Freitag, 26. Februar 2016

Grundlos

„Für eine Aufkündigung des staatlichen Glücksspielmonopols, wie von CDU und FDP geplant, gibt es hingegen keine Begründung – weder inhaltlich noch finanziell.“ Das schreibt die finanzpolitische Sprecherin der Fraktion der Grünen im Landtag von Schleswig-Holstein.[1]
Was „weder inhaltlich noch finanziell“ heißen soll, weiß ich nicht. Davon abgesehen:  Ich glaube ihr nicht. Die werden schon eine Begründung mitgeliefert haben. Bei der FDP könnte ich mir vorstellen, daß sie diesen Plan wie üblich damit begründet hat, daß private Unternehmen viel effizienter arbeiten und so aus Glücksrittern, Süchtigen und Deppen mehr herausgeholt werden kann. Aber nicht nur eine Begründung, auch einen Grund dürfte es geben. Vielleicht liegt er darin verborgen, daß die Initiatoren dieser Neuerung enge freund- oder verwandtschaftliche Beziehungen haben zu denen, die von der Aufhebung des Monopols profitieren, man kennt das ja. – Die finanzpolitische Sprecherin wollte sicher sagen, daß die beiden Parteien keinen guten Grund haben.


Sonntag, 14. Februar 2016

Anti-Aging

Es heißt, unsere Gesellschaft wird immer älter. In jeder Hinsicht gilt das nicht.
„Können Sie Chef?“ fragt der Spiegel.[1] Könnte mein zweijähriger Enkel lesen, würde er antworten: „Ich auch kann Chef!“

Montag, 8. Februar 2016

Star Wars

„Es war einmal vor langer Zeit in einer weit, weit entfernten Galaxis“, die von allerlei merkwürdigen Wesen bevölkert war, und von US-Amerikanern. Man erkennt das daran, daß sie einander mit „Sir!“ anbrüllen und militärische Dienstgrade haben wie „Captain“ und „Lieutenant“. Engländer werden es wohl nicht sein, die benehmen sich anders. – In der Schule haben wir gelernt, daß es US-Amerikaner erst seit ein paar Jahrhunderten gibt. Wir werden wohl umlernen müssen.
Aber dann komme ich ins stolpern. Natürlich hat der Drehbuchautor, ein Kalifornier, „Sir“ geschrieben. Er nahm sicher an, daß man in jener Galaxis nicht „Sir“ gesagt hat, sondern dafür ein Wort in der Galaxis-Sprache hatte. Und mit Sicherheit ist er davon ausgegangen, daß man „Sir“, wenn man sein Buch in  andere Menschensprachen übersetzen wird, auch übersetzen wird, ins Deutsche vor allem mit „Jawoll!“, manchmal auch mit „Hier!“ oder „Herr!“, oder mit „Jawoll, Herr Hauptmann!“. Aber die Deutschen tun das nicht. Sie  lassen „Sir“ stehen. Da ist keine andere Interpretation möglich als die: Sie glauben, in jener Galaxis habe man so gesprochen; die Galaxis-Menschen waren US-Amerikaner. Wie auch sonst: Ist es denn einem anderen Volk möglich und zuzutrauen, derartige Entfernungen zu überwinden und andere Planeten zu besiedeln? Oder auch Planeten in Sekundenschnelle zu pulversisieren?

Sonntag, 7. Februar 2016

Neue Gleichheit

„RAUS mit allen imigranten kindern die denken sie könnten sich hier benehmen wie tiere. Die müssen knallhart des landes verwießen werden...“[1] Das ist aus einem von etwa 100 Kommentaren unter einem Youtube-Film, in dem es um Zustände an Hauptschulen mit vielen türkischen Kindern geht. Einige der Kommentare sind von Türken oder deutschen Nachkommen von Türken verfaßt. Man kann das an der Art, wie sie schreiben, erkennen, nicht aber daran, daß Ihr Deutsch schlechter wäre. Fast ohne Ausnahme haben die Kommentare das sprachliche Niveau des obigen Zitats, ob sie nun meinen, das imigranten kinder des landes verwießen werden müßten oder ob sie einer Überzeugung anhängen, die sich vornehmlich in Sätzen ausdrückt wie „WOllt alle nur schläge Und wenn ihr schläge bekommt gleich Polizei Anwalt oder Mutter sagen Luschen ihr !“.



