Freitag, 31. Oktober 2014

Bilder, „Bilder“ und sogenannte „Bilder“


„...die Frömmigkeit, mit der wir RezipientInnen alle geschlossen vor den sogenannten „Bildern“ in die Knie gehen ...“, schrieb die taz in einer Filmkritik.[1]
Es geht um richtige, und zwar um sich bewegende Bilder, um einen Film halt. Im folgenden Text schreibt der Autor denn auch immer von Bildern, ohne Anführungszeichen und ohne „sogenannte“ davorzusetzen. Ja, er tut auch im Zitat im Grunde nichts anderes, denn sogenannte „Bilder“ sind einfach Bilder, „sogenannte“ und Anführungszeichen heben einander auf. Er hat wohl erst Bilder in Anführungszeichen gesetzt, dann aber gemerkt, daß das falsch ist, weil es ja Bilder sind und nicht sogenannte Bilder, und darum den Fehler durch „sogenannte“ wieder gelöscht. Das hätte er auch einfacher haben können.


[1] 15.6.2011

Montag, 27. Oktober 2014

Deutscher Provinzialismus


In anderen Ländern, etwa in England und Frankreich, gibt die Hauptstadt den Ton vor. Die Provinz bemüht sich, sich  so zu kleiden, wie man sich in Paris kleidet, und wie man da spricht, gilt dort als vorbildlich. Bei uns ist es anders. Man ißt wie in Oggersheim und sieht dann entsprechend aus, und man spricht eher wie in Rosenheim statt wie in Berlin. Wenigstens in unserem Fall:
Jeder Fußballkommentator in Presse, Funk und Fernsehen weiß, daß es „auf“ Schalke und nicht etwa „in“ Schalke zu heißen hat, weil man in Gelsenkirchen so spricht. Aber fast jeder Fußballkommentator sagt „die“ Hertha, obwohl kein Berliner so spricht. Das kommt daher: In Bayern sagt man nicht etwa „Uli sitzt“, sondern „der Uli sitzt“, und im Rheinland sagt man nicht „Erna ist beim Frisör“, sondern „dat Erna ist beim Friseur“. Und obwohl, eigens befragt, der Bayer und der Rheinländer nach kurzem Nachdenken einräumen würden, daß im Hochdeutschen da kein Artikel hingehört: Wenn's speziell darum geht, ob man sich nach der Hauptstadt richten soll, wird nicht nachgegeben.


Freitag, 24. Oktober 2014

Funspaß auf der Piste


„18 km markierte Routen mit Tiefschneeabfahrten sowie Funspaß im neuen Quality Snowpark ideal für alle Snowboarder und Freeskier“ hat's im Pinzgau.[1]
Das kam völlig überraschend. Mit Funjob hatte ich gerechnet (z. B. „Funjob: Helikopter Pilot“[2] – ich wußte gar nicht, daß Hubschrauber Namen haben wie Schiffe und ICE-Züge; dieser jedenfalls heißt Pilot), mit Funarbeit auch („war ne Funarbeit hab immer weng rumgemacht und das ist dan rausgekommen finde die einarbeitung krass, lg“, schreibt ein Johannes[3]). Überraschungen aber harren im Negativen ebenso wie im Positiven: Nicht weniger verblüffend als der Fund von „Funspaß“ war die Erkenntnis, daß es „leistungsträgergerecht“ bei Google nicht gibt.

Mittwoch, 22. Oktober 2014

Unterwegs ins Abseits


Zu den einlußreichsten Sprachneuerern gehören bekanntlich die Fußballreporter bzw. -kommentatoren, vielleicht die einzigen, die es mit den politischen Sprachkommissaren – den Leuten, die sich Wörter ausdenken wie „Studierende“ oder „Migranten“ – aufnehmen können. Vor kurzem noch, nach meiner Erinnerung bis ins vorige Jahr hinein, sagten sie, die Fußballreporter, „Der ist Stürmer“, wenn einer Stürmer war; jetzt sagen sie „Der ist als Stürmer unterwegs“. Und wenn der Torwart eine Mütze aufhatte, sagten sie „Der Torwart hat eine Mütze auf“; jetzt sagen sie „Der Torwart ist mit Mütze unterwegs“. Spielte einer in der Nationalmannschaft, sagten sie „Er spielt in der Nationalmanschaft“, manchmal auch „Er ist Nationalspieler“. Jetzt heißt es „Er ist in der Nationalmannschaft unterwegs“. In, nicht etwa mit. Das kommt zwar auch vor, aber selten; vielleicht, weil sie uns in der Tat nicht mitteilen wollen, daß er mit der Nationalmanschaft herumfährt oder herumfliegt, sondern eben, daß er in ihr spielt, vielleicht aber auch, weil ein Satz mit „mit“ zu sehr an richtiges Deutsch erinnert.

