In anderen Ländern, etwa in England und Frankreich, gibt die
Hauptstadt den Ton vor. Die Provinz bemüht sich, sich so zu kleiden, wie man sich in Paris
kleidet, und wie man da spricht, gilt dort als vorbildlich. Bei uns ist es
anders. Man ißt wie in Oggersheim und sieht dann entsprechend aus, und man
spricht eher wie in Rosenheim statt wie in Berlin. Wenigstens in unserem Fall:
Jeder Fußballkommentator in Presse, Funk und Fernsehen weiß, daß
es „auf“ Schalke und nicht etwa „in“ Schalke zu heißen hat, weil man in Gelsenkirchen
so spricht. Aber fast jeder Fußballkommentator sagt „die“ Hertha, obwohl kein
Berliner so spricht. Das kommt daher: In Bayern sagt man nicht etwa „Uli
sitzt“, sondern „der Uli sitzt“, und im Rheinland sagt man nicht „Erna ist beim
Frisör“, sondern „dat Erna ist beim Friseur“. Und obwohl, eigens befragt,
der Bayer und der Rheinländer nach kurzem Nachdenken einräumen würden, daß im Hochdeutschen
da kein Artikel hingehört: Wenn's speziell darum geht, ob man sich nach der Hauptstadt richten soll, wird nicht nachgegeben.