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Mittwoch, 14. Dezember 2011

Gebetsbetrieb 2

„Jeder kann sich für die Online-Andacht seine Umgebung selbst gestalten. Einige stellen eine Kerze neben den PC, bei anderen läuft Musik im Hintergrund. Egal wo sie sitzen, im Chat sind sie beisammen und bilden eine Gemeinschaft auf Zeit. Für die Chat-Andachten hat sich eine eigene Liturgie herausgebildet. Die Andacht beginnt mit einem kurzen liturgischen Gruß, dann folgt in der Regel ein Psalmgebet, das im Wechsel getippt wird.“[1]
Mit Sprache hat es nichts zu tun, daß ich das kommentiere, aber doch mit einem tiefsitzenden Konservativismus, von dem manche meinen, daß sich daraus all meine Kommentare in diesem Blog speisen: Bevor ich im Wechsel die Noten des Kyrie eintippe, möchte ich doch lieber zu den ganz alten Formen der Kommunikation mit dem Jenseits zurückkehren: Der Opferpriester wetzt das Messer, Rauch steigt auf, die Gemeinde tanzt und kreischt drei Tage ohne Pause und dann sind die Götter wieder versöhnt und schicken endlich Urlaubswetter.

Dienstag, 13. Dezember 2011

Gebetsbetrieb 1

Seit einem Jahrzehnt tönt’s aus allen Medien von der Wiederkehr des Religiösen und Jubel ist ausgebrochen von Mekka über Rom bis Hannover-Herrenhausen. Aber Vorsicht, die Jahrhunderte der Säkularisation sind nicht spurlos vorübergegangen, das Religiöse kehrt nicht in vertrauter Gestalt wieder. Im Klassikradio (schreibt sich wahrscheinlich KlassikRadio, oder Klassik Radio) teilte ein Sprecher den Hörern mit, daß die Dresdener Frauenkirche im Jahre 2005 „den Betrieb wieder aufgenommen“ hat.[1]




[1] Am 8.12.2011

Dienstag, 20. September 2011

Ankündigung

Übermorgen kommt der Herr Papst. Da wollen wir nicht im Abseits herumstehen. Darum beginnt in Kürze unsere Serie „Grundprobleme des Katholizismus“.

Montag, 13. Juni 2011

Marktgötter 2


„Trotz unserer Anstrengungen sind die Märkte skeptisch geblieben“. So gab ein Sprecher in der Tagesschau kürzlich, am 3.6.2011, den griechischen Premierminister wieder. Die Theorien, denen zufolge die Rationalität im Laufe der Menschheitsgeschichte immer mehr zunimmt, haben einen schweren Schlag erhalten. Der Schamane, der meinte, daß trotz all seiner Anstrengungen beim Regentanz der Wettergott immer noch zürne, war da schon weiter. Immerhin behauptete er nicht, daß das Wetter zürnt.

Sonntag, 5. Juni 2011

Der Stellvertreter als Modell


„Papst Benedikt XVI. hat sich beim Besuch der evangelischen Kirche Roms als Glaubensmodell auch für Lutheraner präsentiert. Das betonte der Pfarrer der römischen Christus-Kirche, Jens-Martin Kruse, in einem Beitrag für die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ vom Samstag.“[1]
Der lutherische Pfarrer von Rom scheint mir ein innerlich tief und mehrfach gespaltener Mensch zu sein. Einerseits verehrt er den Herrn Ratzinger und möchte am liebsten katholisch werden, andererseits wagt er es nicht, sich aus seinem vertrauten Milieu zu lösen. Darum läßt er sich an die lutherische Kirche von Rom versetzen, um seinem großen Vorbild bei Aufrechterhaltung der theologischen Differenz möglichst nahe zu sein. Einerseits fasziniert ihn die antike Welt der Priesterornate und die mittelalterliche Sprache ihrer Träger, andererseits ist ihm der aus dem Detritus der modernen Wissenschaftssprachen zusammengerührte Jargon doch zu sehr in Fleisch und Blut übergegangen. Und so wird aus dem Vorbild ein Modell.

Donnerstag, 2. Juni 2011

Schöner beten


„Beten heißt, Zwiesprache mit Gott halten. Dieses Buch ist ein wunderbarer Schlüssel dazu. Jetzt auch als Geschenkset. ... Die schönsten Gebete in einem opulent gestalteten Buch.“ (Chrismon 1/2011, S. 30)
Ich hab ja meine Zweifel. Eher glaube ich, daß Beten ein Monolog ist. Nicht, daß er zur Zwiesprache nicht fähig wäre, aber er will nicht. Vollkommen, wie er in allen Dingen und so auch in seiner Eigenschaft als Kunstkenner definitionsgemäß ist, wird ihn beim Anhören dessen, was die Buchdesigner für Schönheit halten, ein gewisses Unbehagen befallen und seine Kommunikationslust dämpfen. Falls er nicht ohnehin der Meinung ist, daß jemand, der beim Beten vor allem auf die Ästhetik und gar auf Opulenz achtet, nicht in der rechten Stimmung ist und warten sollte, bis diese sich einstellt. Dieses Warten wird in der Regel verbunden sein mit Überlegungen, wie er das Geschenkset in den Müll werfen könnte, ohne die lieben Freunde, von denen er es hat, zu verprellen. Er (d. h. ER) allerdings hätte es gewiß lieber gesehen, wenn er (er) es gar nicht erst angenommen hätte.

Mittwoch, 23. März 2011

Schunkeln und Apokalypse

Wir setzen unsere unterbrochenen religiösen Betrachtungen fort:
„Ganz anders wertet der evangelische Pfarrer Rudolf Westerweide unterdessen die unfreiwilligen Missionare im Senioren-TV. Wenn Silbereisen musikalisch meint ‚Ich glaube an Gott | Ich glaub daran | Ich bin ein Teil von seinem Plan’, dann will er das begeisterte Millionenpublikum vor den Bildschirmen in ihrer Ergriffenheit beim einträchtigen Schunkeln ernst genommen wissen.“[1]
Er wird schon ein Teil von seinem Plan sein, ich aber glaub’ daran, daß der anderes vorsieht als Pfarrer Westerweide und Silbereisen es sich vorstellen: Wenn der nicht aufhört, musikalisch zu meinen, dann wird da kommen ein fahles Pferd, und der darauf sitzt, des Name heißt Tod, und die Hölle folget ihm nach, und des einträchtigen Schunkelns vor den Bildschirmen wird ein Ende sein und es wird sein Heulen und Zähneklappen.