Sonntag, 19. Oktober 2014

Titel geben


„Auch wird Ken Dukens Titel gebende Klugscheißer-Figur, die einem zunächst herzlich unsympathisch ist .....“[1]
Eine  Figur gibt also Titel. Wie das wohl zugehen mag? Sie vergibt nicht Titel, wie Königin Elisabeth oder die Fakultät einer Universität, sondern gibt Titel. Vielleicht  muß man es sich ähnlich vorstellen wie bei einem Hund, der Pfötchen gibt.



[1] http://www.tittelbach.tv/programm/fernsehfilm/artikel-3309.html


Samstag, 18. Oktober 2014

Nato kleiner als alle glaubten


„Kobane: Lévy zweifelt Nato-Mitgliedschaft der Türkei an.“[1]
Also wohlgemerkt: Er zweifelt nicht etwa daran, daß es richtig ist, die Türkei in der Nato, zu der sie jetzt gehört, zu lassen, sondern daran, daß die Behauptung richtig ist, die Türkei sei Mitglied der Nato. Da bürdet er - oder der Spiegel-Journalist - sich aber einiges an Beweislast auf.




[1] http://www.spiegel.de/politik/ausland/kobane-bernard-henri-levy-zweifelt-nato-mitgliedschaft-der-tuerkei-an-a-996783.html


Donnerstag, 9. Oktober 2014

Bildungsnotstand bei der Zeit


„Viele junge Deutsche sind gebildeter als ihre Eltern – das belegt eine neue Studie. Seltsam nur: Kürzlich behauptete eine andere Studie das Gegenteil.“[1]
Welch ein Elend, und das im Zentralorgan des Bildungsbürgertums! Die Behauptung, viele junge Deutsche seien gebildeter als ihre Eltern, widerspricht keineswegs der Behauptung, viele junge Deutsche seien ungebildeter als ihre Eltern, selbst wenn man den gleichen Maßstab angelegt hat. Hundertausend junge Leute, die gebildeter sind als ihre Eltern, sind ziemlich viele. Die Behauptung wird nicht dadurch widerlegt, daß hundertausend andere junge Leute, also auch ziemlich viele, weniger gebildet sind als ihre Eltern.




[1] http://www.zeit.de/2013/08/Bildung-Absteiger-Studie


Dienstag, 30. September 2014

Journalisten


Das Wesen des Journalisten ist nicht so leicht zu ergründen. Er ordnet die Welt mittels weniger Begriffe, die er von anderen Journalisten aufgeschnappt hat und die sich im allgemeinen durch eine ungewöhnliche Dümmlichkeit auszeichnen, ähnlich wie die Worte des Jahres. Aber nach welchen Gesetzen geht es da zu? Ich dachte immer, es verstanden zu haben. Was sie mögen, wird, wenn sich nicht mehr länger verheimlichen läßt, daß da etwas faul daran ist, mit einem Euphemismus benannt, beispielsweise „Steuersünder“, damit die Leute denken, Verbrecher dieser Art seien ähnlich einzusortieren wie Parksünder. Mögen sie etwas nicht, machen sie es umgekehrt. Wer Putin analysiert, wird zum „Putinversteher“, damit man denkt, er hätte Verständnis für Putin. Das gibt es natürlich auch, aber „Putinversteher“ sind ja nicht nur Leute, die für ihn Verständnis haben, sondern auch solche, die sich seine Motive erklären wollen, ohne sie damit zu billigen. Aber warum, frage ich mich nun, gibt es „Europaskeptiker“? Der Journalist als solcher haßt  diese Leute, sonst wäre er keiner, jedenfalls wäre er nicht bei einem richtigen Medium wie etwa der Zeit oder der ARD, und er könnte doch, sollte man meinen, sich für sie einen Namen ausdenken, der dazu beiträgt, daß man sie haßt, z. B. „Europahasser“. Damit würden sie in die Nähe von anderen Europahassern gerückt, z. B. in die Nähe von Putin oder der Islamisten, und das müßte dem Journalisten doch recht sein. Aber Skeptiker zu sein ist an sich nichts Schlechtes, skeptisch ist sogar der Jounalist selber, jedenfalls manchmal. „Europaskeptiker“ müßte in seinen Augen doch eine Verniedlichung sein, die man auf keine Fall verwenden darf. Versteht das einer?


