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Montag, 26. September 2011

Grundprobleme des Katholizismus, sechster und letzter Teil

Man hat gegen unser Serie „Grundprobleme des Katholizismus“ den Einwand erhoben, daß es sich gar nicht um solche handle, denn diese seien theologischer Art und an theologischem Tiefgang mangle es den Kommentaren merklich, wenn nicht gar völlig. Dem kann ich nicht widersprechen, auf dem Gebiet der Theologie fehlt mir in der Tat die Kompetenz. Darum will ich hier einen namhaften Gottesgelehrten zu Wort kommen lassen:
„Ich richte und straffe jn trawen auch nicht, on das ich sage, Er sey vom Teufel hinden aus geborn, voller Teufel, lügen, Gotteslesterung, abgötterey, Stiffter der selben, Gottes feind, Widerchrist, Verstörer der Christenheit, Kirchenreuber, Schlüssel dieb, Huren wirt und Sodoma vogt (...)
Denn die teufelische Bepsterey ist das letzt unglück auff Erden, und das neheste, so alle teufel thun können mit alle irer macht. Gott helffe uns, Amen.“[1]

Ob diese Beurteilung des Papstes und des Papsttums – denn darum geht es – einer kritischen Prüfung standhält, darüber will ich mir kein Urteil anmaßen; daß er ein Schlüsseldieb ist, ist vielleicht gar nicht erwiesen. Doch nach all dem Grauen, das ich in den letzten Monaten den Lesern vorlegen mußte, wollte ich ihnen einfach mal etwas in sprachlicher Hinsicht erfreuliches bieten.

Samstag, 4. Juni 2011

Schöpfungslehre

Die taz enthält heute (4.6.2011) einige Sonderseiten zum evangelischen Kirchentag. In  einem der Artikel wendet sich ein Herr Feddersen gegen die gesetzlich verordnete Ruhe an Feiertagen mit einer flammenden Polemik für den Konsumterror, wie man sie seit den Tagen, als die Studentenbewegung diesem Wort allgemeine Bekanntheit verschafft hat, nicht mehr lesen konnte, und das ist über vierzig Jahre her. Wir wollen uns aber nicht mit solchen Kleinigkeiten befassen, sondern mit Größerem. In dem Artikel steht der Satz: "Der siebte unter den geschöpften Tagen verdiene" - so die Meinung der Karlsruher Richter - "Ruhe und Besinnlichkeit." Unsere Frage lautet: Hat Gott den siebenten Tag wirklich geschöpft?
Im Internet eifert ein Fundamentalist gegen die katholische Kirche: „Die KATHOLISCHE Einheitsbibel zeigt den Gotteshass der Autoren auf [!] ... (Sie unterstellen GOTT der [!] Lüge, dass er mit der Sechstageschöpfung  nicht sechs Tage gemeint hat, sondern 14 Milliarden Jahre. Und sie  unterstellen, dass GOTT nicht selbst geschöpft hat, sondern dass alles sich per Evolutionsideologie von alleine geschaffen hat.)“[1]
Daß er „Gott“ und „katholische“ auf die gleiche Weise hervorhebt, läßt darauf schließen, daß er sich von diesem getarnten Atheistenverein doch noch nicht ganz gelöst hat. Aber das nur am Rande.
Unter Neosophen – was das für Leute sind, weiß ich leider nicht – sieht man die Sache differenzierter und gibt sich gemäßigt: „Wir maßen uns an, einen Schöpfer zu postulieren, aber wir können nicht mal ansatzweise ahnen, was er da geschöpft hat.“[2]
Wiederum sehr entschieden und eifernd zeigt sich ein unbekannter Kommentator im Tagesspiegel, jetzt aber nach der anderen Richtung: „Wann soll das denn passiert sein, und wer könnte es sein, der Gott geschöpft haben könnte? Haben Sie da genauere Zeitangaben? Es gibt keine Schöpfung, es gibt Evolution ...“[3]
Nun werden Sie mir sicher zustimmen: Zumindest die beiden ersten haben Unrecht. Denn auch wenn Gott der Schöpfer die Welt erschaffen haben sollte, so hat er sie doch auf keinen Fall geschöpft. Richtig verwendet wird dieses Wort z. B. in dem Buch „Schmuckpapier selbst geschöpft“ von Angela Ramsay. Darin erfährt man, daß zum Schöpfen ein Gefäß erforderlich ist und eine Flüssigkeit, die oder aus der man schöpfen kann. Es steckt ein Widerspruch in der Behauptung, dem Schöpfer habe beides schon bei der Schöpfung, die bekanntlich eine Schöpfung aus dem Nichts war, zur Verfügung gestanden. Sowohl Gefäß als auch Flüssigkeit mußten erst einmal erschaffen worden sein, bevor der Schöpfer sich unter Benutzung beider ans Schöpfen machen konnte.
Auf eine andere Spur bringt uns das Magazin Focus, indem es titelt: „Leben – Aus der Ursuppe geschöpft“.[4] Denn das kann man sich schon vorstellen, daß Gott vor einer Schüssel Ursuppe sitzt und mit einer Kelle das Leben herausschöpft. Von da aus könnte man in zwei Richtungen argumentieren: Erstens, dieses Schöpfen hat nichts mit der Schöpfung selbst zu tun. Suppe und Kelle mußten im Zuge der Schöpfung erst einmal erschaffen worden sein, bevor das Herausschöpfen losgehen und dann die Evolution des Lebens ihren Lauf nehmen konnte. Darum muß auch unser unbekannter Tagesspiegel-Leser nicht richtig liegen mit seiner Behauptung „Es gibt keine Schöpfung, es gibt Evolution“. Vielmehr wäre es so: erst jene, dann diese; erst schuf er, dann schöpfte er, und dann kam die Evolution. Zweitens: Die Schöpfung ist als ein langer Prozeß, ja als ein prozeßhaftes Geschehen (siehe Prozeßhansel) anzusehen, das sowohl die creatio ex nihilo, welcher Ursuppe und Kelle entstammen, als auch das Herauslöffeln des Lebens aus jener einschließt. Auch in diesem Fall könnte man dem Tagesspiegel-Leser nicht recht geben. Dem taz-Autor sowieso nicht.