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Samstag, 15. Oktober 2011

Wiedergutmachung für Mißbrauchsopfer


„Ohne politischen Druck auszuüben auf die Kirchen und Vereine, sollten diese von sich aus tätig werden, an die Opfer herantreten und Wiedergutmachungen in Aussicht stellen“, steht in der taz vom 26. Mai 2011.
Das wird nicht leicht sein für die Kirchen und die Vereine. Sie sollen von sich aus tätig werden, ohne auf sich politischen Druck auszuüben. Vielleicht bringt sie das ja ganz durcheinander. In einer Situation, wo sie bereits eine gewisse Bereitschaft signalisiert haben, Wiedergutmachungen zu leisten, sollte man besser vorsichtiger mit ihnen umgehen.

Freitag, 23. September 2011

Grundprobleme des Katholizismus 3: Papst teilt Leid

„Ein im ursprünglichen Programm nicht vorgesehener wichtiger Termin war außerdem das Treffen Benedikts mit einigen Opfern von sexuellem Missbrauch, abseits der TV-Kameras. ‚Ich habe ihr Leiden geteilt und habe tiefbewegt mit ihnen zusammen gebetet- wobei ich ihnen auch das Handeln der Kirche zugesichert habe‘“.[1]
Böswillige werden sagen: Wenn er schon ihr Leiden geteilt hat, dann wird er sicher nur einen ganz kleinen Teil genommen und den Opfern den Löwenanteil gelassen haben. Aber vielleicht hatte er ja gerade – die Meldung ist von 2010 – die Meinungsumfragen zum Ansehen seiner Kirche und ihrer Hirten gelesen und litt unsäglich. Irgendwie geht das natürlich auf das Leiden der Opfer zurück. Allerdings ist fraglich, ob man es ein Teilen ihres Leidens nennen kann.

Mittwoch, 21. September 2011

Grundprobleme des Katholizismus 1: Prälaten-Meisterstück

„Um Mißbrauch auch in kirchlichen Einrichtungen zukünftig zu verhindern, sind wir gezwungen, genau hinzusehen. Wir müssen das Leid der Opfer sehen, deren Würde zutiefst verletzt wurde. Wie können wir ihnen beistehen und helfen, um diese Erfahrungen zu verarbeiten?“ Das schreibt Prälat Dr. Peter Neher, Präsident des Deutschen Caritasverbandes, in Nr. 20 von die Gesellschafter.de, einer „Initiative der Aktion Mensch“, Juni 2010.
Für die Zukunft der deutschen Sprache läßt hoffen, daß die Mehrheit der Deutschen die Hinterlist, die in dem Wörtchen „auch“ steckt, bemerkt und der katholischen Kirche einen nie dagewesenen, nicht einmal von der FDP erreichten Absturz in den Meinungsumfragen beschert hat. „Auch“, also vor allem anderswo und bei uns leider halt auch ein wenig, sind schlimme Dinge passiert. Da hat man die Würde von Opfern "zutiefst" verletzt.
Man will das verhindern, und zwar zukünftig, d. h. nicht gleich, nicht allzu schnell. Das will man, wenn ich den Herrn Prälaten richtig verstehe – so ganz eindeutig ist das nicht, was er schreibt –, aber nicht etwa erreichen, indem man dafür sorgt, daß dergleichen nicht mehr geschieht, denn dann gäbe es ja keine Opfer mehr, denen man beistehen und helfen kann, ihre Erfahrungen zu verarbeiten. Aber eben das will man. Wenn in den „zurückliegenden Wochen Fälle sexuellen Mißbrauchs bekannt geworden“ sind – „meist liegen sie viele Jahre zurück“ (ebd.), weil, so darf man wohl ergänzen, die Fälle der jüngeren Zeit halt ihre Zeit brauchen, um bekannt zu werden –, dann haben die „Verantwortlichen in den betroffenen Einrichtungen“ „stets schnell reagiert.“ (Ebd.) Also nicht in den betreffenden Einrichtungen, sondern in den betroffenen, denn vom Mißbrauch waren nicht die Opfer, sondern die Einrichtungen betroffen. Das ist aber nicht ganz richtig, denn die waren nicht vom Mißbrauch, sondern von dessen Bekanntwerden betroffen.

Übrigens: die Gesellschafter.de ist, anders als diese Bezeichnung nahelegt, kein Internetauftritt, sondern ein Druckerzeugnis. Das ist zukunftsweisend. Wahrscheinlich werden Bücher bald nicht mehr wie ein Buch, sondern wie ein Laptop aufgeklappt und überhaupt wie einer aussehen und wie eine Datei heißen, damit sie noch einer kauft. Die „Initiative Aktion Mensch“, von der die Gesellschafter.de herausgegeben wird, hieß früher „Aktion Sorgenkind“. Sie hat unter diesem wohlüberlegten und überhaupt überaus gelungenen Namen viel Segen gestiftet. Ob ihr das nach der Auswechslung von „Sorgenkind“ noch gelingen wird, diese Frage erfüllt uns mit Sorge. Immerhin ist „Mensch“ vom so ziemlich erhabensten Wort des achtzehnten Jahrhunderts im späten zwanzigsten zu einem der zuverlässigsten Debilitätsindikatoren herabgesunken.





Donnerstag, 26. Mai 2011

Das Menschsein des Gutmenschen

Eine neue Art von Verbrechen hat die taz gestern (25.5.2011) entdeckt: „Verbrechen gegen das Menschsein“.[1] Es geht in dem Artikel um sexuellen Mißbrauch Minderjähriger – ja, ich weiß, wenn es Mißbrauch gibt, dann auch Gebrauch usw., aber wie soll ich das sonst nennen? –, vor allem an der Odenwaldschule.
Soll mir da gesagt werden, daß die Mißbrauchsopfer keine richtigen Menschen sind, weil ja ihr „Menschsein“ irgendwie kaputt ist? Da sollte schleunigst der Antidiskriminierungsbeauftragte, den wird es doch wohl geben, tätig werden.
„Das Menschsein“, Steigerung „mein Menschsein“ gehört wie „das Schwulsein“, „das Frausein“ und „mein Christsein“, das man gerne „leben“ möchte, zu den schlimmsten Attacken des Gutmenschentums auf meine Geschmacksnerven. Bevor jetzt einer loszetert („lieber Gutmensch als Schlechtmensch“): Ich hab’ überhaupt nichts gegen Gutmenschen, ja, ich wäre selber gern einer, bekomme es nur nicht so richtig hin. Aber müssen die denn so reden?