„A-Connect setzt sich permanent mit den Erfordernissen des
Personal Service Marktes auseinander. Ergebnis ist eine an den Bedürfnissen der
Unternehmen und des Arbeitsmarktes konsequente orientierte
Personaldienstleistung. Sie ermöglicht ein Höchstmass an Flexibilität und
Passgenauigkeit für den Erfolg unserer Kunden.“[1]
Hier finden Sie in loser, wenn's gut geht rascher Folge Kommentare zu Vorboten der allgemeinen zerebralen Zerbröselung und des ihr auf dem Fuße folgenden Weltuntergangs sowie zum Thema „Deutschland schafft sich ab“.
Freitag, 4. September 2015
Donnerstag, 3. September 2015
Allene Gummibärchen
„Charleen ist 15, hat eine ganz okaye Familie, eine beste Freundin“[1]
Mein Opa hatte einen gröfazenen Schnurrbart, wie Charly Ch., aber ich
gaub’, aus anderen Gründen.
Mittwoch, 26. August 2015
Inhalte
Was die Politiker mit dem guten alten Wort „Inhalt“ anstellen, ist
schon schwer zu ertragen. Facebook
aber setzt – gleich auf der Eingangsseite – noch eins drauf:
„Facebook ermöglicht es dir, mit den
Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen.“
Da „Inhalt“ nun man ein Singularetantum
ist, hätte Facebook ja schreiben können: „Facebook ermöglicht es dir, mit den
Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und den Inhalt von diesem oder jenem mit diesen zu teilen“;
etwas verquast, aber es geht.
Man muß nicht so ein Getue wie Facebook veranstalten.
St. Martin hat schon vor vielen Jahrhunderten gezeigt, wie das Teilen von „Inhalten“geht.
Auch wenn wir den Plural akzeptieren sollten – er hat seinen Mantel, worin, nebst
ein paar Taschentüchern und anderem Kleinkram, vorher vielleicht die Inhalte
seines Koffers bestanden, einfach in zwei Teile geschnitten.
Sonntag, 9. August 2015
Forscherdrang
„Die Suche
nach Spuren von Intelligenz ist ein Forscherdrang, den Menschen in allen
möglichen Alltagssituationen ausgesetzt sind, mit mehr oder weniger befriedigenden
Ergebnissen.“ (Telepolis, 27.5.11)
Das „den“ ist
sicher ein Flüchtigkeitsfehler, da wollen wir nicht so sein. Aber daß eine
Suche ein Drang sein soll, will mir gar nicht in den Kopf. Ich dachte immer: Einen
Drang zu suchen kann man zwar verspüren, aber das ändert nichts daran, daß eine
Suche und ein Drang ihrem Wesen nach doch höchst verschiedene Dinge sind. – Na
ja, auch das könnte man hinnehmen, wenn nicht Murks dieser Art so typisch wäre
für den engagierten Journalismus. Wenn man mal vom Sprachlichen absieht und
sich gleich an das vermutlich Gemeinte hält: Den Drang, Spuren von Intelligenz
zu entdecken, verspüre ich hauptsächlich beim Lesen von Zeitungen und ganz
besonders von Internetzeitungen, also in der Tat in Alltagssituationen, und die
Ergebnisse sind eher weniger als mehr befriedigend.
Donnerstag, 6. August 2015
Zielsichere Politik
"Bonn/Berlin – Anlässlich der Verabschiedung der Nationalen
Biodiversitätsstrategie im Bundeskabinett am 7. November 2007 fordert die
umweltpolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Marie-Luise Dött
MdB: Naturschutz ins Zieldreieck von Ökologie, wirtschaftlicher
Verträglichkeit und sozialer Verantwortung bringen."[1]
Wie das wohl zugehen mag? Und ob der Aufenthalt in einem Zieldreieck dem Naturschutz
gut tut? Kann er da nicht getroffen
werden?
Mittwoch, 5. August 2015
Angesehene USA
„Das Ansehen der USA
ist bei den Deutschen erneut gesunken. Nur noch 35 Prozent bewerten die USA im ARD-Deutschlandtrend als vertrauensvollen
Partner. Dies sind im Vergleich zum Juli 14 Punkte weniger. 61 Prozent sagen,
die USA seien kein Partner, dem man vertrauen könne.“[1]
Früher war zwar nicht
alles besser, aber die allgemeinen Denkfähigkeiten scheinen doch etwas besser
entwickelt gewesen zu sein. Da hätte jeder, der die Volksschule erfolgreich
hinter sich gebracht hat, diese Sätze als vollkommen blödsinnig erkannt und
sich anderen Dingen zugewandt. Heute sitzt er davor und grübelt. Die Sätze
stehen in der Zeit, da schreibt die
Crème de la Crème des Bildungsbürgertums. Wie man da schreibt, so schreibt man.
