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Mittwoch, 30. November 2011

Koalitionsschmiede

„Es war sowohl für uns als auch für die SPD ein sehr ernsthaftes Gespräch mit einer klaren Option auf eine gemeinsame Koalition, die einen echten Politikwechsel in NRW möglich gemacht hätte.“[1]
Es wäre ja auch schade, wenn man mit großer Mühe einen Politikwechsel hinbekommt, und dann ist der gar nicht echt, also gar kein Politikwechsel. Aber richtig traurig wär’s, wenn die Grünen eine Koalition schlössen und die SPD auch, und plötzlich merkt man, daß es keine gemeinsame ist. Doch die Hauptsache bleibt, das Gespräch war ernsthaft und die Option klar und man hat die Wörter echt und gemeinsam irgendwie untergebracht.

Sonntag, 1. Mai 2011

Kräftesport am 1. Mai

Auf der den Seiten des Internetauftritts infopartisan.net schrieb einer über die „Maifestspiele Berlin-Kreuzberg“. Die Seiten scheinen von den Veranstaltern dieser in Berlin und weit darüber hinaus so beliebten Festspiele gestaltet zu werden. In dem folgenden Zitat lassen sie aber den Polizeifunk zu Wort kommen. „Amsel 19, unterbreche, Ausschreitungen Oranienplatz. Angriffe auf Polizeibeamte, es fehlen Kräfte.“[1]
Das wundert einen nicht, heutzutage. Die Bereitschaftspolizisten, die bei den Maifestspielen eingesetzt werden, sind meist blutjung, kommen gerade von der Schule, und man weiß ja, wovon sich die heutige Jugend ernährt: Pommes frites und Gummibärchen, viel mehr ist da nicht. Sport treiben sie auch kaum, hängen immer nur am Computer rum und spielen Gewaltspiele. Wie sollen die Jungs und Mädels da zu den Kräften kommen, die sie brauchen, wenn es im richtigen Leben mal gewalttätig zugeht? Der Polizeifunksprecher meinte es vielleicht anders, wollte statt Kräfte Leute sagen oder Beamte, aber mit dem, was er gesagt hat, hat er’s auch getroffen.
Mehr Mühe hat man mit dem folgenden Satz der Grünen: „Angemessene Ersatzkräfte sollten jederzeit verfügbar sein, um die Personalschlüssel aufrechtzuerhalten.“[2] Was mögen das für Schlüssel sein? Riesendinger, bei denen die eigenen Kräfte nicht ausreichen, so daß man Ersatzkräfte braucht, damit sie nicht umkippen? Seltsam, davon hat man noch nie gehört. Auch müßte es dann doch aufrecht zu halten heißen, nicht aufrechtzuerhalten.

Freitag, 1. April 2011

Die großen Reden des Jahrhunderts 4

„Lasst uns eine Politik beenden, die Klimasprech übt vor den Kameras, sonst aber ganz besoffen ist im Kohle-Kraftwerks-Neubau-Rausch, die Atom- und Autolobby ist, und mit ihrer KFZ-Steuer Klimakiller subventioniert, statt auf Erneuerbare Energien zu setzen, auf Energieeinsparung und Energieeffizienz,“ sprach Claudia Roth.[1]
Das ist das Meisterstück. Seit es Politiker gibt, hat man dergleichen nicht gehört, und Äonen werden vergehen, bis ein Stern ähnlicher Größe aufgeht.

Mittwoch, 30. März 2011

Die Grünen immer vorneweg

Hoffnungslose Optimisten, die gegen die Vorzeichen des herannahenden Weltendes blind sind, werden ja einwenden, daß die Berliner Bürgermeisterkandidatin diesen Satz vielleicht gar nicht gesagt hat, sondern daß ihn ein Journalist verbrochen hat. Oder sie werden meinen: Er stammt aus einer Rede, da kann das jedem passieren, geschrieben hätte sie ihn nicht. Ich aber glaube, daß die Politikerkaste dabei ist, ein ganz neues Niveau zu erklimmen und die Grünen nur wieder einmal die Nase vorn haben, die anderen Parteien ihnen aber bald folgen werden:
„Es gibt die sogenannten Ehrenmorde, es gibt Gewalt auf den Schulhöfen, es gibt es, daß Frauen nicht die gleichen Chancen haben wie Jungen.“ (taz, 7.3.2011)

Sonntag, 30. Januar 2011

Kriegskunstfahrer

„Wir werfen Ihnen vor, dass Sie nicht nur auf eine falsche Technik gesetzt haben und eine falsche Strategie gefahren sind...“.[1]
Also bittschön, liebe Grüne, wenn schon, dann geht es so: Ich bin mit dem Auto gefahren – ich habe das Auto gefahren, und darum: „… eine falsche Strategie gefahren haben“. Doch zufrieden wäre ich damit noch nicht. Strategie, sagt mein Duden, heißt Kriegskunst. Damit haben sich die Grünen seit J. Fischers Zeiten ja angefreundet, sind aber offenbar noch immer nicht richtig mit ihr vertraut. Man kann die Kriegskunst erlernen, man kann sich in ihr üben, man kann ihr wieder zu dem ihr gebührenden Ansehen verhelfen, indem man oft von ihr, also von Strategie, spricht. Aber daß man eine Kriegskunst fahren kann, das läßt sich kein wahrer Stratege einreden.




Freitag, 28. Januar 2011

Der Pate Teil 4



„Stoiber ist im Prinzip der Gott-Vater, der alles in die Wege geleitet hat“, nämlich ir­gendwelche mafiosen Geschäfte in Bayern. Das behauptet Sepp Dürr, Landtagsab­geordneter der Partei Die Grünen, „promovierter Literaturwissenschaftler und Bio­landwirt“, in der taz vom 23.2.2010.
Da möchte ich doch wetten, daß er nicht Gottvater sagen wollte, denn der tut so et­was ganz bestimmt, ja geradezu definitionsgemäß nicht, und ein derartiger Stil­schnitzer ist einem promovierten Literaturwissenschaftler nicht zuzutrauen. Sondern godfather wollte er sagen, das paßt ja. Nun wollte er, wie man in Kreisen der Litera­turwissenschaftler und Abgeordneten gern sagt, lesernah, ja leserfreundlich, wenn nicht gar le­sergerecht sein und hat darum versucht, das englische Wort ins Deutsche zu über­setzen. English language heavy language.