Auf 2,65 Milliarden Dollar wir das Vermögen
eines Südafrikaners geschätzt, „was ihn zum achtreichsten Afrikaner der Welt
macht“. Das steht heute in der taz. Ebenfalls
sehr weit, ja eigentlich noch weiter hat es einer aus Wiezenplotz an der Plampe (Sachsen-Anhalt) mit viel weniger gebracht.
Mit nur 183.000 Euro hat er nicht nur den Titel des zweitreichsten Wiezenplotzers,
sondern den des zweitreichsten Wiezenplotzers der Welt errungen.
Hier finden Sie in loser, wenn's gut geht rascher Folge Kommentare zu Vorboten der allgemeinen zerebralen Zerbröselung und des ihr auf dem Fuße folgenden Weltuntergangs sowie zum Thema „Deutschland schafft sich ab“.
Donnerstag, 31. Januar 2013
Freitag, 25. Januar 2013
Lernspezialisten
„Oriolus - die Spezialisten für schulstarke
Lernprogramme“.[1]
Wieder ein Grund, froh darüber zu sein, daß Deutschland bei den PISA-Tests so schlecht abschneidet. Die Schüler entziehen sich offenbar dem Einfluß der Spezialisten und entgehen so der Gefahr, „schulstark“ in ihren Wortschatz aufzunehmen.
Wieder ein Grund, froh darüber zu sein, daß Deutschland bei den PISA-Tests so schlecht abschneidet. Die Schüler entziehen sich offenbar dem Einfluß der Spezialisten und entgehen so der Gefahr, „schulstark“ in ihren Wortschatz aufzunehmen.
Sonntag, 20. Januar 2013
Budapest Philharmonic Orchestra
Ich wundere mich seit Jahren, daß die Sprecher von „Bayern 4 Klassik“ – wie
vermutlich die Sprecher aller deutschen Rundfunksender – statt „Pražský
komorní orchestr“ „Prager Kammerorchester“ sagen, nicht
aber statt „Boston Symphony Orchestra“ „Bostoner
Symphonieorchester“. Oder richtiger: Ich wundere mich nicht, wundern würde ich
mich, wenn sie das nicht täten, sondern ich ärgere mich. Gewiß, die
Rundfunksprecher bzw. die, die ihnen sagen, wie sie zu sprechen haben, sind
nicht ohne Argumente. „Pražský komorní orchestr“, so
höre ich sie reden, versteht ja keiner, aber englisch kann jeder, außer der
Mehrheit der über Siebzigjährigen und der Mehrheit der Migranten,
aber die letzteren hören ja unsere Sendung sowieso nicht und auf erstere
kommt's nicht mehr an.
Doch das ist
nicht der Grund, sondern eine Ausrede. Am liebsten würden sie statt „Prager Kammerorchester“ „Prague Chamber Orchestra“ sagen, und man kann jede
Wette darauf eingehen, daß sie das bald tun werden. Statt „Budapester
Philharmonisches Orchester“ sagen sie ja auch schon „Budapest Philharmonic
Orchestra“, obwohl es „Budapesti Filharmóniai Társaság Zenekara“ heißt
(und nicht wie die Comedian Harmonists
oder German Brass nur einen
englischen Namen hat) und die Ungarn es sicher jedem überlassen, diesen Namen
in seine eigene Sprache zu übersetzen.
Jener Grund ist: Sie halten sich für Provinzler und sind deshalb von
Minderwertigkeitsgefühlen gepeinigt, sie möchten am liebsten ihre Herkunft
verheimlichen und sprechen darum so oft es nur geht so, wie man in der großen
Welt spricht und weisen darauf hin, daß es andere gibt, die in puncto
Provinzialität noch weit unter ihnen stehen. Sie machen es ganz so wie der
Bauer, der den Städtern in einer Sprache, die er für Hochdeutsch hält,
schenkelklopfend erklärt, was für einen unmöglichen, hinterwäldlerischen
Dialekt man doch im seinem Nachbardorf spricht. Die einen verstehen überhaupt
nicht, was er will, die anderen sind peinlich berührt. Es funktioniert einfach
nicht. Man will und will nicht erkennen, daß er kein Provinzler ist, sondern
nur die aus dem Nachbardorf welche sind, und was für welche. – Die Deutschen
sind halt unverschämte Provinzler: Sie geben den Tschechen ihre Verachtung zu
erkennen und den Amerikanern zu verstehen, daß sie, die Deutschen, sich selbst
verachten, sie, die Amerikaner, aber bewundern. Dazu halten sie sich ihre
Rundfunksprecher.