Liebe Zeit-Leser, bitte merken Sie sich: Ein vertrauensvoller Partner ist
voller Vertrauen. Z. B. kann die USA vertrauensvoll sein, in diesem Fall Deutschland,
d. h. seiner Regierung, vertrauen. Im Juli meinten 49 % der befragten
Deutschen, das sei so.
Der letzte Satz hat aber
ein ganz anderes Thema. Da geht es nicht darum, ob die Deutschen die Amerikaner
für Leute halten, die voller Vertrauen in den Rest der Welt oder wenigstens die
Deutschen sind, sondern darum, ob die Deutschen in den USA einen Partner sehen,
dem man vertrauen kann.
Sonntag, 2. August 2015
Universalstars
Alle paar Monate lassen die Journalisten „einen der letzten“
Universalgelehrten sterben oder sie erinnern daran, daß vor 50 oder 100 oder
200 Jahren einer der letzten gestorben ist. Ein Universalgelehrter ist einer,
der sich nicht nur in einem Fach auskennt, sondern in einem, zwei oder drei anderen
auch noch ein bißchen oder, wie ein Journalist, in allen, aber eigentlich in
gar keinem. Jetzt aber gibt’s auch noch Universalkünstler. Schinkel war einer,
schreibt die taz[1].
Die Kriterien für die Ernennung sind die gleichen. Man hat zwar noch nicht
davon gehört, daß Schinkel als Sänger, Tänzer, Komponist, Pianist,
Romanschreiber oder Lyriker Nennenswertes geleistet hat, aber immerhin, er war
Architekt, Maler, Bühnenbildner und Designer. (Auch wenn man bisher noch nicht
wußte, daß es letztere damals schon
gab: Designer war er, liest man neuerdings, auch.)
Ein Wort wie „universal“ hinzuschreiben hebt einen Journalisten
halt gleich in eine ganz andere Sphäre.
Donnerstag, 30. Juli 2015
Läßliche Sünden
In dem Blog Kompetenzteam für schöne und schlimme Wörter wird „läßlich“ unter den schlimmen Wörtern geführt.[1]
Da muß man Einspruch erheben (für die Jüngeren unter Ihnen: Da ist Einspruch angesagt). Das Wort läßlich ist durch eine lange Tradition geheiligt und, auch wenn es das ursprünglich nicht gewesen sein sollte, dadurch schön geworden. Seit wer weiß wann gibt es in der katholischen Kirche läßliche Sünden. Eine solche ist z. B., wenn ein Hirte sich an einem minderjährigen Schäfchen vergeht. Eine nicht-läßliche ist dagegen, wenn zwei erwachsene Schafe es miteinander treiben (für die Jüngeren unter Ihnen: Sex haben), ohne vorher den Segen des Hirten einzuholen.
Da muß man Einspruch erheben (für die Jüngeren unter Ihnen: Da ist Einspruch angesagt). Das Wort läßlich ist durch eine lange Tradition geheiligt und, auch wenn es das ursprünglich nicht gewesen sein sollte, dadurch schön geworden. Seit wer weiß wann gibt es in der katholischen Kirche läßliche Sünden. Eine solche ist z. B., wenn ein Hirte sich an einem minderjährigen Schäfchen vergeht. Eine nicht-läßliche ist dagegen, wenn zwei erwachsene Schafe es miteinander treiben (für die Jüngeren unter Ihnen: Sex haben), ohne vorher den Segen des Hirten einzuholen.
Sonntag, 26. Juli 2015
Ästhetischer Herzensbrecher
„Der triviale Filmtitel ist irreführend:
‚Herzensbrecher’ von und mit dem Regiewunderkind Xavier Dolan erzählt in
moderner Ästhetik von einer Affäre zu dritt.“[1]
Wenn also in moderner Ästhetik etwas
erzählt wird und es noch dazu um eine Affäre zu dritt geht, dann kann das nicht
trivial sein und schon gar nicht „Herzensbrecher“ heißen, weil so einer per se etwas ganz Triviales
ist. Das scheint mir ein gewagter Schluß. Was mich von dieser Behauptung
überzeugen könnte, wäre der Glaube an das Regiewunderkind. Aber der fehlt mir
leider.
