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Donnerstag, 22. September 2011

Grundprobleme des Katholizismus 2: Der Vatikan als Führer

„Das Gespräch der Konfessionen müsse auch nach Sibiu intensiv weiter geführt werden, sagte der Magdeburger Bischofs [sic!] Gerhard Feige.“ Das meldete am 9. September 2007 – lange her, aber sicher immer noch aktuell – „Radio Vatikan. Die Stimme des Papstes und der Weltkirche.“[1]
Das ist nicht so leicht zu interpretieren. Zwei Möglichkeiten bieten sich an: Erstens, die katholische Kirche ist darauf bedacht, daß das Gespräch der Konfessionen nicht in eine Richtung abgleitet, die dem Vatikan nicht recht sein kann. Deshalb bedarf es der intensiven Führung durch denselben, so daß nicht am Ende vielleicht Frau Käßmann die Führung übernimmt oder gar Herr Küng. Zweitens: Die Stimme des Papstes ist ja bekanntlich unfehlbar, aber der Bischof von Magdeburg sicher nicht. Vielleicht hat er sich vertan und wollte gar nicht „weiter geführt“ sagen, sondern „weitergeführt“.

Sonntag, 5. Juni 2011

Der Stellvertreter als Modell


„Papst Benedikt XVI. hat sich beim Besuch der evangelischen Kirche Roms als Glaubensmodell auch für Lutheraner präsentiert. Das betonte der Pfarrer der römischen Christus-Kirche, Jens-Martin Kruse, in einem Beitrag für die Vatikanzeitung „L´Osservatore Romano“ vom Samstag.“[1]
Der lutherische Pfarrer von Rom scheint mir ein innerlich tief und mehrfach gespaltener Mensch zu sein. Einerseits verehrt er den Herrn Ratzinger und möchte am liebsten katholisch werden, andererseits wagt er es nicht, sich aus seinem vertrauten Milieu zu lösen. Darum läßt er sich an die lutherische Kirche von Rom versetzen, um seinem großen Vorbild bei Aufrechterhaltung der theologischen Differenz möglichst nahe zu sein. Einerseits fasziniert ihn die antike Welt der Priesterornate und die mittelalterliche Sprache ihrer Träger, andererseits ist ihm der aus dem Detritus der modernen Wissenschaftssprachen zusammengerührte Jargon doch zu sehr in Fleisch und Blut übergegangen. Und so wird aus dem Vorbild ein Modell.

Sonntag, 30. Januar 2011

Vorstoßwaffen

„Die Burka sei keine religiöse Frage, sondern ‚eine Macho-Symbolik‘. Einen Vorstoß für ein Vermummungsverbot in öffentlichen Gebäuden, bei Amtshandlungen und in öffentlichen Verkehrsmitteln hat unterdessen auch SVP-Nationalrat Oskar Freysinger eingereicht. Ein Bürger müsse in der Schweiz in bestimmten Situationen mit offenem Gesicht auftreten, zitierte die Zeitung den Politiker. Unterstützt wird ein Verbot der Vollverschleierung laut der Zeitung von CVP-Präsident Christophe Darbellay. Die Burka sei ein ‚Symbol für den Fundamentalismus und nicht kompatibel mit der Integration‘. Damit habe sie in der Schweiz ‚keinen Platz‘.“ Das berichtet Radio Vaticana, die Stimme des Papstes und der Weltkirche.[1]
Gut, daß nach „Burka“ der Konjunktiv 1 steht, so daß klar ist: Hier spricht nicht die Stimme des Papstes und der Weltkirche, sondern hier wird die Äußerung eines anderen wiedergegeben. Sonst hätte man denken können, die Stimme weiß nicht, daß eine Burka keine Frage ist, weder eine religiöse noch eine andere, sondern ein Kleidungsstück, und daß sie gewiß ein Symbol ist, aber keine Symbolik, und zwar ein Macho-Symbol, so wie die Priestergewänder, welche Frauen nicht tragen dürfen, auch. Da diese Stimme unfehlbar ist, dies alles aber ohne Frage Fehler wären, wäre man ganz durcheinandergeraten und hätte Zweifel bekommen an der Logik des Weltganzen.
Daß Präsident Christophe Darbellay den Satz zustande bekommt, die Burka sei ein „Symbol für den Fundamentalismus und nicht kompatibel mit der Integration“, liegt vielleicht daran, daß seine Muttersprache nicht Deutsch ist. Aber möglicherweise hat er ihn gar nicht gesagt, er hat ihn ja nur „laut der Zeitung“ gesagt. Wäre die schuld, dann müßte man die Sache schon ernster nehmen.
Interessant ist, daß man in der Schweiz offenbar nicht, wie anderswo, Anträge, Petitionen usw. einreicht, sondern Vorstöße. Vielleicht hat das etwas mit der kriegerischen Vergangenheit der Bürger dieses Landes zu tun, die ja überall in Europa mit ihren Vorstoßwaffen Söldnerdienste leisteten und das im Vatikan heute noch tun.