Dienstag, 15. Januar 2013
Die Grünen beim Fellabziehen
"Zur Vorstellung des Handlungskonzepts der Landesregierung zur Stärkung der
familiennahen Kindertagesbetreuung erklärt Andrea Asch MdL, familienpolitische Sprecherin: [...] Die
Tagespflege hat einen eigenen und wichtigen Stellenwert, vor allem in der Abdeckung
von Randzeiten." Das schreibt die Fraktion der Grünen im Landtag von Nordrhein-Westfalen.[1]
„Konzepts“ hätte gereicht. Ein Konzept ist ein Plan, und ein Plan, der
nicht auf Handeln hinauswill, ist keiner. Ein Handlungskonzept ist also ein ziemlich
weißer Schimmel. Was Randzeiten sind, weiß ich nicht. Aber eine Abdeckung ist
meiner – vom Lexikon bestätigten – Meinung nach das, was der Abdecker tut. Das
ist einer, der toten Tieren, vornehmlich Pferden, das Fell abzieht. Abdecken
hat aber noch weitere Bedeutungen. Zum Beispiel kann man ein Rosenbeet mit
Fichtenzweigen abdecken. Doch welche Bedeutung man auch nimmt und was immer
eine Randzeit sein mag: Wie man sich deren Abdeckung vorzustellen hat, würde
ich schon gern erfahren.
Samstag, 12. Januar 2013
Studierendendeutsch
Eine
queerfeministische frauenlesbentrans
liste kandidiert für das StudentInnenparlament – oder, für die ganz
korrekten, Studierendenparlament – der FU Berlin. Ich dachte erst, das sind
SpaßmacherInnen oder Spaßmachende, so wie die Biertrinker-Partei. Doch nein,
ich habe mich kundig gemacht, das ist denen bierernst. Da macht sich nicht
jemand über die Szene lustig, da spricht die Szene selbst.
Dienstag, 8. Januar 2013
Bildungsboom in Ostdeutschland
„Produktkriterien von
Schulprogrammarbeit“ gibt’s beim Bildungsministerium des Landes Brandenburg.[1]
Mittwoch, 2. Januar 2013
Optimal schwerer Fall
Nicht irgendein Lebensberater,
sondern ein Zeit-Journalist schreibt: „Falls Ihnen positives Feedback schwer
fällt, erinnern Sie sich an Ihre Erfolge. Was ist Ihnen in der Vergangenheit
gut gelungen? Wo liegen Ihre Stärken? Und wann können Sie diese optimal
einsetzen?“[1]
Auf die letzte Frage ist
zu antworten: wenn überhaupt, dann ganz, ganz selten. Optimal bedeutet: Besser
ist nicht möglich. Darum gibt es das Wort optimaler nicht. Und wann kam es schon einmal vor, daß ich meine
Stärken nicht noch besser hätte einsetzen können? Ich kann mich nicht erinnern.
Feedback bedeutet, die
Älteren unter Ihnen werden sich erinnern, Rückkoppelung. Es fällt mir zwar
schwer, mir das Fallen eines Feedbacks vorzustellen, aber wenn es fallen kann,
dann kann es auch schwer fallen – in beiderlei Bedeutung: Es fällt, also etwa
stürzt schwer, mit großer Wucht, und es fällt
schwer, also etwa: Es ist nicht leicht, es zum Fallen zu bringen. Doch
was soll ich mir darunter vorstellen, daß es
mir schwer fällt? Daß es mir
schwerfällt, mir das vorzustellen, wird vielleicht jemand zum Anlaß nehmen,
mich zu belehren: Schwer fallen hat
noch eine weitere Bedeutung, es bedeutet nämlich neuerdings auch das, was schwerfallen bedeutet. Man darf es, der
Rechtschreibkommission zufolge, an dessen Stelle schreiben.
Ich weiß nicht, ob das
stimmt. Aber wir wollen es einmal annehmen. Dann stellt sich allerdings die
Frage: Darf denn diese Kommission das?
