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Sonntag, 11. Dezember 2011

Glückliches Österreich

Ein genderpolitisches Ereignis ersten Ranges hat sich im deutschsprachigen Ausland zugetragen. Die demokratisch-feministische Fraktion der Sprachbürokraten wird jubeln.[1] Helmut Schürmann hat es im Tagesspiegel kommentiert:



[1] Die Feier findet voraussichtlich im Sprachlog statt.

Freitag, 21. Oktober 2011

Mitkiller

„Nutztiere sind weltweit mit die größten Klimakiller“, schreibt Die Welt.[1]
Über das Knalldeppenwort Klimakiller will ich mich jetzt nicht noch einmal aufregen. So sind sie halt, die Journalisten. Auch die Frage, ob man einen Killer groß nennen darf, soll uns nicht weiter interessieren; Haarmann war zweifellos ein besonders übler, in gewissem Sinne auch ein sehr erfolgreicher Mörder, aber war er ein großer?
Statt dessen wollen wir dem Wörtchen „mit“ unsere Aufmerksamkeit widmen. „Wer so redet, macht einen kraftvollen Anlauf zum Superlativ und stolpert sogleich einen Schritt zurück“ (Brigitte Grunert im Tagesspiegel). Der Welt-Autor wollte verhindern, daß wir die Nutztiere, weil sie uns immer so liebevoll mit Milch, Eiern und ihrem Fleisch versorgen, über Gebühr in unser Herz schließen, und darum wollte er etwas ganz Schlimmes über sie sagen: Sie sind nämlich die größten Klimakiller. Aber dann stockt er. Es könnte ja sein, daß er demnächst zu schreiben hat, die Autos oder die Flugzeuge oder die Radfahrer seien noch größere, oder das Internet sei „der wahre Klimakiller“ (so Die Welt am 22. Sept. 2007). Also formuliert er: Nutztiere sind unter anderem die größten Klimakiller.
Gerade noch rechtzeitig wird ihm bewußt, daß sich dadurch gar nichts ändert. Die Behauptung lautet immer noch, daß sie die größten Killer sind, nur sind sie außerdem noch etwas anderes, z. B. Lebewesen oder Fleischproduzenten. In seiner Verzweiflung ersetzt er „unter anderem“ durch „mit“. Wird schon irgendwie gehen, denkt er. Leider ist „mit“ eine Präposition und hat an dieser Stelle gar nichts verloren. Er hätte schreiben können: „Nutztiere gehören, zusammen mit etlichem anderen, z. B. den Autos, zu den größten Klimakillern.“ Aber das kommt ihm zu kompliziert vor. Man hat ihm beigebracht: Ein Journalist schreibt knapp und klar. Bedauerlicherweise geraten diese Forderungen manchmal miteinander in Konflikt.

Donnerstag, 8. September 2011

Starkult

„Robert Koch, der Superstar der Medizin“ (ein dem Tagesspiegel entnommener Artikel in zeit.de, 27.5.2010).
Was ist ein Star? Wikipedia belehrt uns folgendermaßen:
„Es ist das Wesen der Stars, die Bedürfnisse gerade in die Pubertät eingetretener Jugendlicher nach Freiheit, Liebe oder auch Sex anzusprechen, ohne sie jedoch direkt zu erfüllen.“[1]
Das Foto von Robert Koch, das in zeit.de zu sehen ist, weckt erhebliche Zweifel daran,  ob die in der Überschrift aufgestellte Behauptung einer Prüfung standhielte. Lediglich einem Teil der Definition („ohne sie jedoch direkt zu erfüllen“) scheint mir das Wesen des Gelehrten ein wenig entgegenzukommen.
Im Übrigen ist die Überschrift ein Beleg dafür, daß der sogenannte seriöse Journalismus inzwischen im Dreck angekommen ist und sich dort zusammen mit dem Boulevardjournalismus suhlt. Ich kenne die Rechtslage nicht, aber das Gerechtigkeitsempfinden verlangt doch, daß die Nachkommen Kochs die Möglichkeit haben müßten, Zeit und Tagesspiegel wegen Beleidigung oder Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener zu verklagen. Eine Verjährung ist in derart schweren Fällen sicher ausgeschlossen.


[1] Stichwort Star, 29.1.11

Freitag, 20. Mai 2011

In Nachhaltigkeit

„Wird Europa in Ökologie und Nachhaltigkeit überholt?“, haben die Tagesspiegel-Praktikanten[1] als Unterüberschrift unter einen Artikel mit dem Titel „Grünes Asien“ gesetzt (20.5.2011). Ich bin mir nicht sicher, ob das inzwischen als deutsch gelten kann. Geht denn „Die Bayern wurden in Fußball von Dortmund überholt“?