Sonntag, 28. September 2014

Sportreporteräre Probleme


Wenn sich ein Spieler an den Oberschenkel faßte, sagten die Sportreporter bisher: Der hat Muskelprobleme. Seit kurzer Zeit, meinem Eindruck nach erst seit der letzten Fußballweltmeisterschaft, sagen sie das nicht mehr, sondern behaupten, er habe muskuläre Probleme. Was werden sie wohl aus Knochenproblemen machen?



Mittwoch, 27. August 2014

Der Schokoriegel als Respektsperson


Manchmal hat die Vernunft sogar Wikipedia auf ihrer Seite. Wenn gilt
Respekt (lateinisch respectus ‚Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung’“, auch respecto ‚zurücksehen, berücksichtigen’) bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einer anderen Person (Respektsperson) oder Institution“,[1]
dann ist das:
„Satt zum Billigtarif. Wo bleibt der Respekt vor dem Essen?“[2]
Blödsinn.


[1] Wikipedia, Stichwort Respekt.
[2] „BürgerForum live“ 26.1.11, Bayerisches Fernsehen.

Donnerstag, 21. August 2014

Warum einfach?


„Die Interviewauswertungen weisen eher einen Notfallcharakter für dieses Netz aus: wenn dringend Hilfe in Form von Kinderbetreuung, Fahrdiensten oder emotionalem Beistand benötigt wird, wird auf diese personellen Ressourcen zurückgegriffen.“[1]
Gemeint sind Pflegedienste. Aber es bringt einen ja auf der Karriereleiter nicht voran, wenn man’s so einfach sagt, da greift man besser auf personelle Ressourcen zurück.


[1] https://www.yumpu.com/de/document/view/13212311/gesundheitliche-belastungen-und-ressourcen-allein-erziehender-/3

Freitag, 4. Juli 2014

Anstachelnder Zufluchtsort


„Privat geführtes Resort im Naturpark Oberer Bayerischer Wald mit vielfältigen Incentive-Möglichkeiten: Umgeben von Natur werden Wellness, authentisches Ayurveda, Golfsport und ausgewählte Teambuilding-Programme angeboten.“[1]
Die wichtigsten Wörter in diesem Satz waren mir unbekannt, darum hab’ ich nachgedacht und nachgesehen. Resort heißt Ferienort, Badeort, Zufluchtsort; Ayurveda ist eine traditionelle indische Heilkunst; normalerweise besteht eine Behandlung aus Medizin, spezieller Diät und vorgeschriebener Tagesroutine. Teambuilding müßte z. B. das sein, was ein Nationaltrainer tut, wenn er aus Spielern, die verschiedenen Vereinen entstammen, eine Mannschaft formt. Was Wellness heißt, glaubte ich schon zu wissen. Incentive aber, so erfuhr ich, heißt Anreiz, Ansporn, Aufreizen und wird darum sicher auch hier etwas Ähnliches bedeuten. Dann ist aber der Doppelpunkt fehl am Platz. Er bedeutet, daß Wellness, Ayurveda, Golfsport und Teambuilding Möglichkeiten des Anreizens sind. Nun sind aber, wenn meine Quellen nicht lügen, die drei erstgenannten doch eher mit der Vorstellung des Beruhigenden verbunden.

Mittwoch, 2. Juli 2014

Wüste Spiele


Beim Spiel Algerien gegen Deutschland haben Massen von Kommentatoren Wüstensöhne auf dem Platz gesehen. Nun dürfte der Anteil der Wüstenbewohner an der Bevölkerung Algeriens ähnlich hoch sein wie der der Alpenbewohner an der Bevölkerung Deutschlands. Da Fußballberichterstatter in Algerien sicher von ähnlicher Intelligenz sind wie ihre deutschen Kollegen, hat man dort, vermute ich, vom Spiel der Nationalmannschaft gegen die Gletschersöhne oder die Almdudler geschrieben.