Sie darf
es nicht. Daß zwei mal zwei fünf ist oder daß sich die Sonne um die Erde dreht,
darf keine noch so demokratisch zustande gekommene Kommission beschließen. Sie
hat herauszufinden, was richtig ist,
und das hat sie dann, wenn's schon sein muß, festzusetzen. Und so ist es in
unserem Fall auch.
Freitag, 28. Dezember 2012
Männer-Funktionalstrukturalismus
„Sie benennt das Funktionieren von Männern
in ihrer Struktur“.
Das stand kürzlich[1]
in einem Leserbrief an die taz. Hat sich das innerste Wesen der Leserschaft dieser Zeitung jemals schöner zum Ausdruck gebracht?
Freitag, 21. Dezember 2012
Die gute Nachricht kurz vor Weihnachten
Am 17. Januar konnten wir hier melden: Endlich: Keine Armut mehr in Berlin! „Jeder
Siebente in Berlin ist von Armut bedroht“ hatte der Tagesspiegel gemeldet, aber
halt nur bedroht, arm war keiner. Jetzt hat sich das, der heutigen taz zufolge,
leicht verändert: Jeder Fünfte lebt in Berlin unterhalb der
„Armutsgefährdungsschwelle“. Doch arm ist immer noch keiner, wäre es anders,
hätte man uns das doch in dem Artikel mitgeteilt, wo man schon mal beim Thema
war.
So ganz eindeutig ist das aber nicht, was die da
schreiben. „Von Armut bedroht“ ist eindeutig. Wer von ihr bedroht ist, ist
nicht arm. Wenn ich von einer tödlichen Krankheit bedroht bin, dann lebe ich noch. Aber die
„Armutsgefährdungsschwelle“ könnte ja auch – dieses Problem habe ich bereits in
dem oben zitierten Blogartikel erörtert – die Schwelle sein, unterhalb derer
die Armut selbst nicht gefährdet ist, was immer das heißen mag; oder unterhalb
derer man durch die Armut gefährdet ist. Die könnte einen ja z. B. in Versuchung führen, kriminell zu
werden. Es mag noch mehr Möglichkeiten geben.
Es ist ähnlich rästselhaft im
Falle der „Armutsmisere“. „Daß die Ökonomie verantwortlich ist für die
Armutsmisere [...] daran darf man nicht rütteln“ (ebd.). Man hätte ja auch „verantwortlich
ist für die Armut“ schreiben können, dann wäre einigermaßen klar gewesen, was
gemeint ist, wenn ich mir auch nicht so recht vorstellen kann, wie eine
Ökonomie es schafft, verantwortlich zu sein; bei Ökonomen wär's was anderes.
Aber Armutsmisere? Ist vielleicht die Misere gemeint, in der die Armut steckt,
weil es partout keine Armen mehr geben mag, nur noch von ihr bedrohte Nichtarme?
Einleuchtend kommt mir das aber auch nicht vor.
Montag, 17. Dezember 2012
Endapokalypse. Mein Beitrag zum bevorstehenden Weltuntergang
„Wir sind schon ein Völkchen von
Apokalyptikern“, schrieb David Hugendieck vor einiger Zeit in einer Glosse in
der Zeit[1].
Man sehe das an der Konjunktur der Vorsilbe End: Da wimmelt es von
Endverbrauchern und Endprodukten und mobilen Endgeräten, und Endkonsequenzen
gibt es auch schon.
Da könnte was dran sein. Aber in dem
einzigen wahrhaft apokalyptischen Blog, dem vorliegenden, kommt die Vorsilbe
End weit unterdurchschnittlich, ja man kann sagen, fast gar nicht vor. Das ist
erstaunlich. Vielleicht hat es ja damit zu tun, daß die wahre Apokalypse gar
nicht das ist, was uns am Ende aller Tage erwartet, sondern ein Dauerzustand.
Sonntag, 9. Dezember 2012
Das Wesen des Journalismus
In den letzten zehn Jahren vermehrt
sich eine seltsame Formulierung mit rasender Geschwindigkeit: Etwas oder einer
„macht den Unterschied“. Das habe ich mittels Google herausgefunden. Ich will
mich nicht mit der durchaus interessanten Frage beschäftigen, ob etwas oder einer überhaupt einen
Unterschied machen kann, sondern nur damit, wem diese Fähigkeit zugeschrieben
wird. Manchmal sind es die Grünen, manchmal die FDP, manchmal auch „unsere Kompetenz“.
