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Sonntag, 19. Juni 2011

Starkdeutsch


„Obama verstärkt den Druck auf BP weiter.“[1] Das glaube ich. „Neuville verstärkt die Arminia.“[2] Das hat sich inzwischen als Irrglaube herausgestellt, doch sprachlich ist es in Ordnung. Wenn aber die CDU-Abgeordnete Katherina Reiche formuliert: „Potsdam sollte sich verstärkt um Förderungen für UNESCO-Welterbestätten bemühen“,[3] dann, so meine ich, hätte sie lieber „stärker“ oder einfach „mehr“ schreiben sollen. Wenn’s nur sie wäre, könnte man das ja verkraften. Doch leider schreibt der Deutsche als solcher verstärkt so. Vielleicht geht es uns bald wieder schlechter. Geschwächt, wie wir dann sind, schreiben wir hoffentlich wieder besser.

Sonntag, 1. Mai 2011

Kräftesport am 1. Mai

Auf der den Seiten des Internetauftritts infopartisan.net schrieb einer über die „Maifestspiele Berlin-Kreuzberg“. Die Seiten scheinen von den Veranstaltern dieser in Berlin und weit darüber hinaus so beliebten Festspiele gestaltet zu werden. In dem folgenden Zitat lassen sie aber den Polizeifunk zu Wort kommen. „Amsel 19, unterbreche, Ausschreitungen Oranienplatz. Angriffe auf Polizeibeamte, es fehlen Kräfte.“[1]
Das wundert einen nicht, heutzutage. Die Bereitschaftspolizisten, die bei den Maifestspielen eingesetzt werden, sind meist blutjung, kommen gerade von der Schule, und man weiß ja, wovon sich die heutige Jugend ernährt: Pommes frites und Gummibärchen, viel mehr ist da nicht. Sport treiben sie auch kaum, hängen immer nur am Computer rum und spielen Gewaltspiele. Wie sollen die Jungs und Mädels da zu den Kräften kommen, die sie brauchen, wenn es im richtigen Leben mal gewalttätig zugeht? Der Polizeifunksprecher meinte es vielleicht anders, wollte statt Kräfte Leute sagen oder Beamte, aber mit dem, was er gesagt hat, hat er’s auch getroffen.
Mehr Mühe hat man mit dem folgenden Satz der Grünen: „Angemessene Ersatzkräfte sollten jederzeit verfügbar sein, um die Personalschlüssel aufrechtzuerhalten.“[2] Was mögen das für Schlüssel sein? Riesendinger, bei denen die eigenen Kräfte nicht ausreichen, so daß man Ersatzkräfte braucht, damit sie nicht umkippen? Seltsam, davon hat man noch nie gehört. Auch müßte es dann doch aufrecht zu halten heißen, nicht aufrechtzuerhalten.

Sonntag, 10. April 2011

CDU möchte Wanderer bilden


In den Nachrichten kam, daß die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Frau Maria Böhmer (CDU), möchte, daß für die Bildung der Migranten[1] mehr getan werde.
Sehr gut, Frau Integrationsbeauftragte, denn das ist bitter nötig! Was waren die Migranten, also die Wanderer, früher doch für gebildete Leute! Und wenn sie nicht gebildet waren, so waren sie doch wenigstens bildungshungrig. Sie migrierten mit der Wanderkarte in der Hand von Ritterburg zu Hünengrab und von Hünengrab zu Wehrkirche, um sich zu bilden, und manche unter ihnen, die sogenannten fahrenden Scholaren, zogen sogar von Universität zu Universität. Und heute? Sie tun’s nur noch, um ab- oder nicht zuzunehmen und aus ähnlichen bildungsfernen Gründen. Früge man sie, erführe man gewiß Erschreckendes. Viele wüßten wohl nicht einmal, daß das, was sie tun, wandern heißt, gar das Fremdwort migrieren dürfte ihnen gänzlich unbekannt sein. Walken würden sie ihre Tätigkeit vielleicht nennen, besonders wenn sie dazu zwei Stecken benutzen.[2]
Jean Paul hat zwar nicht die Wanderer, sondern die Spaziergänger in vier Kasten eingeteilt, doch das paßt auf unseren Fall auch: Die heutigen Migranten fallen alle in die unteren beiden. In der zweituntersten Kaste „rennen die Gelehrten und die Fetten, um sich eine Motion zu machen“, in der untersten aber die „jämmerlichsten, die es aus Eitelkeit und Mode tun“. Hätte er die heutige Mode nicht nur der Spaziergänger und Migranten, sondern der sich in der Freizeit Bewegenden insgesamt gekannt: Er hätte noch eine weitere, allerunterste Kaste gebildet.