[1] http://www.youtube.com/comment_servlet?all_comments=1&v=HdlUbCDZD1g

Donnerstag, 4. Februar 2016

Journalisten verloren im Job


Seit mindestens 20 Jahren gibt es „Job“ in seiner heutigen Bedeutung im Deutschen. Aber einige Verbindungen mit anderen Wörtern wollen und wollen die Deutschen offenbar nicht annehmen, obwohl man sich in der Parallelgesellschaft der Journalisten seit vielen Jahren darum verzweifelt bemüht. Die Verbindung „im Job“ fand ich mit Google auf Zeit-Online 127.000 mal. Da gibt es Aggressivität im Job, Gefühle im Job, Mama im Job, private Mails im Job, Körpersprache im Job usw. usf. Im wirklichen Leben habe ich aber noch niemanden getroffen, der so redet. Alle sagen nach wie vor bei der Arbeit, auf der Arbeit oder etwas ähnliches. Wie kommt das?


Montag, 1. Februar 2016

Freundlichkeitskultur

Der Internetauftritt kinderfreundlichkeit.com gehört einer „Initiative für mehr Kinderfreundlichkeit in Herne und Umgebung“.[1] Darauf haben wir schon lange gewartet. Die Kinder in Herne und Umgebung waren ja auch sowas von unfreundlich. Auch für die Umweltfreundlichkeit sollte man etwas tun. Seit Wochen regnet es bei Temperaturen um die 10 Grad, und das im Februar. Insbesondere die klimatischen Umweltfaktoren (nach WikipediaStrahlungsverhältnisse, die Lufttemperatur und die Luftfeuchtigkeit, Niederschläge, sowie verschiedenste Wettererscheinungen, wie Nebel, Winde oder Blitze“) verhalten sich außerordentlich unfreundlich. Dabei haben wir ihnen doch gar nichts getan.
Aber, so wendet einer ein, kinderfreundlich heißt doch nicht, daß die Kinder freundlich sind, sondern daß man zu den Kindern freundlich ist. Menschenfreundlich ist der Philanthrop, der Menschenfreund, der Freund der Menschen. Gut, aber die Kinderfreundlichkeit ist die Freundlichkeit der Kinder, wenn sie auch im Zuge der vor, glaub ich, etwa drei bis vier Jahrzehnten ausgebrochenen Freundlichkeitsepidemie die Nebenbedeutung der Freundlichkeit zu den Kindern angenommen hat. Und wie ist's, frag’ ich, mit diesem Satz: „Leicht und vitaminreich und deshalb ebenfalls höchst saunafreundlich: die leckere Salatauswahl.“[2] Oder mit wellnessfreundlich und schnäppchenfreundlich? Wie soll man das anstellen: zur Wellness und zum Schnäppchen oder zur Sauna freundlich sein?
Die Epidemie hat teils zu erwartende, teils erstaunliche Kreationen hervorgebracht: suchmaschinenfreundlich, servicefreundlich, jobfreundlich, spaßfreundlich, eventfreundlich, outdoorfreundlich, actionfreundlich, aktionsfreundlich, kompetenzfreundlich, aber eigenartigerweise nicht sprach- und kernkompetenzfreundlich, sexfreundlich (angeblich das Christentum in Wirklichkeit), dynamikfreundlich, nachhaltigkeitsfreundlich (überhaupt alles, wozu man auch -gerecht sagen kann), nicht nur kundenfreundlich, sondern auch kundennah und preisfreundlich. Businessfreundlich ergab nur 115 Google-Treffer (businessgerecht auch nicht allzu viel mehr, nämlich 542) – überraschenderweise, wo doch der Zeitgeist zu nichts freundlicher ist als zum Geschäftswesen. Nicht weniger erstaunlich: genderfreundlich nur 106, dagegen die Hundert-Prozent-Synonyme – soll bloß kein Schlaumeier daherkommen und widersprechen – gendergerecht 18.700, frauengerecht 5.770, frauenfreundlich 52.600. Migrationsfreundlich aber, man mag es kaum glauben, erbrachte lediglich 166 Treffer, migrantenfreundlich 749, die Synonyme migrationsgerecht und migrantengerecht nur 76 bzw. 75. Integrationsgerecht kam nur auf 10, integrationsfreundlich aber auf die vergleichsweise ungeheure Zahl von 2.310.
Wer löst dies Rätsel nur? Wer hilft mir auf die Spur? (Gasparone)





