Mittwoch, 29. Mai 2013

Eliteuniversitätsrektor demonstriert Kompetenz


„Wer Latein oder Griechisch hatte, ist oft auch an der ETH gut. Deshalb muss die nächste Maturareform die Kompetenz einer exakten Sprache stärker gewichten.“ (Ralph Eichler, Rektor der Eidgenössischen Technischen Hochschule Zürich, der wohl renommiertesten Technischen Hochschule Europas).[1]
Ein grelles Licht auf die politische Kompetenz heutiger Universitätsrektoren wirft das „Deshalb“. Man sollte auch die Kindergärten der Schweiz einer Reform unterziehen unter dem Leitgedanken, wie die Kleinen für die ETH brauchbar gemacht werden könnten. Bemerkenswert ist aber vor allem das Schicksal, das dem Wort Kompetenz offensichtlich bevorsteht. Wie alle anderen besonders penetranten Modewörter, z. B. Nachhaltigkeit, beginnt es nach einiger Zeit, Purzelbäume zu schlagen. Kompetenz war bisher eine Eigenschaft derer, von denen man früher sagte, sie seien für etwas zuständig oder sie können etwas, z. B. sprechen; jetzt haben sie Sprachkompetenz. Nun scheint die Sprache selber kompetent zu werden, in Zürich hat’s schon angefangen. Hoffentlich schließt das ihre Fähigkeit ein, derartige Attacken abzuwehren.

Dienstag, 21. Mai 2013

Fakten Fakten Fakten


„Fakt ist“ ist unter den Wendungen aus dem Deppendeutsch-Sprachschatz wohl die erfolgreichste. Über fünf Millionen Treffer ergab sie bei Google. Eingesetzt wird „Fakt ist“ vorzugsweise von Politikern, ihren Journalisten und im Internet politisierenden Laien, und zwar dann, wenn sie etwas behaupten, zu dessen Nachweis sie sich nicht in der Lage sehen. 


Dienstag, 14. Mai 2013

Elterteam


In der Biologie war, als man in diesem Fach noch im wesentlichen deutsch sprach, „das Elter“ üblich. „Dieser Operator trennt das Elter mittels zweier durch Zufallszahlen“ usw.[1]. Nicht gleich böse werden, die dürfen das. In einer Fachsprache sind die seltsamsten Dinge erlaubt, allerdings nur unter der Bedingung, daß streng darauf geachtet wird, daß kein Nicht-Fachmensch (darf ich das? muß es nicht vielleicht FachmenschIn heißen?) zuhört.
Aber nun geht ein Gerücht um: Die Schweiz hat beschlossen, in der Amtssprache nicht nur „Mannschaft“ durch „Team“ zu ersetzen, sondern auch „das Elter“ anstelle von „Vater“ und „Mutter“ zu setzen, denn letztere seien, wie „Mannschaft“ auch, irgendwie nicht gendergerecht oder wie das heißt. Beim Europarat hat man eben dies, heißt es, auch vor. Sollte das stimmen, so möchte ich in diesen wie in ähnlichen Fällen auf Verhängung von mindestens drei, ach was, dreißig Jahren mit anschließender Sicherheitsverwahrung wegen groben Unfugs plädieren. Anders sind die SprachverwaltungsbeamtInnen scheint’s nicht mehr zu bremsen. Keine Angst, es wird eine Ausnahme bleiben. Die erforderliche Gesetzesänderung soll ausschließlich für derartige Fälle von Schwerstkriminalität gelten.
Aber es gibt noch Hoffnung. Die Meldung stand in einem Boulevardblatt, dem „Blick“, wird also wohl erfunden sein. Daß man sich einmal darüber freuen muß, daß die wo’s nur geht lügen, hätte ich früher nicht gedacht.


