Freitag, 8. März 2013

Kundenbetreuung


Jahrelang war ich Kunde der Bäckerei Muschler in Freising bei München, aber nie hätte ich gedacht, daß ich mich damit einer Gruppe von Personen angeschlossen habe, deren Definition eine derart ehrfurchtgebietende, wenn nicht gar einschüchternde Formulierung erfordert: „Ein Kunde ist eine Person oder eine Institution, die ein offensichtliches Interesse am Vertragsschluss zum Zwecke des Erwerbs eines Produkts oder einer Dienstleitung gegenüber einem Unternehmen oder einer Institution zeigt.“[1]
Ich kann mich nicht mehr erinnern, aber sicher hat mir meine Mutter oder ein Verkäufer einst mit etwas anderen Worten erklärt, was ein Kunde sei, und mein Eindruck war bis jetzt nicht, daß sie mir eine falsche Vorstellung mitgegeben hätten. Aber nun weiß ich's.
Ein offensichtliches Interesse an Dienstleistungen einer Institution, z. B. der Institution Meldeamt und ganz früher der Institution Schule, habe ich gelegentlich auch schon gezeigt. Aber bei denen ist wohl keiner auf den Gedanken gekommen, daß ich ihr Kunde sein könnte. Vielleicht lag das daran, daß ich das Interesse nicht nur der Institution gegenüber gezeigt habe, sondern auch noch, als ich schon drin war, und daß ich auch nicht gerade an einem Vertragsschluß interessiert war.
Das kommt alles daher, daß Kaufmannslehrlinge sich heutzutage BWL-Studenten nennen, natürlich im Wesen immer noch Kaufmannslehrlinge sind, aber lernen müssen, sich anders auszudrücken. So, wie man halt in den Kaufmannsschulen, die sich jetzt BWL-Fakultäten nennen, glaubt, daß man als Wissenschaftler reden muß.

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