Mittwoch, 6. April 2011

Die Inhalte der FDP und der Grünen

„Ich nehme schon nach zehn Monaten als Fraktionsvorsitzender wahr, dass uns die Menschen deutlich mehr zuhören und wir dadurch unsere Inhalte deutlich besser transportieren“, sagte der Berliner FDP-Politiker Christoph Meyer.[1]
Wie man deutlich besser transportiert, weiß ich nicht, und wieso das so sein soll, weil „die Menschen“ (darunter tun sie’s nicht, die Politiker) deutlich mehr zuhören, weiß ich auch nicht. Ich weiß nicht einmal, was ich mir unter „deutlich mehr zuhören“ vorstellen soll. Zwar ahne ich etwas, doch nur undeutlich, während ich durchaus eine deutliche Vorstellung davon habe, was  „deutlich hören“ heißt. Vor allem aber frage ich mich, was „unsere Inhalte“ bedeuten soll. Was ist drin in der FDP? Die Summe dessen, was in den einzelnen Mitgliedern drin ist? Was diese am Tag vorher in sich aufgenommen haben?
Die Grünen werden da schon deutlicher: „Unsere Inhalte Klima, Bildung, soziale Gerechtigkeit und kommunale Finanzen bleiben unser Maßstab.“ (Sylvia Löhrmann nach faz.net[2].) Trotzdem bleiben Rätsel. Wie kann das Klima Inhalt der Grünen sein? Paßt es denn in die hinein? Bildung schon eher, die kann man einem ja, jedenfalls nach Meinung mancher, geradezu eintrichtern. Den Sinn der Behauptung, daß Bildung der Maßstab der Partei bleiben soll, glaube ich zu verstehen, auch wenn der Ausdruck etwas arg schief geraten ist. Bei der sozialen Gerechtigkeit geht es mir ebenso, bei den kommunalen Finanzen wird’s schon schwieriger und beim Klima will sich das Dunkel gar nicht lichten.
„Und wenn wir das ernst meinen, dass unsere Inhalte entscheiden, dann müssen wir erst nach der Wahl entscheiden, wer die meisten unserer Inhalte gemeinsam mit uns umsetzen wird.“ (Ebenfalls Sylvia Löhrmann.)[3]
Die Inhalte entscheiden also. Wird man das Klima nun einen Entscheidungsträger nennen müssen? Die Grünen entscheiden auch, und zwar angeblich, „wer die meisten unserer Inhalte gemeinsam mit uns umsetzen wird“. Da überschätzen sie ihre Entscheidungsmacht. Ob sie überhaupt etwas mit den Grünen umsetzen wollen, müssen die anderen Parteien entscheiden. Diese könnten es sich einerseits ein wenig einfacher machen: Es reicht, wenn sie die Inhalte mit den Grünen umsetzen; sie müssen das nicht gleich, wie Frau Löhrmann will, gemeinsam mit ihnen tun, denn das wäre auch nichts anderes. Andererseits ist die Sache schwieriger als Frau Löhrmann sie sich gedacht hat. Ein Klima umzusetzen[4] ist jedenfalls beim heutigen Stand der Technik gar nicht möglich. In fernerer Zukunft aber wird man es vielleicht hinbekommen, daß man z. B. ein mediterranes Klima nach Skandinavien umsetzt.
Im Übrigen: Inhalt ist ein Singularetantum. Wenn eine Einkaufstasche Gurken, Tomaten und Eier enthält (für die Jüngeren: beinhaltet), dann sind das nicht die Inhalte der Tasche. Es ist ihr Inhalt.