Freitag, 24. Juli 2015
Bitte mehr Gelassenheit
Vor einigen Jahren hatten wir schon einen ähnlichen Fall. Damals ging es um
die Kampftauglichkeit deutscher Soldaten in Afghanistan[1],
jetzt geht es darum, was die Abschiebebehörden anrichten:
„Ehsan Jafary hatte nach seiner Abschiebung Anspruch auf Unterkunft und
Betreuung. In der Praxis werden Jugendliche wie er allein gelassen.“[2]
Es kommt schon vor, daß Jugendliche, wenn sie alleingelassen werden,
gelassen werden, aber es kann auch anders kommen, manchmal drehen sie dann erst
richtig auf.
Donnerstag, 23. Juli 2015
Das Wesen des Journalismus
„Die wohl überraschendste These des
Medienwissenschaftlers Hans-Jürgen Arlt und des Publizisten Wolfgang Storz ist,
dass es sich bei der Bild gar nicht um ein journalistisches Produkt handelt. Um
journalistischen Mindeststandards zu genügen, müsste die Bild nicht nur
journalistisch arbeiten, sondern zunächst einmal überhaupt den Vorsatz haben,
den Leser zu informieren. Das ist bei der Bild aber gerade nicht der Fall.“[1]
In der Tat, das überrascht. Ist doch,
seit vor hundert Jahren Karl Kraus das Wesen des Journalismus aufgedeckt hat,
kein einigermaßen ernstzunehmender Mensch mehr auf den Gedanken gekommen, es
könnte darin liegen, den Leser informieren zu wollen.
Mittwoch, 22. Juli 2015
Schwieriger und schwerer Fall
Herr Professor U. E. aus Mainz schreibt
mir:[1]
„Eurosport, Leichtathletikübertragung[2],
hinsichtlich eines etwas groß geratenen Speerwerfers: ‚Die Koordination fällt
dann immer schwieriger’.“
Aber wenn sie nicht klappt, die
Koordination, vielleicht weil sie allzu schwierig fällt, dann fällt der Werfer
schwer.
Dienstag, 21. Juli 2015
Bilder, „Bilder“ und sogenannte „Bilder“
„...die
Frömmigkeit, mit der wir RezipientInnen alle geschlossen vor den sogenannten
„Bildern“ in die Knie gehen ...“, schrieb die taz in einer Filmkritik.[1]
Es geht
um richtige, und zwar um sich bewegende Bilder, um einen Film halt. Im folgenden
Text schreibt der Autor (für die taz-Macher und -Leser: die AutorIn) denn auch immer von Bildern, ohne Anführungszeichen und
ohne „sogenannte“ davorzusetzen. Ja, er tut auch im Zitat im Grunde nichts
anderes, denn sogenannte „Bilder“ sind einfach Bilder, „sogenannte“ und Anführungszeichen
heben einander auf. Er hat also wohl erst Bilder in Anführungszeichen gesetzt,
dann aber gemerkt, daß das falsch ist, weil es ja Bilder sind und nicht
sogenannte Bilder, und darum den Fehler durch „sogenannte“ wieder gelöscht. Das
hätte er auch einfacher haben können.
Montag, 20. Juli 2015
Wowereit der Prophet
Die
deutsche Sprache ist gewiß, wie die in diesem Blog kommentierten Beispiele Woche
für Woche zeigen, schwer, aber einige meistern sie. Dazu gehören zumindest
manchmal die Überschriftenschreiber des Tagesspiegel.
„Wowereit:
Berlin wird Europas Metropole“, lautet eine Hauptüberschrift.[1]
Gutgläubige Leser wie ich und die meisten anderen verstehen das als Vorhersage
und staunen. DIE Metropole Europas wird Berlin, meint Wowereit? Also vor Paris
und London? Da stand Berlin ja nicht einmal in den zwanziger Jahren. Man hält
den Bürgermeister für einen Aufschneider. Will uns der Tagespiegel mitteilen,
daß er einer ist und ihm damit schaden oder will er ihn beim Aufschneiden
unterstützen?