In den meisten Fällen aber sind es Fußballspieler: Ribéry machte den
Unterschied oder Ronny, und gestern bei Paderborn gegen Hertha war es Ramos.
Immer, ich habe keine Ausnahme gefunden, sind es Torschützen. „Müller verhindert Niederlage gegen die
Ukraine“, titelte Zeit-de vor einigen
Monaten. Er schoß den Ausgleich zum 3 : 3. Zig-tausendfach haben wir das schon
erleiden müssen. Ich kann mich nicht erinnern, jemals in einer Überschrift
gelesen zu haben, daß ein Verteidiger durch Wegdreschen des Balls knapp vor dem
gegnerischen Stürmer eine Niederlage verhindert hat und damit „den Unterschied
machte“. Das Wesen des Journalismus[1]
kommt im Fußballkommentar erst so richtig zum Vorschein.
Montag, 3. Dezember 2012
Löwen zu verzeichnen
„Das Fortbewegungsmittel Nr. 1 der
Braunschweigerinnen und Braunschweiger ist der Pkw. Ein sehr positiv zu verzeichnender Trend ist dabei die Erhöhung des Bestandes
schadstoffreduzierter Pkws in der Stadt.“ Das meldet die „Löwenstadt
Braunschweig“.[1]
Die Löwenstadt
hätte natürlich auch schreiben können: ein sehr positiver Trend. Das hätte aber
den Eindruck einer gewissen Schwächlichkeit, eines Mangels an Löwenhaftigkeit
erwecken können, dachte man wohl. „Positiv zu verzeichnender Trend“ klingt
gleich ganz anders. Da hört man sofort: Wer so redet, der packt die Probleme
der Kommunalpolitik so entschlossen an wie der König der Wüste das Gnu beim Genick.
Mittwoch, 28. November 2012
Die Kultur des Mensch
Eine „Kultur des Versteckens“ meint die Süddeutsche beobachtet zu haben.[1]
Diese Kultur hat mit irgendwelchen krummen
Dingen im Schweizer Bankenwesen zu tun. Ginge es um das Verstecken von
Ostereiern, wäre gegen den Gebrauch von „Kultur“ nichts einzuwenden. Aber seit
es das Wort Kultur gibt, hat es nie die Bedeutung gehabt, die ihm die Süddeutsche nun verleiht. Von Unkultur
könnte man eher sprechen.
Richtig dagegen macht es Schrumpfende Städte, ein
dreijähriges Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes, wenn es eine „Kultur des
Schrumpfens“ fordert.[2] Denn daß die
Großstädte nichts mit Kultur zu tun haben, sondern nur mit Zivilisation, das
haben die konservativen Kulturkritiker schon vor 150 Jahren erkannt. Darum
hätten sie das Bestreben, die Städte zum Schrumpfen zu bringen, sicher als eine
kulturelle Tat gepriesen. Daß sie aber mit dem Namen „shrinkingcities“ – so
heißt der Internetauftritt des Projekts – einverstanden gewesen wären, darf man
bezweifeln; die weltweite Nivellierung der Sprache hätte ihnen kaum gefallen.
Auch ist, so erbittert sie die Kultur gegen die Zivilisation verteidigten,
fraglich, ob sie es für vereinbar mit der Idee der Kultur gehalten hätten,
jedes Kinkerlitzchen durch die Hinzufügung von „-kultur“ zu adeln.
Richtig wird das Wort Kultur auch in dem
Internetauftritt Geschichte und Kultur
des Hanf verwendet.[3]
Um so schlimmer ist „des Hanf“. Könnte man das aus der Welt schaffen, nähme ich
gern die Kultur des Versteckens, die Kultur des Rufens, die Kultur des
Hinschauens und die Kultur des Wegschauens und sogar die positive Feedbackkultur in Kauf.
Übler noch als dem Hanf ergeht es dem
Menschen.