[1] http://www.kinderfreundlichkeit.com/
[2] http://www.2bstar.de/advert/show/sort/Auctions.priceSegment/dir/desc/page/10/var/404/kostbar

Freitag, 29. Januar 2016

Wirklich nicht

„SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold ruft dem Minister zu: ‚Wir haben die Sorge, dass Sie“ – er meinte den Herrn von Guttenberg – „diesem Amt nicht wirklich gewachsen sind."[1] 
Herr Arnold war damals also der Meinung, daß Herr von Guttenberg seinem Amt gewachsen war. Das freut den Bürger, denn wenn sogar die Opposition dieser Meinung ist, dann müssen wir ja wirklich einen guten Verteidigungsminister gehabt haben. Etwas unklar ist, was Herr Arnold mit dem „nicht wirklich“ meint. Von Guttenberg ist dem Amt gewachsen, wenn auch auf eine unwirkliche Weise? Eine gespenstische Weise? Hat der Verteidigungsexperte vielleicht gerade einen amerikanischen Fantasy-Film gesehen? Da kommt so etwas manchmal vor, und oft wird da ja „not really“  etwas allzu locker mit „nicht wirklich“ synchronisiert.
Ob es gut oder schlecht für Deutschland ist, wenn der Verteidigungsminister seinem Amt zwar gewachsen ist, aber nicht wirklich, weiß ich nicht. Doch vielleicht hat ja nur der Setzer die Wörter vertauscht und es sollte „wirklich nicht“ heißen. Das wäre schlecht für Deutschland.




[1] http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,667512,00.html


Montag, 11. Januar 2016

Steller und Aufsteller

An die „sozial Schwachen“ im Jargon unserer Politiker hat man sich gewöhnt. Es ist ja verständlich, daß man die Armen verstecken muß, auch sprachlich, hat man doch vor der Wahl versprochen, daß es keine mehr geben wird, wenn man gewählt wird. Aber jetzt setzen sie noch eins drauf:
„Peter Kaiser, CDU: Die steigenden Preise für Strom und Gas werden jeden von uns treffen. Sie werden erschreckend viele Menschen sogar an ihre ohnehin eng gesteckten Grenzen bringen, sozial schwach gestellte Haushalte schlimmstenfalls in die Zahlungsunfähigkeit manövrieren.“[1]
Wie oft bin ich in meinem Leben schon schwach geworden. Aber mich schwach zu stellen hat bisher nichts und niemand geschafft, sieht man von mir selbst ab.
Wenn man sich die Liebe des Politikerjargons zum Aufstellen von allem und jedem ins Gedächtnis ruft, dann wundert man sich, warum es nicht längst üblich ist, „sozial schwach gestellt“ in dieser Weise zu steigern. Einen einzigen Treffer erzielte ich bei Google, und den gewährte mir ein Politik-Amateur:
„Die Steuergelder, die evtl. bei Opel verbrannt werden, fehlen später an anderer Stelle. Wo ? Ganz einfach. Bei den Arbeitslosen und weiteren Menschen, die sozial schwach aufgestellt sind.“[2]
Man muß sich keine Sorgen machen. Jetzt ist es zwar nur einer. Aber es kommt.





[2] Ein Kommentator auf http://www.wdr.de/themen/wirtschaft/wirtschaftsbranche/opel/interview_Ford_020309.jhtml?showAllComments=1&offset=48


Freitag, 8. Januar 2016

Fachjargon

Ein Fachjargon darf sich von der deutschen wie von jeder anderen Sprache beliebig weit entfernen, behaupten einige. Aber manchmal treibt man es zu weit, es gibt Grenzen der Dämlichkeit. Das „nichttarifäre Handelshemmnis“ hat sie weit überschritten.