Oder hat
Wowereit gute Gründe für seine Prophezeiung? Lesen wir im Artikel nach: „Berlin
soll sich zur ‚zukunftsfähigsten Metropole Europas’ mit einer starken Wirtschaft,
Toleranz, fairen Löhnen und sozialem Zusammenhalt entwickeln, hat der Regierende
Bürgermeister in seiner Regierungserklärung betont.“ Also Berlin wird nicht die Metropole Europas, sondern nur eine, vielleicht eine unter vielen, also
das, was die Stadt schon ist. Und sie wird das gar nicht – bzw. das wissen wir
nicht –, sondern sie soll es nur werden. Allerdings soll Berlin die
zukunftsfähigste unter den Metropolen werden. Das kann man nur so lesen: Alle
anderen haben, verglichen mit Berlin jedenfalls, keine Zukunft, sind also bald
keine Metropolen mehr, verglichen mit Berlin jedenfalls; auch Paris und London.
Also bleibt nur Berlin übrig. Wir sind wieder da, wo wir schon waren. Auch wenn
es nicht ganz ausgeschlossen ist, daß Berlin es zu einer starken Wirtschaft, zu
Toleranz, fairen Löhnen und sozialem Zusammenhalt bringt (was das, die starke
Wirtschaft vielleicht ausgenommen, mit „Zukunftsfähigkeit“ zu tun haben soll,
bleibt dunkel): daß die Stadt es irgendwie dazu bringen könnte, hinsichtlich
der Eigenschaften, die eine Metropole ausmachen, Paris und London zu überholen,
glaubt man dem Herrn Wowereit auch dann nicht, wenn er uns seinen Plan erzählt,
es auf dem Weg über die Zukunftsfähigkeit zu erreichen, und hält ihn einen
falschen Propheten.
Aber das
ist er gar nicht. Denn er hat, wie gesagt, nur gesagt, daß sie sich zur „zukunftsfähigsten
Metropole Europas“ entwickeln soll,
daß er das gerne möchte oder daß er
andere anweist, in diese Richtung zu wirken. Haben wir also den Tagesspiegel der
Lüge überführt, weil er ihn als Propheten darstellt, wo der Satz doch gar nicht
als Prophezeiung gemeint sein muß? Dies auch nicht, die Überschrift sagt nichts
anderes als das, was im Artikel als die eigene Aussage des Bürgermeisters
zitiert wird. Denn „Berlin wird Europas Metropole“ muß ja nicht als Vorhersage
gelesen werden, das tun ja nur wir Leser in unserer Beschränktheit. „Ihr geht jetzt
sofort schlafen!“ ist ja auch keine, sondern ein – meist frommer – Wunsch, als
Befehl formuliert. Auch in der Überschrift wird nur behauptet, daß der
Bürgermeister sich wünscht, daß Berlin die Metropole Europas wird, und das ist
sicher richtig. Vermutlich wünschen sich das der Bürgermeister von München und
der von Düsseldorf auch, ohne es doch prophezeien zu wollen. Jedenfalls bleibt
es dabei: Daß der Tagesspiegel ein seriöses Blatt ist, ist nicht zu widerlegen.
Sonntag, 19. Juli 2015
Katholiken mal wieder dagegen
„Katholische
Kirche gegen Wahlergebnis“, schreibt die taz.[1]
Das ging
mir auch schon oft so, genau genommen sogar meist; mir wäre in der Regel ein
anderes lieber gewesen. Aber etwas komisch ist die Formulierung „ich bin gegen
das Ergebnis“ schon. Kann man wirklich sagen, ich bin gegen das Ergebnis, wenn
es mir nicht recht ist? Ich hab’ was dagegen, daß Bayern gewinnt, aber bin ich
dagegen, daß Bayern gewonnen hat? Im Kongo, wo die katholische Kirche gegen das
Wahlergebnis ist, ist's allerdings ein wenig anders. Ob ihr das Ergebnis recht
ist oder nicht, erfährt man in dem Artikel gar nicht. Sie hält die Art, wie es
zustandegekommen ist, für unrechtmäßig. Wenn man das weiß, kommt einem die
Formulierung noch seltsamer vor.
Samstag, 18. Juli 2015
Zurückfahren durch zurückführen
Wir sind uns einig, daß wir den Antibiotikaeinsatz in der Massentierhaltung weiter zurückführen müssen", sagte ein Sprecher des Bundesverbraucherschutzministeriums im Heute-Journal.[1]
Erst wollte er, wie es in seinen Kreisen seit einiger Zeit üblich geworden ist, „zurückfahren“ sagen. Aber dann hat er wohl hier bei Deutsche Sprak nachgelesen und erfahren, daß sich das etwas idiotisch anhört. So richtig gelungen ist ihm die Alternative allerdings nicht. Zurückführen auf was oder wohin, möchte man doch gern wissen.