„Die Ernährung
des Mensch“ titelt der Squash Verband Schleswig-Holstein
e.V.[4]
Und freenet-homepage.de
schreibt: „Als Darwins Theorie über Die Entstehung der Arten die Absurdität der religiösen
Kosmogonien um die Rolle des Mensch als "Krone der Schöpfung"
entlarvte ...“.[5]
Das sehen die Verfasser von religion-online.de anders. Sie
bestreiten, daß es sich bei diesen Kosmogonien um Absurditäten handele. Daß man
aber „des Mensch“ schreiben darf, darin sind sie sich mit ihren
weltanschaulichen Gegnern einig: „Die Herrscherlichkeit des Mensch ist rückgebunden an den Dialog mit Gott.“[6]
Man wird, nebenbei gesagt, bei aller Anerkennung des Fortschritts, den Darwins
Theorie gebracht hat, zugeben müssen, daß seinen Anhängern ein solch gottvolles
Wort wie Herrscherlichkeit nie gelingen kann. Das könnte die Theorie nähren,
daß mit jedem Fortschritt gesetzmäßig ein Rückschritt verbunden ist.
religion-online.de schreibt auf dieser Seite auch: „Hinzu kommt, dass einzig und allein der
Erschaffung des Mensch ein ganz
feierlicher Satz vorausgeht. Es heißt hier: ‚Lasst uns den Menschen machen nach
unsrem Bilde, uns ähnlich.’ (Gen 1,26)“ Immerhin: nicht „Lasst uns den Mensch
machen“. In der Luther-Übersetzung, Ausgabe von 1822, steht: „Lasset uns
Menschen machen, ein Bild, das uns gleich sey.“
Man kann daraus lernen: So ratsam es in
den eigentlich theologischen Fragen ist, mit der Zeit zu gehen, weil sonst
finsterster Fundamentalismus droht, so sehr ist es doch in sprachlicher
Hinsicht geboten, sich an das Bewährte zu halten. Die alten Übersetzer der
Bibel hatten ihren heutigen und selbst oder gerade den eifrigsten Lesern
einiges voraus.
Donnerstag, 22. November 2012
Kollateralschäden der Rechtschreibreform
Die Rechtschreibreform habe durchaus einige Verbesserungen gebracht, heißt
es. Das glaube ich gern. Vielleicht ist ein Text, der sich streng an sie hält,
alles in allem einem der alten Rechtschreibung folgenden vorzuziehen. Gewaltig
aber sind die Kollateralschäden. In einem Klima rasch voranschreitender
Debilität haben falsche Übersetzungen aus dem Englischen den Sinn dafür
schwinden lassen, daß Wörter dann, wenn man sie getrennt schreibt, etwas
anderes bedeuten können als dann, wenn man sie zusammenschreibt. Nun ging das
Gerücht um, die Rechtschreibreform habe die Regeln des Getrennt- und
Zusammenschreibens hier und da geändert. Das reichte, um alle Dämme brechen zu
lassen.
„Jedoch sollte man
aufpassen, ihn nicht zu fest zu drehen, weil es dann mit dem Rauchgenuss nicht
mehr sehr weit her ist, weil die Kippe dann überhaupt nicht mehr zieht.“[1] Fest zu drehen: Das dürfte richtig sein, denn
der Raucher will uns vermutlich sagen, man solle nicht zu feste, zu kräftig
drehen, nicht etwa, man solle den Tabak zudrehen und wohl auch nicht, man solle
den Tabak nicht so drehen, daß er dann zum Rauchen zu fest ist, obwohl das vielleicht
im Hintergrund der Anweisung steht, nicht zu fest zu drehen.
Das hingegen ist falsch: „Zum Entlüften der Creme den orangefarbenen Deckel auf jeden Fall fest zu drehen und den Drehspindelfuß
drehen, bis ein leichter Widerstand zu fühlen ist“.[2]
Gemeint ist: fest zudrehen.
Auch das ist falsch: „Das Problem dabei: um die Schraube fest zu drehen muss man oben und unten
mit einem Schlüssel festhalten“[3]
Gemeint ist: festzudrehen.
Montag, 19. November 2012
Event Manager in Korinth
„In ihrem
heutigen Blogbeitrag liefert Christiane Müller wertvolle Tipps und Anregungen,
um den Einstieg in die Bibellektüre von Anfang an erfolgreich zu meistern. ....