[1] http://www.google.de/#q=%22das+elter%22+genetik&hl=de&prmd=b&ei=Ibu9TOb3OYGEswbp9fjYDQ&start=10&sa=N&fp=1d280f31b083caa6

Montag, 6. Mai 2013

Arbeitsplatzjob


Job-Akzeptanz, Jobabsage, Job-Aussichten, JOB-Runde, sind Dialekte im Job nicht angebracht? Job-Interview, JOB-AMPEL - Chancen für Akademiker auf dem Arbeitsmarkt, Job-Partner, Job-Test, Jobbesitzer, Job- und Karrierechancen, mit diesem Mini-Job-Rechner können Sie errechnen, wie viel Arbeitnehmer in einem Mini-Job netto ausgezahlt bekommen, das Job-Ticket ist ein Angebot für Berufstätige, welchen (Job)Weg kann ich gehen? Die BRAVO Job-Attacke: Gegen die Job-Angst! BRAVO will dir helfen: Mit der Job-Attacke, unterstützt von McDonald's und der Bundesagentur für Arbeit! Job-Lexikon, Job & Stellenangebote, Job-Thema, in der JOB BUDE ist ein Zimmer für dich frei, Job-Boom, Job-Anzeigen! 1 Euro Job, Job Portal, Job-Chancen, Job-Voraussetzungen.
Und natürlich Jobcenter. Auch gibt es Job-Angst, Job-Ängste, Angstjob, Job-Schwemme, Aktiv-Job, AKTIV JOB-CENTER, Action-Job; Kulturjobber brachte vor 3 Jahren 4 Treffer bei Google, jetzt etwa 3000, Kulturarbeiter damals 24.000, jetzt ist es auf 19.000 zurückgefallen; Alternativjob, Arbeitsjob, intelligenter Arbeitsjob, Arbeitsplatzjob, Jobstelle : Lukrativ und Sicher, STELLENJOB GESUCHT; um den Job trauer ich echt nicht, jedoch gibt’s seltsamerweise noch keine Jobtrauer und auch keinen Trauerjob (vor drei Jahren, heute fünf Treffer), aber 110.000 Treffer für Trauerarbeit (vor drei Jahren, heute über 300.000); Beziehungsjob gibt es allerdings schon ein paar mal, noch ein wenig häufiger Partnerjob, aber immer noch 22.000 mal Partnerarbeit, und es gibt den Mehr Mut bei Migranten – Job, Babyjob (das scheint manchmal die Arbeit zu sein, die darin besteht, ein Baby zu versorgen, manchmal eine Arbeit, die babyleicht ist, aber nie die Arbeit des Babys selbst, z. B. seine Trauerarbeit, wenn der Schnuller weg ist), Bildungs-Job; Erinnerungsjob war seltsamerweise nicht zu finden, jobgerecht brachte nur 218 Treffer (dagegen – wer versteht das? – gendergerecht 11.000 Treffer); Jobforschung.
Und so weiter und so fort.

Kaum eines dieser Wörter gab es vor 20 Jahren schon, wenn, dann führte es ein so verstecktes Dasein, daß es keiner bemerkte. Welch eine Karriere! Teils gab es sie nicht, weil man vor 20 Jahren noch weit weniger Schwierigkeiten mit der Rechtschreibung hatte und man „Job & Stellenangebote“ richtig geschrieben hätte, nämlich „Job- & Stellenangebote“. Das hätte damals aber etwas anderes bedeutet als heute: Die Formulierung „Job- und Stellenangebote“ wäre noch möglich gewesen, während man sich heute wundert: Ist ein Job denn etwas anderes als eine Stelle? Damals aber war das ein großer Unterschied.