Mittwoch, 6. Januar 2016

Vom Nutzen des Denglischen für die private Chinareise

„Durch die Verwendung von Anglizismen ergeben sich eigentlich mehr Vor- als Nachteile, solange es sich dabei nicht um vermeidbare oder Pseudo-Anglizismen handelt“. Das behauptet einer, bei dem man „Wording“ lernen kann.[1]
Nur der Aussage im Hauptsatz ist zuzustimmen, denn was wiegt schon das ungeheure Blähpotential auf, das Anglizismen für jemanden haben, der unter seiner provinziellen, d. h. deutschen Herkunft leidet? Diesen Dienst leisten aber gerade vermeidbare Anglizismen. Unvermeidbare lassen sich nun einmal nicht vermeiden. Mit ihnen schafft man es darum nicht, sich aus der Masse der anderen Provinzler und derer, die sich dafür halten, herauszuheben, denn diese müssen diese Anglizismen, da unvermeidbar, auch benutzen. Und Pseudo-Anglizismen bringen einen nur dann in Schwierigkeiten, wenn’s einer merkt, aber wann kommt das schon einmal vor?
Der mit dem Blähpotential verbundene Hauptvorzug der Anglizismen ist unserem Sprach- oder Sprechlehrer aber seltsamerweise gar nicht der Erwähnung wert. Ihm erscheint statt dessen folgendes von Bedeutung: „Auch für private Auslandsreisen sind gemeinsam benutzte Vokabeln von Vorteil.“
Ich glaube aber nicht, daß in Schanghai oder Rio ein Satz wie dieser verstanden wird: „Unter dem Label 'Outdoor Challenge' bietet das Trainingsunternehmen Process One seit 15 Jahren Outdoortrainings, Outdoorevents und Outdoorprojekte an. Diese können als Stand-alone-Maßnahme realisiert oder in ein vorgegebenes Programm integriert werden“. Er wird ja auch von vielen Deutschen nicht verstanden, von mir z. B. nicht. Da wird man am Ende doch nicht darum herumkommen, anstatt Anglizismen ins Deutsche einzubauen – nein, nicht die Sprachen, die man in Rio oder Schanghai spricht, Gott bewahre, sondern Englisch zu lernen.





[1] http://www.www-kurs.de/wording.htm


Freitag, 1. Januar 2016

Ressourcenverschwendung in Mannheim

Wir haben zweiteres überstanden und auch schnellst wachsend, aber es kommt immer noch dicker:
„Konflikte ressourcevoll lösen in Mannheim“.[1]
Darf das sein? Kann man denen nicht den Führerschein entziehen? Oder wenigstens das Hochschuldiplom, das sie ja sicher haben? Was die da vorhaben in Mannheim, ahnte ich nicht im Entferntesten, suchte deshalb im Internet und fand:
„Sie sind daran interessiert, dass Ihr Gegenüber sich gestärkt und aufgebaut fühlt, eben resourcevoll ist“.[2]
Ich vermutete, daß es im Amerikanischen ein ähnliches Wort gibt; in der Tat: resourcefull kennt das Wörterbuch, es hat aber nichts damit zu tun, daß jemand sich gestärkt und aufgebaut fühlt, sondern heißt einfallsreich, erfinderisch. Das hat man nun einzudeutschen versucht, allerdings meinte man wohl, es werde „voll (full) mit Ressourcen“ bedeuten – was immer das nun wieder bedeutet. Ressourcen werden sicher das sein, was man in sich hat, wenn man sich gestärkt und aufgebaut fühlt. Oder so ähnlich; oder auch nicht. Egal, Hauptsache man hat ein Wort zum Eindruckmachen. Leider bemerkt man nicht, welchen Grad an zerebraler Devastation es indiziert.

Immerhin, ressourcevoll ergibt 1900 Treffer bei Google, resourcevoll nur eine Handvoll. Die guten alten französischen Fremdwörter haben manchmal doch noch eine gewisse Widerstandskraft.


Montag, 28. Dezember 2015

Neuer Adel

„So legt z.B. der sog. Smart Shopper keinen Wert auf bevorzugte Behandlung.“[1]
Darauf habe ich noch nie Wert gelegt; sie war mir, wenn sie mal vorkam, sogar ein bißchen peinlich. Wie man doch so ganz nebenher zu einem wohlklingenden, ja glanzvollen Titel kommen kann: Ein Smart Shopper bin ich!





[1] http://www.vertriebslexikon.de/Kundenbewertung.html


Mittwoch, 16. Dezember 2015

Starkkultur

"Die Bildung und Vermittlung der Unternehmenskultur erfolgt durch Lernprozesse und wird in einem Sozialisationsprozess vermittelt. Je höher die Prägnanz, der Verbreitungsgrad und die Verankerungstiefe einer Unternehmenskultur ist, um so stärker ist sie zu bewerten.
Die Vorteile einer starken Unternehmenskultur, wie sie z.B. der Firma McDonalds zugeschrieben wird, liegen in der Erhöhung der Effizienz des Unternehmens und der hohen Loyalität der Mitarbeiter.“
(Stichwort „Marketing“, Hermann Diller (Hrsg.): „Vahlens Großes Marketing Lexikon“ München 1994, Stichwort „Strategisches Marketing“, S. 649 f., S. 1174)