Für den Einstieg empfehle ich NICHT die Lutherübersetzung (es sei
denn, jemand hat wirklich Freude an diesem Sprachstil). Sondern eine neuere
Übertragung. Meine persönlichen Favoriten sind hier die gut lesbare Übersetzung
‚Hoffnung für alle’ oder eben die schon öfter angepriesene BasisBibel“. Das
steht auf evangelisch.de.[1]
Da scheint
jemand schon einmal das Kunststück fertiggebracht zu haben, einen Einstieg zwar
zu meistern, aber erfolglos. Doch auch dazu dürfte sich die „BasisBibel“ – das B in der Mitte schreiben die tatsächlich groß –
nicht so richtig eignen. In der steht z. B.: „Ich habe euch im letzten Brief
geschrieben: Haltet euch fern von Leuten, die in verbotenen sexuellen
Beziehungen leben.“ (1. Kor 5,9-13)
Nie und nimmer hat Paulus das gesagt, geschrieben oder auch nur
gedacht. Damals hat keiner in Beziehungen gelebt, weder in sexuellen noch in sonst
welchen, so wenig wie die olympischen Spiele im alten Griechenland von einem
Event Manager geleitet wurden.
Mittwoch, 14. November 2012
Kulturschaffende unter sich
„’Inside Apple’-Autor Adam Lashinsky
über extreme Unternehmenskultur“, steht heute vorn auf der taz, und Lashinsky
erklärt uns dann in einem ganzseitigen Interview, daß es bei Apple ungefähr so
zugeht wie bei Scientology. Aber die taz, da kennt sie nix, nennt auch das
Kultur. A bisserl extrem halt, aber doch Kultur.
Montag, 12. November 2012
Das ist Demokratie!
„Unter Angeln oder Sportfischen
versteht man die Ausübung der Fischerei mit einer Handangel.“[1]
Früher ist wohl auch der
beschränkteste Verstand in der Lage gewesen zu begreifen, daß Sportfischen auch
dann Sportfischen ist, wenn man sich dabei nicht einer Handangel bedient,
sondern z. B. eines Keschers, und daß das Fischen mit einer Angel, die keine
Handangel ist, auch unter Angeln fällt. Auch wäre ihm das „oder“ seltsam
vorgekommen, denn man vermutet ja, daß gemeint ist, Angeln sei mit Sportfischen
identisch, während es doch auch Fischer gibt, die mit Angeln ihren
Lebensunterhalt verdienen.
Zumindest hätte früher einer, dem
das zu hoch ist, nicht gewagt, seine Auffassung in Schriftform der Welt
mitzuteilen. Der Zeitgeist aber ist damit einverstanden, daß er das tut, ist es
doch einer der wenigen Erfolge der seit einigen Hundert Jahren anhaltenden Demokratisierungsbestrebungen.
Während sonst immer weniger immer mehr haben und zu sagen haben, darf immerhin
jeder, aber auch wirklich jeder seine Gedanken dem Publikum mitteilen, und kein
Mangel an den Mitteln, von denen man meinen sollte, daß sie dafür nötig sind,
kann ihn davon abhalten.
Donnerstag, 8. November 2012
Hobbychristen
„Und das ist kein Zufall: die 47-Jährige ist Professorin für
Theoretische Physik an der TU Darmstadt, forscht unter anderem an der
mathematischen Modellierung der biologischen Evolution – und sie ist gläubige
Christin, was sie auch auf ihrer Website unter ‚Hobbies’ ganz unbefangen öffentlich macht.“[1]
Ob das reichen wird? Ob man auf einem Steckenpferd bis in den
Himmel reiten kann?
Freitag, 2. November 2012
Ich habe einen Fehler gemacht
Wenn ein Politiker das sagt, lügt er
fast immer. Einen Fehler hat er gemacht, wenn er beim Lügen erwischt wird, dem
fehlerfreien Lügner passiert das nicht. Das Lügen selbst ist im allgemeinen nicht
ein Fehler, sondern eine Verfehlung.
Dienstag, 30. Oktober 2012
„Darauf geben wir das Speed Fairsprechen“
Es wird eine Zeit kommen, da hält man
das[1]
für einen Satz, sogar für einen deutschen, und nicht nur ein kleiner Kreis von
Eingeweihten, sondern ein jeglicher wird verstehen, was gemeint ist. Und der
erste Engel posaunete. Und es ward ein hagel mit feuer und blut gemenget, und
fiel auf die erde, und das dritte theil der bäume verbrannte, und alles grüne
gras verbrannte.
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