Freitag, 27. Juni 2014

Bitte nur noch Englisch!


Manchmal wünscht man sich, daß die Anglisierung schneller vorankommt und man nicht mehr solche Übersetzungen aus dem Amerikanischen lesen muß:
Aus der Todesgruppe herauszukommen war immer eine Frage des Überlebens für die Vereinigten Staaten. Überleben und in die zweite Runde. Nun, da die USA voranschreiten, wechselt sich der Fokus.“ (USA Today, www.gmx-net; es geht um die Fußball-Weltmeisterschaft.)

Mittwoch, 25. Juni 2014

Volk von Königen


„Kopten: Die christlichen Nachfolger der Pharaonen“, titelt evangelisch.de.[1]
Es könnte schon sein, daß ich ein Nachfahre Augusts des Starken bin; der soll ja über hundert uneheliche Kinder gezeugt haben, und zumindest einige von ihnen waren sicher recht fruchtbar. Aber sein Nachfolger bin ich ganz bestimmt nicht.

Freitag, 20. Juni 2014

Volltreffer


„Der große Satan trifft die Achse des Bösen“. Das war vor drei Tagen die Schlagzeile der taz.
Man fragt sich, womit er die denn getroffen hat. Mit dem Pfeil? Aber der Satan hat vielleicht gar keinen, er ist weder Amor noch Apollo. Oder volley aus 20 Metern mit dem Außenrist? Nicht ausgeschlossen in diesen Tagen. – Treffen in der von der taz gemeinten Bedeutung kann der Satan seine Großmutter, das geschieht vielleicht sogar täglich; oder George W. Bush jr. nach dessen Ableben. Oder ist der große Satan mit diesem identisch? Ich weiß es leider nicht, zwischen den USA und ihren Feinden geht es derart teuflisch zu, daß einem ganz wirr im Kopf wird. Aber wie auch immer: In der Redaktionskonferrenz der taz werden die Überschriften-Designer sicher für ihre mißratene Metapher gepriesen.


Freitag, 13. Juni 2014

Zentralsubjektstheorie


„Die Studierenden kennen und verstehen zentrale wissenschaftliche und subjektive Theorien und Konzepte von Gesundheit und Krankheit und deren Bedeutung für eine qualitativ hochwertige Gesundheitsforschung und Gesundheitsversorgung, für die Pflege und die Pflegewissenschaft.“[1]
Das hat’s aber in sich. Die Studierenden habe ich an anderer Stelle gewürdigt. Was hat es mit den zentralen Theorien auf sich? Bei „zentrale wissenschaftliche Theorien“ kann ich mir ja etwas denken. Aber was mögen zentrale subjektive Theorien sein? Eine subjektive Theorie könnte eine sein, der ein Wissenschaftler, also ein einzelner Mensch, also ein sogenanntes Subjekt, aber nicht seine Wissenschaft anhängt. In welchem Sinne kann diese Theorie aber dann zentral sein?
Oder es könnte um die Theorie des Sherlock Holmes dazu gehen, wer in dem von ihm aufzuklärenden Fall der Mörder ist; diese Theorie hat ja nur er, dieses eine Subjekt, alle anderen haben andere Theorien, und zwar falsche. Was wäre in diesem Fall eine zentrale subjektive Theorie? Vielleicht so etwas: wenn die Theorie des Detektivs sich als richtig erweist und damit nicht nur der eine Fall gelöst wird, sondern wie beim Spiel mit den Dominosteinen ein Ganove nach dem anderen umpurzelt und am Ende eine ganze Bande einsitzt?
Oder ist mit der zentralen subjektiven Theorie vielleicht gar keine Theorie gemeint, sondern eine Art fixer Idee, die das ganze Denken und Leben eines Subjekts organisiert? Dessen Glaube, es sei Napoleon oder Bin Laden?
Und wieso heißt es Theorien von Gesundheit? Ist denn die Theorie Darwins eine Theorie von Evolution? Und wenn es eine qualitativ hochwertige Gesundheitsforschung gibt, was ist dann eine quantitativ hochwertige? Das geht also alles hinten und vorne nicht.
Na ja, denkt man, der Satz kommt aus einer Fachhochschule. Das ist die untere Etage im tertiären Bildungswesen. An den Universitäten wird’s sicher anders zugehen. Laßt uns nachsehen:
„Die Einigung zum Verfahren des Wettbewerbs konnte bis zum Ende des Jahres 2004 noch nicht abgeschlossen werden.“ So das Rektorat der Universität Heidelberg.[2]
Bis zum Ende des Jahres könnte man sich vielleicht über das Verfahren einigen, aber nicht zum Verfahren. Beim Feilschen einigt man sich am Ende über den Preis, nicht zum Preis. Wenn das Rektorat einer Eliteuniversität das nicht weiß – wie mag es erst in den Rektoraten der Universitäten minderen Ranges zugehen, etwa in Marburg, Jena oder Tübingen?