Mehr als ein halbes Jahrhundert ist das Wort Job im Deutschen bereits heimisch. Ein Schüler konnte sich für die Ferien einen Job suchen. Sein Lehrer aber hatte keinen, auch wenn er nicht arbeitslos (für die Jüngeren: joblos) war. Er hatte einen Beruf und eine Stelle. Auch ein normaler Arbeiter hatte, im Unterschied zum Ferienarbeiter, keinen Job; er hatte Arbeit.
Nun sind solche Veränderungen von Wortbedeutungen nichts besonders Aufregendes. Ärgerlich ist allenfalls, daß Dschobb blöd, ja unappetitlich klingt, nach Verstopfung, und daß es sich um ein amerikanisches Wort handelt, der Grund seines Gebrauchs also allein in Minderwertigkeitsgefühlen liegt. Das hat der Job aber mit tausend anderen Wörtern gemein und rechtfertigt nicht, ihm besondere Aufmerksamkeit zu widmen. Die verdient er deshalb, weil er eine ganz besondere Geschichte hat.
Wann es genau war, weiß ich nicht mehr, vielleicht vor zehn oder vor zwölf oder vor fünfzehn Jahren. Davon abgesehen ist mir die Situation noch deutlich vor Ohren: Der Nachrichtensprecher im Bayerischen Rundfunk sagte, daß soundsoviele Menschen ohne Job seien. Und er meinte eindeutig nicht nur Ferien-Jobber, sondern auch z. B. arbeitslose Lehrer. Ich stutzte, denn niemand außerhalb sehr isolierter Kreise redete zu jener Zeit so. Während etwa das Ticket über 20 oder 30 Jahre hin allmählich die Vielfalt der Bahn-, Flug-, Eintrittskarten usw. verdrängt hat und irgendwann es auch die Nachrichtensprecher, erkennbar widerstrebend, übernahmen, kam der Job mit einem Schlag aus dem Äther, also von oben. Er traf aber offenbar auf ein brennendes Bedürfnis: Nur ganz kurze Zeit später war die ganze Fülle der Job-Wörter da und wenn einer eine Stelle suchte oder seinen Arbeitsplatz verteidigte, wurde er angesehen, als wäre er vom Mond gefallen.
Was ist da passiert? Man ist ja ein vernünftiger Mensch, meidet normalerweise jeden Kontakt mit den Spinnern, die mehr oder weniger wahnhaften Welterklärungssystemen anhängen. Aber hier, das muß man zugeben, helfen nur noch Verschwörungstheorien weiter. Irgendwo in einem entlegenen Winkel trafen sich die Rundfunkgewaltigen und heckten einen Plan aus. Nur, fragt man sich, was wollten sie damit erreichen? Was haben ausgerechnet sie davon? Vielleicht ist es ja eine Rationalisierungsmaßnahme. Job ersetzt, wie vorher Ticket, eine ganze Reihe alteingeführter Wörter mit ganz bestimmten, genauen Bedeutungen. Und wenn das so weitergeht, muß man eines Tages weit weniger in die Ausbildung von Nachrichten- und anderen Sprechern investieren, denn sie kommen mit viel weniger Wörtern aus. Man muß sie vielleicht bald überhaupt nicht mehr eigens ausbilden, sondern nimmt einfach irgendeinen Joblosen von der Straße. Die paar Wörter, die es dann noch gibt, wird er schon richtig aussprechen können.

Eines, dachte ich, gibt es nicht: Weil die Arbeitsplatzeffekte, wenn auch nur die positiven, gar zu schön sind und kein Politiker es sich nehmen läßt, auf sie hinzuweisen, egal was er vorschlägt, wird man wohl für ihre Erhaltung (für die Jüngeren unter Ihnen: ihren Erhalt) sorgen. Aber nein: über 30.000 Treffer ergab „Jobeffekt“ bereits bei Google.


