Montag, 27. Oktober 2014

Deutscher Provinzialismus


In anderen Ländern, etwa in England und Frankreich, gibt die Hauptstadt den Ton vor. Die Provinz bemüht sich, sich  so zu kleiden, wie man sich in Paris kleidet, und wie man da spricht, gilt dort als vorbildlich. Bei uns ist es anders. Man ißt wie in Oggersheim und sieht dann entsprechend aus, und man spricht eher wie in Rosenheim statt wie in Berlin. Wenigstens in unserem Fall:
Jeder Fußballkommentator in Presse, Funk und Fernsehen weiß, daß es „auf“ Schalke und nicht etwa „in“ Schalke zu heißen hat, weil man in Gelsenkirchen so spricht. Aber fast jeder Fußballkommentator sagt „die“ Hertha, obwohl kein Berliner so spricht. Das kommt daher: In Bayern sagt man nicht etwa „Uli sitzt“, sondern „der Uli sitzt“, und im Rheinland sagt man nicht „Erna ist beim Frisör“, sondern „dat Erna ist beim Friseur“. Und obwohl, eigens befragt, der Bayer und der Rheinländer nach kurzem Nachdenken einräumen würden, daß im Hochdeutschen da kein Artikel hingehört: Wenn's speziell darum geht, ob man sich nach der Hauptstadt richten soll, wird nicht nachgegeben.


Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Aber Herr Trepl ...

Die Provinz bemüht sich, ... kann sie aber nicht. Im Gegensatz zum Provinzler, wenn man so städtisch abfällig von den Bewohnern der Provinz reden will.
Und wie man spricht, gilt auch sicherlich in Paris als nicht als vorbildlich, sondern wie man dort spricht in der Provinz.

Und nordhessisch ist natürlich s'Hertha richtig, wenn's 'ne Frau ist. Aber Fußball ... da war doch was mit Hertha BSE oder so. Kurz wiki: korrekt ist natürlich der Hertha BSC. Aber wenn sie von den Fan als alte Dame betrachtet wird ist, ist s'Hertha schon sachlich richtig. Die Hertha ist natürlich völlig falsch

Ludwig Trepl hat gesagt…

Sicher ist s'Hertha in Nordhessen richtig, aber nur, wenn es nordhessisch sein soll. Fußballkommentatoren wollen aber entweder hochdeutsch sprechen oder so, wie man dort spricht, so sich das abspielt, worüber sie reden ("auf Schalke"). Und in Berlin sagt man nun mal nicht "die Hertha". Auf hochdeutsch auch nicht, weil "Hertha", anders als etwa "Eintracht", als Personenname empfunden wird. "Alte Dame" sagt übrigens auch kein Berliner Fußballfan, das ist Journalistenjargon.