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Dienstag, 29. November 2011

Ewiggestrig

„Ewiggestrig“ ist der Mega-Hammer (Bild), Super-Hammer (auch Bild), Mammut-Hammer (bald in Bild), Giga-Hammer (auch bald bei Bild)[1] der Journalisten aller Couleur und ihrer Politiker und vor allem der Internetforumsaktivisten. Ewiggestrig ist der Papst, und weil es das, wogegen er donnert, z. B. die sexuelle Revolution, schon seit ein paar Jahren gibt, folglich auch schon gestern, sind seine Gegner ebenfalls ewiggestrig. Die Konservativen sind es sowieso und natürlich auch alle, die der DDR nachweinen und genauso die SPDler, weil sie jetzt wieder für die sozialen Errungenschaften sind, die sie gerade abgeschafft haben, und weil sie schon gestern, also vor der vorübergehenden Abwendung, für diese Errungenschaften waren. Abgeschafft haben sie diese, weil man ihnen damit drohte, sie andernfalls Ewiggestrige zu nennen. Ewiggestrig sind die Befürworter der Sklaverei und weil deren Verbot schon an die 150 Jahre her ist, sind auch diejenigen ewiggestrig, die sie heutzutage verbieten wollen, was jedem ordentlichen Liberalen, der ja für die Freiheit der Wirtschaft eintritt und damit auch für die Freiheit der Behandlung von Arbeitskräften, ein Graus ist.


Auf den ersten Blick ist gegen all das nichts einzuwenden. Wörter wie gut und schlecht werden ja auch in ähnlich unbestimmter Weise gebraucht und doch können wir auf sie nicht verzichten. Mit dem Ewiggestrig ist's aber doch anders: Es klingt so dümmlich.




[1] Hyper-Hammer gibt es, so scheint’s, bei Bild nicht, weil „Hyper Hammer“ ein Tennisschläger ist und man wohl fürchtet, daß auch Hyper-Hammer gesetzlich geschützt ist.

Mittwoch, 16. November 2011

Superlativ der Superlative

Der Kommentator von Sat 1 am 2.11.11 beim Spiel Kopenhagen gegen  Hannover: Pogatetz ist „der fehlerfreiste Spieler“ von Hannover 96.
Das setzt dem Hyper-Mega-Supergau noch eins drauf. Besonders interessant ist, daß die Word-Rechtschreibhilfe „fehlerfreiste“ und auch „fehlerfreieste“ nicht rot anstreicht. Es kommt wohl zu oft vor. Und die Schreiber möchten ja vielleicht wirklich ihre Auffassung zum Ausdruck bringen, daß es möglich sei, weniger Fehler als gar keinen zu machen. Da wollen wir nicht vorschnell urteilen; die Mathematiker sollen ja auch herausgefunden haben, daß zwei mal zwei nicht unbedingt vier ergeben muß.

Samstag, 12. November 2011

Metaphern-Volltreffer


Man müsse, sagte einer in der Tagesschau am 6. Nov. 2011, die Goldreserven angreifen, um die Feuerkraft des Euro-Rettungsschirms zu erhöhen. Ich suchte im Internet – vieltausendmal gibt es das. Bei Financial Times Deutschland hat der Schirm sogar eine Vierfach-Feuerkraft. Mir kam das komisch vor, ich durchforschte abermals mittels Google das Netz,  und tatsächlich, ich wurde fündig: In einem in Berlin geplanten Spionagemuseum will man schießende Schirme ausstellen. Was aber hat der Euro-Rettungsschirm mit Spionage zu tun? Gibt’s da finstere Machenschaften, die man uns verheimlicht? Und überhaupt: was hat das, was die da vorhaben, mit einem Schirm zu tun? Und ist es ein Regen-, ein Sonnen- oder ein Fallschirm? Kann man mit einer dieser Schirm-Sorten Banken retten, und sei es nur in einem übertragenen Sinn? Na ja, es wird schon seinen Sinn haben; all die Journalisten und Politiker und die Abermillionen von Lesern und Fern-Sehern, die das Wort frag- und klaglos hinnehmen, können sich doch nicht irren.