Montag, 29. April 2013

Gott im Center des Stützpunkts


„Nach den Ansprachen und Glückwünschen segnete Ortspfarrer Heribert Schauer das Neue Agro-Center,“ das der Fliegl-Gruppe gehört, das „der wohl größte Stützpunkt für Agrartechnik in Deutschland“ ist und das in Kastl/Oberbayern die Gegend verschandelt. Das gibt fliegl.com bekannt.[1] Ich liege wohl richtig mit der Vermutung, daß einer nun schon an die zweitausend Jahre währenden Tradition folgend das Vaterunser im Center des Gottesdienstes stand.
Interessant ist die Verwendung von „Stützpunkt“ durch ein Organ des westdeutschen Kapitals. Stützpunkt ist DDR-Jargon und seine Verwendung also erfreulich, denn die Reste des letzteren haben Seltenheitswert. In der DDR gab es z. B. den Getränkestützpunkt. Das war meist eine Flaschenbierhandlung. An solchen Wörtern lag es übrigens, daß die DDR zugrundegegangen ist. Andere Erklärungen, beispielsweise daß der Sozialismus grundsätzlich nicht effizient zu wirtschaften versteht oder daß die Menschen sich halt nach Freiheit sehnen, halten einer nüchternen Überprüfung nicht stand; dergleichen ist nichts als westliche Propaganda. Aber Wörter zu erfinden wie Getränkestützpunkt, Jahresendflügelpuppe, Winkelement, Komplexannahmestelle oder Ferienobjekt, das beschwört den Zorn der Himmlischen herab.
Aus eben diesem Grund wird auch die BRD untergehen, wenn's auch andere Wörter sind. Im allgemeinen sind es schlimmere, denn was schon ist die Umbenennung des guten alten Altersheims in Feierabendheim gegen die Umbenennung in Seniorenresidenz?




[1] http://www.fliegl.com/content/index.cfm/fuseaction/57,dsp,0,2,0,126,1,0,home_fliegl_agro_center.html

Dienstag, 23. April 2013

Ressourcenquellen beim Bockspringen


„Weitere Ressourcenquellen bieten die aktuellen Partnerbeziehungen ... sowie Kontakte in der Nachbarschaft“. Das sind Ergebnisse des Forschungsprojekts „Lebenssituation allein erziehender Sozialhilfeempfängerinnen und ihrer Kinder unter besonderer Berücksichtigung ihrer Gesundheit“.[1]
Ressourcen hätte es auch getan, zumal die Hauptbedeutung von Ressourcen Quellen ist. – Jean Paul hat sich (in Des Luftschiffers Giannozzo Seebuch) auch schon des Problems angenommen, wie man aus allem, nicht nur aus Partnerbeziehungen und Nachbarschaftskontakten, sondern auch beispielsweise  aus der Tatsache, daß man bei einer Handarbeit ja im allgemeinen zwei Füße frei hat, die sich in Tätigkeit setzen ließen, Ressourcen, d. h. Quellen für das wirtschaftliche Wachstum machen könnte; „ringsum springen die Quellen wie Böcke“, konnte er feststellen.
Den Namen des Projekts sollte man noch einmal überdenken. Nur selten nämlich sind alleinerziehende Sozialhilfeempfängerinnen allein erziehende. In aller Regel wirken nämlich an der Erziehung der Kinder alleinerziehender Sozialhilfeempfängerinnen Lehrer, Kindergärtnerinnen, Großeltern und einige andere mit.
Zurück zu den Ressourcen. Immerhin, in dem Forschungsprojekt hat man, das läßt die Formulierung erkennen, noch eine Vorstellung davon, wofür man das Wort Ressource so ganz, ganz ungefähr gebrauchen kann. Ganz anders bei Youtube: „Sind Sie ein Elternteil oder Pädagoge? Ressourcen für Eltern finden Sie hier, Ressourcen für Pädagogen hier.“[2] Und was findet der oder das Elternteil an Ressourcen? Informationen der Art, daß man Kindern erst erlauben soll, Youtube-Filme zu sehen, wenn sie 13 Jahre alt sind.
Kyrie eleison.