Mittwoch, 1. Juli 2015
Schöpfer Himmels und der Erden
„Als Künstler werden heute meist die in der
Bildenden Kunst, der Angewandten Kunst, der Darstellenden Kunst sowie der Literatur und der Musik kreativ tätigen Menschen bezeichnet, die Kunstwerke schaffen.“ (Wikipedia, 14.1.12)
Ein Zirkel muß das nicht sein. Es wäre ja möglich, daß „Kunstwerk“ nicht
definiert wird als das, was Künstler schaffen, sondern unabhängig vom Begriff
des Künstlers. Bewundernswert ist aber, daß es unser Autor geschafft hat, das
Wort „kreativ“ unterzubringen, um dem Zeitgeist oder der Pflicht zu modischem Geschwätz
Genüge zu tun. Immer häufiger findet man in letzter Zeit „die Kreativen“ als
Synonym für „die Künstler“. Nun gibt es aber zugleich, und in rasender Zunahme
begriffen, auch andere Kreative, z. B. die kreativen Wilden (die kommen in NRW
vor, haben irgendwas mit Politik zu tun), die kreativen Strolche, die kreativen
Botschafter, die kreativen Spezialisten mit guter Laune, die kreativen
Mitdenker, die kreativen Zerstörer, und zwar im Manager-Magazin, und sogar kreative
Industrien gibt es, was vielleicht ein neues Wort für Kulturindustrie ist und
in diesem Fall mit Künstlern nichts zu tun haben kann, wie man seit Adorno
weiß. Vor 50 Jahren gab es in Bayreuth (ich lebte damals dort) gar keine
Kreativen, wenn ich mich richtig erinnere, zumindest ist mir keiner
aufgefallen. Jetzt wimmelt es nur so von ihnen.
„Ursprünglich wurde der Begriff Kreativität als
Bezeichnung für alle Arten von schöpferischer Tätigkeit verwendet.“ (Wikipedia,
Stichwort Kreativität) Heute nicht mehr, denn „Kreativität besteht in der Neukombination von
Informationen“ (ebd.), so daß also beispielsweise auch ein Journalist kreativ
genannt werden könnte, und das wird ja doch keiner wollen.
Übrigens: „schöpferisch“
habe ich mit „Google“ ca. 390.000 mal gefunden, kreativ ca. 37 Millionen mal. Wahrscheinlich
mag man „schöpferisch“ nicht mehr sagen, damit man nicht in den Verdacht gerät,
ein religiöser Mensch, der an den Schöpfer glaubt, zu sein, denn das gilt ja
irgendwie als old-school oder old-fashioned oder so ähnlich. Daß creator auch in der Bibel steht und
Schöpfer heißt, scheint man vergessen zu haben.
Dienstag, 30. Juni 2015
Meist gesehen und meistgesehen
„Meist gesehen“ schreibt „iPad“
über eine Liste von Fernsehfilmen. Das hätte man sich sparen können. Filme
pflegen nun einmal meist gesehen zu werden, etwas seltener gleichzeitig gehört und
viel seltener gerochen oder getastet.
Donnerstag, 25. Juni 2015
Ganz schön breit
„Forum will Planungen breiter und viel
demokratischer aufstellen“.[1]
Man stelle sich vor, das hätte einer vor 50 oder 100 Jahren lesen müssen.
Kein Anglizismus drin – jedenfalls nicht auf den ersten Blick –, und doch wäre
ihm kein Sinn aufgegangen. Das Wort Forum hätte er wohl gekannt. Ein Forum ist
etwas, auf dem man sich versammeln kann, besonders wenn man Römer ist. Aber daß
ein Forum etwas wollen kann, hätte er nicht glauben mögen. Was eine Planung
ist, wäre ihm auch bekannt gewesen. Kaum hätte er sich aber vorstellen können,
daß man Planungen aufstellen kann, und wenn ihm einer gesagt hätte, daß man sie
breit und noch breiter aufstellen kann, ja sogar viel demokratischer, hätte er
sich an den Kopf getippt. – Nein, liebe Linguisten, ich habe nichts dagegen,
daß sich die Sprache wandelt. Und wenn sie sich mitunter so schnell wandelt,
daß die ältere Generation nicht mehr versteht, was die jüngere sagt, ist das zwar
für die ältere nicht angenehm – doch was ist für die schon angenehm? Aber muß sie
sich denn so wandeln?
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