Freitag, 21. Oktober 2011

Mitkiller

„Nutztiere sind weltweit mit die größten Klimakiller“, schreibt Die Welt.[1]
Über das Knalldeppenwort Klimakiller will ich mich jetzt nicht noch einmal aufregen. So sind sie halt, die Journalisten. Auch die Frage, ob man einen Killer groß nennen darf, soll uns nicht weiter interessieren; Haarmann war zweifellos ein besonders übler, in gewissem Sinne auch ein sehr erfolgreicher Mörder, aber war er ein großer?
Statt dessen wollen wir dem Wörtchen „mit“ unsere Aufmerksamkeit widmen. „Wer so redet, macht einen kraftvollen Anlauf zum Superlativ und stolpert sogleich einen Schritt zurück“ (Brigitte Grunert im Tagesspiegel). Der Welt-Autor wollte verhindern, daß wir die Nutztiere, weil sie uns immer so liebevoll mit Milch, Eiern und ihrem Fleisch versorgen, über Gebühr in unser Herz schließen, und darum wollte er etwas ganz Schlimmes über sie sagen: Sie sind nämlich die größten Klimakiller. Aber dann stockt er. Es könnte ja sein, daß er demnächst zu schreiben hat, die Autos oder die Flugzeuge oder die Radfahrer seien noch größere, oder das Internet sei „der wahre Klimakiller“ (so Die Welt am 22. Sept. 2007). Also formuliert er: Nutztiere sind unter anderem die größten Klimakiller.
Gerade noch rechtzeitig wird ihm bewußt, daß sich dadurch gar nichts ändert. Die Behauptung lautet immer noch, daß sie die größten Killer sind, nur sind sie außerdem noch etwas anderes, z. B. Lebewesen oder Fleischproduzenten. In seiner Verzweiflung ersetzt er „unter anderem“ durch „mit“. Wird schon irgendwie gehen, denkt er. Leider ist „mit“ eine Präposition und hat an dieser Stelle gar nichts verloren. Er hätte schreiben können: „Nutztiere gehören, zusammen mit etlichem anderen, z. B. den Autos, zu den größten Klimakillern.“ Aber das kommt ihm zu kompliziert vor. Man hat ihm beigebracht: Ein Journalist schreibt knapp und klar. Bedauerlicherweise geraten diese Forderungen manchmal miteinander in Konflikt.

Donnerstag, 20. Oktober 2011

Killer

Die Zeit titelt: „Klimakiller ersten Ranges“, und meint „Brandrodung, Weiden im Regenwald, rülpsende Kühe“.[1]
Die österreichische Filiale von Greenpeace schreibt: „In herkömmlichen Kühlschänken wurden Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FCKW) verwendet, die mittlerweile aufgrund ihrer Ozonschicht-zerstörenden [sic!] Wirkung weltweit verboten sind. Als Alternative entwickelte die Chemische Industrie jedoch teilhalogenierte Fluorkohlenwasserstoffe (H-FKW). Diese Stoffe sind zwar keine Ozonschichtkiller, zählen jedoch zu den sogenannten Klimakillern.“[2]
Ich frage mich, wie diese Stoffe Ozonschichtkiller, ja Klimakiller sein können. Killer ist englisch und heißt Mörder, wobei aber zumindest die Deutschen nicht jeden Mörder einen Killer nennen, sondern nur einen ganz kaltblütigen, z. B. einen Auftragsmörder. Daß der Kühlschrank als Ganzer die nötige Kaltblütigkeit besitzt, wenigstens in irgendeinem übertragenen Sinn, könnte man sich zur Not schon vorstellen. Aber Mörder? Ist er ja auch nicht, sagt Greenpeace, nur die Stoffe sind Mörder. Denen fehlt allerdings, so meine ich, zum Killer die metaphorische Kaltblütigkeit.
Aber selbst wenn sie diese hätten: Sind sie dann wirklich Mörder? Wäre das nicht so, als ob man nicht den Schützen, sondern die Pistole des Mordes anklagte? Auch wenn die Theorie Bruno Latours dies zu tun nahelegt, bleibe ich dabei: Nicht die Stoffe, sondern ihre Hersteller oder Besitzer oder Benutzer müßte man Mörder nennen. Und bei rülpsenden Kühen ist's auch nicht anders. Im mittelalterlichen England soll man zwar Hunden den Prozeß gemacht haben, aber da sind wir inzwischen doch weiter. Die Eigner der Kühe, nicht diese, und mögen sie noch so tückisch rülpsen, sind die Klimakiller.
Allerdings befriedigt auch das noch nicht. Denn was soll man sich unter der Ermordung des Klimas vorstellen? Wann ist das Klima tot? Wenn es nicht mehr regnet? Aber dann ist es doch immer noch da, sozusagen lebendig, es ist jetzt ein Wüstenklima geworden. Wenn es eiskalt wird? Aber dann hat es sich doch nur in ein arktisches Klima verwandelt. Wenn es affenheiß wird? Dann ist es zu einem tropischen Klima geworden, aber tot ist es noch lange nicht. Wenn sich die ganze Atmosphäre auf und davon macht? Einfach in den Weltraum verschwindet? Das wär’s, dann gäbe es in der Tat kein Klima mehr. Aber das traue ich sämtlichen Kühlschränken der Welt nicht zu. Selbst wenn ihnen die Autos, Kohlekraftwerke, Kachelöfen und Hochleistungsrinder dabei helfen, schaffen sie das nicht.

Donnerstag, 29. September 2011

Geliefert

„Das Quartett hat geliefert.“ Gemeint ist das „Nahost-Quartett“ der UNO. Gesagt hat das eine Auslandskorrespondentin kürzlich  in einem Bericht aus New York (Tagesschau, 24.9.11).
Liefern war ein ganz unschuldiges Wort, aber nach seiner Karriere auf dem letzten FDP-Parteitag ist es verdorben, und man traut sich kaum mehr darauf zu bestehen, die neue Ware solle endlich geliefert werden, weil man den Geruch dieses Wortes nicht erträgt. Ist die Nachricht von dem Unglück, das dem Wort zugestoßen ist, noch nicht bis zu ihr, der Auslandskorrespondentin, gedrungen? Aber sie verwendet das Wort ja nicht einmal so, wie es sich gehört, sondern wie ein Politiker der Partei, die, wenn nicht alles trügt, jetzt geliefert ist. Wahrscheinlich  eine Gesinnungstäterin.