[2] http://www.google.com/support/youtube/bin/request.py?contact_type=abuse&hl=de_DE


Samstag, 20. April 2013

Englisch lernen Zuhause


Wall Street Institute ist „einer der meistbesuchten Anbieter für englischsprachige Weiterbildung und mit über 400 Standorten in 25 Ländern präsent.“ Die Methode dieses Anbieters, die er WSI Multimethod® nennt, wurde mit der „ISO 9001:2000 Qualitäts-Zertifizierung honoriert.“
Ich werde aber den Verdacht nicht los, daß es da nicht mit rechten Dingen zugeht. „In Ihrem persönlichen Trainingsbuch finden Sie schriftliche Aufgaben und Übungen für Englisch lernen Zuhause“ klingt doch verdächtig nach einem Computer-Übersetzungsprogramm. Damit soll das Wall Street Institute nicht schlechter gemacht werden als die Konkurrenz. Solche Praktiken scheinen in dieser Branche sehr verbreitet zu sein, z. B. bei der Firma sprachdirekt: „Der Englisch Intensivkurs wird für alle Kenntnisstufen, von Anfänger bis Fortgeschrittene angeboten. Kursbeginn ist jede Woche, jeweils montags möglich.“[1]


[1] http://www.sprachdirekt-london.de/englisch-sprachkurs/intensiv-sprachkurs.htm

Dienstag, 16. April 2013

Hilfeverläufe mit einbeziehen


„Dazu kann das Jugendamt in Absprache mit den Sorgeberechtigten und dem jungen Menschen im Prozeß der Hilfeplanung alle für die Lösung des Falles bedeutsamen Personen und Institutionen mit einbeziehen. In der Regel führt diese Arbeitsweise der Jugendämter zu erfolgreichen Hilfeverläufen... In Vertretung Zach Ministerialdirigent; Drucksache 14 / 4884 Landtag Baden-Württemberg.“[1]
Bei „Verläufe“ zuckt man schon zusammen, aber „Hilfeverläufe“ läßt einen um Hilfe schreien, die dann hoffentlich erfolgreiche Verläufe nimmt. Was kann man denn da tun? Kann man überhaupt noch etwas tun, wenn das Übel schon so weit fortgeschritten ist? – An einer anderen Stelle ist das Problem leicht zu lösen: Falls der Herr Ministerialdirigent zu Einsparungen gezwungen ist, kann ihm geholfen werden: „Mit einbeziehen“ bedeutet nichts anderes als „einbeziehen“.

Freitag, 12. April 2013

Beteiligungsbeteiligung


„Seit den 1950er Jahren beteiligen sich breite Schichten an Wohlstand und gesellschaftlicher Partizipation (»Teilhaberevolution«).“[1]
Daß man sich „an Wohlstand“ beteiligen kann, ist ja, wenn auch mit einer gewissen Mühe, einzusehen. Aber an Partizipation – also an Beteiligung – beteiligen?


[1] http://www.diezeitschrift.de/42007/bremer0701.pdf.

Dienstag, 9. April 2013

Einfach nur schön


„Die Präsides der Kreissynoden drehten eine Feedbackschleife mit dem Bischof.“[1]



[1] Die Kirche, 10. März 2013

Sonntag, 7. April 2013

Effektives Basentalent durch essentielles Wissensmanagement


„Während diese freiwilligen Abgänge durchaus auch vom Unternehmen gewollt und gefördert werden, um die eigene Talent Base zu diversifizieren, ist es dennoch unerlässlich, effektives Wissensmanagement zu betreiben, damit mit den Mitarbeitern, die das Unternehmen verlassen, nicht auch essentielles Wissen verloren geht.“ [1]
Früher, vor der Akademisierung der Betriebswirtschaftslehre, hätte man das etwa so ausgedrückt: Wenn wir jemanden loswerden wollen, weil an anderen mehr zu verdienen ist, dann machen wir das so, daß es nach einer freiwilligen Kündigung aussieht. Der zweite Teil des Satzes scheint ungefähr folgendes zu bedeuten: Man muß dabei aufpassen, daß man nicht solche entläßt, die man noch brauchen könnte.