Mittwoch, 30. März 2011

Die Grünen immer vorneweg

Hoffnungslose Optimisten, die gegen die Vorzeichen des herannahenden Weltendes blind sind, werden ja einwenden, daß die Berliner Bürgermeisterkandidatin diesen Satz vielleicht gar nicht gesagt hat, sondern daß ihn ein Journalist verbrochen hat. Oder sie werden meinen: Er stammt aus einer Rede, da kann das jedem passieren, geschrieben hätte sie ihn nicht. Ich aber glaube, daß die Politikerkaste dabei ist, ein ganz neues Niveau zu erklimmen und die Grünen nur wieder einmal die Nase vorn haben, die anderen Parteien ihnen aber bald folgen werden:
„Es gibt die sogenannten Ehrenmorde, es gibt Gewalt auf den Schulhöfen, es gibt es, daß Frauen nicht die gleichen Chancen haben wie Jungen.“ (taz, 7.3.2011)

Freitag, 28. Januar 2011

Senatorische Verkehre

Die Drucksache 16/1357 der „Bremischen Bürgerschaft – Landtag“ enthält eine „Mitteilung des Senats vom 27. März 2007“, und darin stehen die folgenden Sätze: „Es sind auch ergänzende zusätzliche Normen wie die Sicherung der nationalen Verkehre oder generelle Regelungen von Mindeststandards in Europa bereits ange­kündigt worden. ... Die Vorlage wurde mit den senatorischen Dienststellen für Inne­res und Sport, für Bau, Umwelt und Verkehr, für Finanzen, mit der Senatskanzlei, dem Datenschutzbeauftragten des Landes sowie dem Magistrat Bremerhaven abge­stimmt.“
Nicht nur der nationale Verkehr soll also gesichert werden, sondern die nationalen Verkehre. Der Senat hat sich offenbar gedacht: Der nationale Verkehr ist nur ein Verkehr, ein einziger, darum der Singular. Sollte aber noch ein Verkehr und noch ei­ner daherkommen, dann steht man dumm da, wenn man keine ergänzenden und zugleich zusätzlichen Normen hat. Gut wären auch Standards, besser noch Rege­lungen von Standards. Darum freut sich der Senat, daß dies sowie die Sicherung nicht etwa des Verkehrs, sondern gleich der Verkehre in Europa angekündigt worden ist.
So weit, so gut, auch wenn sich leichter Mißmut regt über die Ungenauigkeit: „in Eu­ropa“ – das kann in Moskau sein oder in Kiew, am Nordkap oder in Belgrad; etwas präziser hätte man es schon gerne.
Etwas mehr ärgert man sich über den Mangel an Konsequenz. Denn mit der Übertragung jener Einsicht auf den eigenen Zuständigkeitsbereich hapert es. Man erwartet die Umbenennung der zuständigen Dienststelle für Verkehr in Dienststelle für Verkehre. Die Stelle für Finanzen hat den Plural ja schon, da braucht man nichts zu unternehmen. Zu prüfen wäre aber, ob man die Dienststellen für Sport, Bau und Umwelt nicht in Dienststellen für Sporte, Baue (oder Bauten?) und Umwelten um­taufen sollte. Schwierig wird es bei der Dienststelle für Inneres. Innereien vielleicht? Und außerdem wäre es konsequent, die Senatskanzlei von nun an senatorische Kanzlei zu nennen.

Die Drucksache 14 / 1753 des Landtags von Baden-Württemberg enthält „Be­schlussempfehlungen und Berichte des Petitionsausschusses zu verschiedenen Ein­gaben“.
Eingaben gab es eine Menge, die Beschlußempfehlung lautete, soweit ich beim flüchtigen Durchsehen feststellen konnte, immer: „Der Petition kann nicht abgeholfen werden.“ 
Ich weiß zwar nicht, wie einer Petition abzuhelfen ist, während ich mir das bei dem Mißstand, der in der Petition genannt wird, schon vorstellen kann, und ich erkläre es mir so, daß man die Petition als solche für den Mißstand hält. Aber immerhin scheint man anders als in Bremen in Stuttgart sehr konsequent zu sein, dachte ich. Jedenfalls werden die Querulanten ohne Ausnahme zurückgewie­sen. Aber dann mußte ich lesen: „Aus dem vom Petenten erwähnten Antrag vom 31. Juli 2006 lässt sich nicht feststellen, welche Bedarfe konkret geltend gemacht wer­den.“ Und dann: „Die Waldumwandlungsgenehmigungen für die verbleibenden Waldflächen werden erst erteilt, wenn tatsächlich Bedarf besteht.“ Ja gibt es denn nur einen Bedarf, der im Hinblick auf verbleibende Waldflächen besteht? Der eine hat Bedarf an Bauland, vielleicht sogar an Bauländern oder Baulanden, der andere an Flächen für Verkehre – das sind doch Bedarfe, das ist nicht nur ein einziger Be­darf!