[1] http://www6.hs-esslingen.de/de/50635?naviid=56945

Freitag, 6. Juni 2014

Beliebt bei Alpen


„Milan Horacek, Altgrüner, beliebt auch bei Sudeten“.
Wieder einmal eine Unterüberschrift der taz[1], die einen in Verwirung stürzt. „In“ den Sudeten müßte es heißen, dachte ich erst, nicht „bei“. Man sagt ja auch nicht „beliebt bei Alpen“, wenn man meint, daß jemand bei den Tirolern beliebt ist. Aber dann merkte ich, daß es doch richtig sein könnte. Horacek könnte in einer Stadt, die in der Nähe der Sudeten liegt, beliebt sein; unwahrscheinlich, aber möglich. Wahrscheinlicher ist, daß die taz-Praktikanten, die, weil sie dafür noch zu klein sind, keine Artikel schreiben dürfen, sondern sich nur an den Unterüberschriften versuchen, nicht wissen, daß die Sudeten ein Gebirge sind und die Leute, bei denen Horacek beliebt ist, Sudetendeutsche heißen. Leider ist zu befürchten, daß sie es auch nicht wissen werden, wenn sie groß geworden sind. Das Gebirge liegt ja nicht in Kalifornien, da kennt sich der Gemeine Westdeutsche aus, sondern weit im Osten, irgendwo in Westasien, denkt er, und darüber muß man nichts wissen, die anderen wissen ja auch nichts.





[1] 6.6.2014, S. 2

Dienstag, 3. Juni 2014

Abtreten!


Niemand kann wollen, daß 68er-Bewegung nicht stattgefunden hätte. Wer das von sich behauptet, macht sich etwas vor. Ohne sie hätten wir Zustände, die auch dem finstersten heutigen Reaktionär unerträglich wären. Aber was von ihr noch übrig ist, sollte wissen, wann es Zeit ist, abzutreten. Die taz schreibt heute: „Cameron und Merkel sorgen dafür, daß ihr neoliberaler Kurs in Europa“ nun, nicht etwa „siegt“, sondern „obsiegt“. Kann man noch tiefer sinken?


Samstag, 24. Mai 2014

Entwicklungswunder


„Mario Götze und Marco Reus sind Deutschlands Hoffnungsträger für die Offensive. Die beiden Freunde haben sich sportlich auseinander entwickelt“, schreibt der Spiegel heute (24.5.14) in seiner Online-Ausgabe.

Etwas rätselhaft ist das schon. Aus dem Samen entwickelt sich der Keimling, das versteht man, und aus einer befruchteten Eizelle entwickeln sich manchmal sogar zwei erwachsene Menschen, sogenannte eineiige Zwillinge. Die sind einander meist recht ähnlich, so wie im Falle der Brüder Bender (Leverkusen, Dortmund). Manchmal aber kommt es vor, daß die Zwillinge sich auseinanderentwickeln und immer unähnlicher werden. Aber Reus und Götze sollen sich auseinander entwickelt haben. Wie ist das zugegangen? Reus hat sich, wenn auch nur sportlich, aus Götze entwickelt, so wie umgekehrt Götze aus Reus? Das kann sich der Fußballfreund, auch wenn er sich noch so sehr bemüht, gar nicht vorstellen.