Die Vermittlung wird also vermittelt. Und ob man die Reihenfolge der Prozesse nicht genausogut umdrehen könnte? „Die Bildung und Vermittlung der Unternehmenskultur erfolgt durch einen Sozialisationsprozess und wird durch Lernprozesse vermittelt“ hört sich doch auch irgendwie richtig bzw. genauso blödsinnig an. Und ob man nicht die beiden Prozesse weglassen könnte? Sich mit Lernen und Sozialisation begnügen? Das würde wohl nicht den Verbreitungsgrad eines betriebswirtschaftlichen Textes erhöhen, denn der hängt sicher von der Menge überflüssiger Zutaten ab, mit denen man in dieser Branche das Blähpotential der Sprache zu „optimieren“ pflegt. Aber der Prägnanz und Verankerungstiefe (was das heißen  soll, weiß ich nicht, aber es wird schon etwas heißen) könnte es dienlich sein.
Ein Rätsel ist mir, wie man eine Unternehmenskultur stark bewertet. Vielleicht ist gemeint, daß man den Bewertungsakt mit einer solch dröhnenden Wucht vollzieht, daß alle Welt hochfährt. Vielleicht ist aber auch gemeint, daß sich der Bewerter beim Bewerten so stark anstrengt, daß ihm der Schweiß von der Stirne heiß rinnt wie einst dem Glockengießer. Vielleicht hat der Autor aber auch einfach ein Wörtchen vergessen und wollte sagen, daß die Unternehmenskultur vom Bewerter als stark bewertet wird, wenn sie z. B. eine Verankerungstiefe hat. Doch schien mir zunächst „stark“ zu „Kultur“ nicht so recht zu passen. Hohe Kultur, auch Hochkultur kennt man ja, aber starke Kultur, gar Starkkultur? Wäre in diese vielleicht die ein wenig starkleibige Hochkulturgröße L. Pavarotti einzusortieren?

Ich merkte allerdings bald, daß ich auf dem falschen Weg war. Kultur ist wohl eher in dem Sinne gemeint, wie wir von der Kultur der Azteken sprechen. Der fehlte es an Stärke, und darum wurde sie von der starken Kultur der spanischen Marodeure ausgelöscht. Dazu paßt der Hinweis, der Boulettenhändler McDonalds könne sich einer starken Kultur rühmen. Daß dies an der hohen Loyalität der Mitarbeiter liegt, stimmt allerdings nicht so recht mit dem Volksglauben überein und auch nicht damit, was der investigative Journalismus in Gestalt des G. Wallraff über diese Firma herausgefunden hat.

Freitag, 11. Dezember 2015

Soft Skills

„Ziel der neuen Schulart muss die Sicherung der Ausbildungsfähigkeit ihrer Schülerinnen und Schüler auch für anspruchsvollere Berufsfelder und einen guten Berufseinstieg sein: ‚Deutsch und Mathematik als grundlegende Kulturtechniken, Englisch und die Einübung sogenannter Soft Skills sollten in dem neuen Schultyp einen besonders hohen Stellenwert besitzen.‘“ So die Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerverbände.[1]
Deutschlehrer waren beim Verfassen dieser Erklärung sicher nicht beteiligt, wie man an dem verkorksten ersten Satz sieht. Mir geht es aber um etwas anderes: Wenn die bayerischen Lehrerinnen und Lehrer den Schülerinnen und Schülern gutes Benehmen beibrächten, könnten sie auf die Einübung sogenannter Soft Skills vielleicht verzichten. Sie mögen sie ja doch nicht, wie das „sogenannter“ beweist. Auch daß sie ihren Verein noch nicht in Arbeitsgemeinschaft Bayerischer Lehrerinnen- und Lehrerverbände umbenannt haben, zeigt eine gewisse Resistenz gegen modische Neuerungen und läßt hoffen. Überhaupt glaube ich, daß „Soft Skills“ in 99 % der Fälle sowieso nichts anderes bedeutet als Manieren. Auch wenn jetzt gleich einer kommen wird und den Zeigefinger hebt: Es bedeutet Sozialkompetenz und wie man eine Powerpoint-Folie macht gehört auch dazu und also ist das Wort unverzichtbar: Wir brauchen es nicht, außer, wie es fast immer bei Wörtern dieser Sorte ist, um die Qualen zu lindern, die uns unsere Minderwertigkeitsgefühle bereiten.


