Am 3. Mai 2010 ereignete sich Erstaunliches. In den Nachrichten des Bayerischen Rundfunks ging es um die Ölpest im Golf von Mexiko vor der US-Küste, und der Sprecher sagte „Lusianna“, einfach „Lusianna“, nicht „Luusiännä“. Kurz vorher noch dachte ich, es sei so weit, ein Naturgesetz zu formulieren: Immer dann, wenn in einer englischsprachigen Gegend, deren Namen die Deutschen bisher deutsch – d. h. so wie sie ihn lesen – ausgesprochen hatten, etwas passiert, über das in den Nachrichten berichtet wird, ist es damit vorbei. Arizona hieß ganz selbstverständlich Arizona, bis dort etwas von einigem Informationswert passiert ist, was, weiß ich nicht mehr, und von da an hieß es „Ärrisouna“. Arkansas hieß Arkansas, so wie es dasteht, aber von dem Moment an, als erstmals darüber etwas in Funk und Fernsehen kam, weil Bill Clinton aus diesem Staat stammt, verrenkte sich ganz Deutschland den Kiefer, um „Ookonsoo“, mit offenem „o“, herauszubringen, während kein Ereignis, nicht einmal die Wahl von Angela Merkel, die Amerikaner dazu bringen konnte, „Börlin“ durch „Berlin“ zu ersetzen. Und nun: Lusianna. Was ist im Bayerischen Rundfunk los? Ein Rebell? Ein getarnter Fundamentalist? Der Beginn einer bayerischen, vielleicht sogar deutschen Taliban-Bewegung? Der Verfassungsschutz sollte ein Auge darauf werfen.
Kürzlich saß ich – auffälligerweise in Bayern – neben einem in der Eisenbahn, der etwa eine halbe Stunde lang telefonierte. Es ging um Geschäftliches und um Computer oder um Computergeschäfte. Er sprach ein merkwürdiges Gemisch aus Englisch, Fränkisch und Hochdeutsch, etwa zu gleichen Teilen. Dann aber, kurz bevor wir in den Münchener Hauptbahnhof einfuhren, sagte er: Lokation, mehrmals, in verschiedenen Sätzen und deutlich vernehmbar: Lokation, nicht etwa Lokäischönn, wie man es von so einem erwartet. Der Sturm wird wohl bald losbrechen.