnliches hatten wir an anderer Stelle schon bzgl. 'managen' und 'Philosophie'.

Auch wenn er Ihnen nicht passt - Sie können doch Sprachwandel nicht verhindern, indem sie ihn einfach abstreiten.

Ludwig Trepl hat gesagt…

Nein, stimmt nicht, da müssen wir noch einige Jährchen warten, bis "realisiern" im Deutschen "bemerken, wahrnehmen, mitbekommen" heißen kann. Bisher heißt es nur im Jargon bestimmter Kreise so; "Geckendeutsch" könnte man ihn nennen. Sie machen den Fehler zu glauben, daß es bereits reicht für eine Ankunft im Deutschen, wenn ein Wort von einigen Leuten, die den Anspruch erheben, Deutsch zu sprechen, gebraucht wird. Es kommt aber auch darauf an, was das für Leute sind.

Müller hat gesagt…

http://www.duden.de/rechtschreibung/realisieren
Ich selbst habe "realisieren" in der Bedeutung "bemerken" im Deutschen zum ersten Mal vor etwa 23 Jahren gehört, die Äußerung stammte von einer Krankenschwester.