Donnerstag, 3. Dezember 2015

Kirchen ratlos

„Sich vernetzen, engagieren und Erlebtes miteinander teilen: Das Forum Unsere Zeiten bietet Austausch und Rat über alle Themen zwischen ‚lieben’ und ‚trauern’, von ‚glauben’ bis ‚genießen’: das 59plus Netzwerk der evangelischen Kirchen.“[1]
„... und hielten einen Rat über ihn, wie sie ihn umbrächten“ kennt auch der Nichtchrist unter den Musikfreunden. Aber Rat über Themen? Bach hätte sich geweigert, das zu vertonen.



[1] http://www.evangelisch.de/kompass/wegweiser-kirche/kirche-im-netz-links-und-surftipps19524

Samstag, 28. November 2015

Klarspülmittel

„Bahnchef Grube machte klar, daß es keinen Baustopp geben wird“, behauptete der Bayerische Rundfunk;[1] es ging um den geplanten Bahnhof in Stuttgart.
Der Bahnchef machte, wenn’s hoch kommt, klar, daß er einen Baustopp nicht will. Ob es einen geben wird, wußte zu jener Zeit weder er noch irgendein anderer, und darum konnte das einem auch keiner klarmachen.






[1] Nachrichten am 24.9.2010

Mittwoch, 18. November 2015

Optimierungsbasistalente

„Die Optimierung der internen und externen Talent Base beschäftigt sich mit der ganzheitlichen Optimierung der Talentbasis eines Unternehmens durch eine Reihe von zielgerichteten und inhaltlich aufeinander abgestimmten Maßnahmen.“ [1]
Was wohl der Unterschied zwischen einer Talent Base und einer Talentbasis ist? Die Optimierung der einen „beschäftigt“ sich jedenfalls mit der Optimierung der anderen.



[1] dbs-lin.ruhr-uni-bochum.de/hrm/stellen/download.php?id=1261493103

Dienstag, 17. November 2015

Management von Talenten oder so

„Ein sehr häufiges Problem, welches schon aus der Anfangszeit des Talent Managements stammt, besteht darin, dass Unternehmen einen zu starken Fokus auf einzelne Talent Management Maßnahmen legen, wie beispielsweise die Rekrutierung von neuen Mitarbeitern, während andere Aktivitäten (Lernen und Weiterbildung, Mitarbeiterbindung etc.) vernachlässigt werden.“[1]
Das Problem stammt aus der Anfangszeit oder es war schon in der Anfangszeit vorhanden, aber schon aus der Anfangszeit stammt es nicht.
Zu den vernachlässigten Aktivitäten gehört auch, Studenten (für die Jüngeren: Studierende) der Betriebswirtschaftslehre hundert Mal den Satz schreiben zu lassen: Es heißt nicht Talent Management Maßnahmen, sondern Talentmangementmaßnahmen oder Talentmanagement-Maßnahmen.





[1] dbs-lin.ruhr-uni-bochum.de/hrm/stellen/download.php?id=1261493103

Samstag, 14. November 2015

Eierfänger oder so ähnlich

Preiswürdig:
„Eyecatcher ein echter Blickfang für den Erfolg ?“[1]






[1] http://blogger-world.de/eyecatcher-ein-echter-blickfang-fuer-den-erfolg/



Samstag, 7. November 2015

Ewige Jugend


„Schullandheim? So yesterday!“ Das konnte man gestern auf taz.de in einer Überschrift lesen. Im Text kam weder das Wort Schullandheim noch das Wort yesterday vor, die Redaktion hat beides wohl eingefügt.

Ich glaube, wir haben es hier nicht mit der üblichen Motivation, englische Wörter zu benutzen, zu tun („Blähdeutsch“), sondern damit: Man will jung erscheinen. Es gibt englische Wörter, die vorwiegend oder ausschließlich von Berufsjugendlichen, wie Sozialarbeitern in Jugendzentren, benutzt werden. Beispielsweise habe ich das Wort „kids“ einige Jahre nur von solchen „Betreuern“ gehört, nicht von den Jugendlichen. Und die ergrauten Damen und Herren der
 taz sind ja auch so etwas wie Berufsjugendliche.