[1] dbs-lin.ruhr-uni-bochum.de/hrm/stellen/download.php?id=1261493103

Dienstag, 26. März 2013

Kaum mehr Steigerungsmöglichkeiten


„Die Zahl der Demenzkranken in psychiatrischen Kliniken und privaten Pflegeheimen wächst stetig. Nicht immer werden die Patienten optimal versorgt.“ Das schreibt die taz heute in einer Unterüberschrift.
Wenn das keine Nachricht ist! Nie hätt ich das für möglich gehalten! Nicht immer, also doch meist oder fast immer, werden sie optimal, also so, daß es besser nicht möglich ist, versorgt. Was geht es uns in Deutschland doch gut! Und das erfährt man aus der taz, die doch sonst an allem etwas auszusetzen hat!



Sonntag, 24. März 2013

Der beste Freund des Grünen ist der Mensch


„Wir stehen gut da, aber ausruhen ist nicht! Weil es bei all diesen Themen auf die nächsten Jahre ankommt, wollen und müssen wir auch gestalten. Also stellt sich die Frage: mit wem? Und die erste Antwort ist: mit den Menschen!“ 
Das ruft die Grünen-Politikerin Sylvia Löhrmann ihrem Parteivolk zu.[1]
Mit wem? Ich hab’s mir gleich gedacht, daß diese Aufgabe nicht mit den Hauskatzen, Salatgurken oder Kieselsteinen anzupacken oder gar zu schultern ist. Außer den Menschen bleibt in der Tat wenig, wenn nicht gar nichts. Doch frage ich mich, ob die Grünen sich wirklich, wie die Politikerin behauptet, der Aufgabe, ach was, der Herausforderung, wenn nicht gar der Challenge der Gestaltung verweigern würden, wenn es bei „diesen Themen“ nicht auf die nächsten Jahre, sondern auf die nächsten Monate oder Jahrzehnte ankäme.

Mittwoch, 20. März 2013

Machbarkeitswahn


Angefangen hat es damit, daß sie nicht Pläne von Straßen, sondern die Straßen selbst umgesetzt haben. Jetzt haben sie dieses Prinzip ausgebaut und vertieft und dabei in gewisser Weise umgedreht:
„HOAI-Reform 2013 – BMWi: Der Zeitplan ist ehrgeizig, aber machbar“[1]
Garantiert meint das Ministerium oder die uns über die Reform berichtende Redaktion nicht, daß der Plan machbar ist – denn der war schon fertig, als die zitierte Zeile formuliert wurde, er mußte nicht mehr gemacht werden –, sondern daß das machbar ist, was im Plan geplant wird. Aber egal, Hauptsache, man hat „machbar“ untergebracht. Klingt ähnlich entschlossen und „praxisnah“ wie „umgesetzt“.




[1] http://www.bdla.de/nachricht688_13.htm


Donnerstag, 14. März 2013

Nur fast immer


Papst Franz hinten, Papst Franz vorne, Papst Franz an allen Ecken und Enden, und von der evangelischen Kirche redet gar keiner mehr. Dem wollen wir uns entgegenstemmen:
„Wie ist Gerechtigkeit zu definieren? Aber ob wir das in den Kirchen wirklich immer besser wüßten?“ So die ev. Zeitung für Berlin, Brandenburg und die schlesische Oberlausitz Die Kirche[1]).
Also wenn schon nicht wirklich immer, was bekanntlich dem Papst, also jetzt dem Franz vorbehalten ist, so wissen wir es in den Kirchen doch zumindest fast immer besser.
Da muß man Die Kirche aber zu mehr Demut mahnen.




[1] 28. Februar 2010.

Mittwoch, 13. März 2013

Neusprech


Es kommt zwar vor, daß mit „befrieden“ eine friedliche Tätigkeit gemeint ist, z. B. hier:
„Zwei Mediatoren sollen Grüne befrieden“.[1]
Aber das ist selten. Gemeint ist im allgemeinen: Dreinschlagen, bis Friede herrscht; z. B. ist es hier so gemeint, auch wenn die Tagesschau ein wenig rumdruckst:
„Von der Schwierigkeit, die Taliban zu befrieden“.[2]
Es ist vielleicht das älteste Neusprech-Wort überhaupt. Seine lateinische Entsprechung benutzten schon die Römer genau in der heutigen Hauptbedeutung. Auch in der Nazizeit ist man dabei geblieben. Wikipedia irrt darum, wenn es schreibt:
„Während des zweiten Weltkriegs, im besetzten Polen wurde das Wort in einer anderen Bedeutung verwendet. Man sprach von Pazifikation eines Dorfes um seine Zerstörung und Ermordung oder Vertreibung seiner Bewohner auszudrücken.“[3]
Das Wort wurde auch von den Nationalsozialisten so wie im alten Rom und so wie heute verwendet. Nach der Pazifikation herrschte Friede im Dorf.

Freitag, 8. März 2013

Kundenbetreuung


Jahrelang war ich Kunde der Bäckerei Muschler in Freising bei München, aber nie hätte ich gedacht, daß ich mich damit einer Gruppe von Personen angeschlossen habe, deren Definition eine derart ehrfurchtgebietende, wenn nicht gar einschüchternde Formulierung erfordert: „Ein Kunde ist eine Person oder eine Institution, die ein offensichtliches Interesse am Vertragsschluss zum Zwecke des Erwerbs eines Produkts oder einer Dienstleitung gegenüber einem Unternehmen oder einer Institution zeigt.“[1]
Ich kann mich nicht mehr erinnern, aber sicher hat mir meine Mutter oder ein Verkäufer einst mit etwas anderen Worten erklärt, was ein Kunde sei, und mein Eindruck war bis jetzt nicht, daß sie mir eine falsche Vorstellung mitgegeben hätten. Aber nun weiß ich's.
Ein offensichtliches Interesse an Dienstleistungen einer Institution, z. B. der Institution Meldeamt und ganz früher der Institution Schule, habe ich gelegentlich auch schon gezeigt. Aber bei denen ist wohl keiner auf den Gedanken gekommen, daß ich ihr Kunde sein könnte. Vielleicht lag das daran, daß ich das Interesse nicht nur der Institution gegenüber gezeigt habe, sondern auch noch, als ich schon drin war, und daß ich auch nicht gerade an einem Vertragsschluß interessiert war.
Das kommt alles daher, daß Kaufmannslehrlinge sich heutzutage BWL-Studenten nennen, natürlich im Wesen immer noch Kaufmannslehrlinge sind, aber lernen müssen, sich anders auszudrücken. So, wie man halt in den Kaufmannsschulen, die sich jetzt BWL-Fakultäten nennen, glaubt, daß man als Wissenschaftler reden muß.

Sonntag, 3. März 2013

Ratzinger und das Deppenleerzeichen


Seit Tagen bewegt – diesen Eindruck gewinnt man zumindest im Internet – viele Menschen eine einzige Frage: Darf ein Papst zurück treten? Ich kann sie beantworten: Es ist nicht klar geregelt. Anders als beim Fußball, wo eindeutig vorgeschrieben ist, daß der Schiedsrichter in einem solchen Fall die Rote Karte zu zeigen hat, kennt man im Vatikan weder Gesetze noch Verordnungen, die Päpsten verbieten, zurück zu treten. Allerdings, so wird man wohl sagen müssen, gibt es ungeschriebene Gesetze. So etwas tut man als Papst einfach nicht. 


Samstag, 2. März 2013

Hochgradige Clowns


„Bis zu einem gewissen Grad bin ich entsetzt, dass zwei Clowns gewonnen haben“, so Steinbrück.
Nun regen sich alle darüber auf, daß man doch einen Verbrecher nicht als Clown verharmlosen dürfe usw. Aber den ersten Teil des Satzes läßt man dem Kandidaten durchgehen. Dabei sollte einen doch da das Entsetzen packen, und zwar bis zu einem hohen Grad.