„Ein Klub mit einer in Jahren gerecht verteilten Ost-West-Geschichte ... Turbine Potsdam hat immer mit dieser Geschichte korrespondiert, sie als Kraftquelle benutzt und daraus ihre Identität gewonnen.“
Hier finden Sie in loser, wenn's gut geht rascher Folge Kommentare zu Vorboten der allgemeinen zerebralen Zerbröselung und des ihr auf dem Fuße folgenden Weltuntergangs sowie zum Thema „Deutschland schafft sich ab“.
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Donnerstag, 26. Januar 2012
Korrespondenten
„Korrespondieren“ gehört in das von E. Henscheid „Nobel-Jargongewäsch“ genannte Fach. Wer’s nötig hat, sollte allerdings aufpassen. Sie korrespondieren einander heißt etwa: Sie entsprechen einander. Sie korrespondieren miteinander heißt: Sie schreiben einander Briefe. Ziemlich ratlos steht man aber vor der Frage, wie es zugehen mag, wenn einer mit einer Geschichte korrespondiert. Die taz[1] jedenfalls meint, daß das vorkommt:
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Freitag, 13. Januar 2012
Neuroplastische Lebensbeschreibungen
„Angesichts längerer Erwerbsbiographien spielt die ‚Neuroplastizität’, also der Erneuerungs- und Anpassungsprozess im Hirn eine wichtige Rolle.“ Das haben die PraktikantInnen[1] in einen taz-Artikel eingefügt (6.1.12)
Geht’s noch geschraubter? Früher hätte man wohl gesagt: Weil die Leute länger arbeiten.
Aber ist das überhaupt gemeint? „Die Biografie ist die mündliche oder schriftliche Präsentation des Lebenslaufes eines anderen Menschen; ein Sonderfall der Biografie ist die Autobiografie“, belehrt uns Wikipedia. Warum jene Hirnprozesse eine wichtige Rolle spielen sollen, wenn die Lebensbeschreibungen länger werden, das fragt man sich schon. Kann man ohne Neuroplastizität nur kürzere Bücher schreiben? Aber wieso soll das speziell bei Erwerbslebensbeschreibungen so sein? Wenn man das sonstige Leben beschreibt, kommt's auf die Neuroplastizität nicht an? Was im Artikel steht, spricht nicht für diese Interpretation. Da hat man eher den Eindruck, als sei die Neuroplastizität wichtig für alle möglichen Denktätigkeiten, ob man die nun im Erwerbsleben ausführen muß oder weil man gezwungen ist, ohne Erwerbstätigkeit durchs Leben zu kommen oder weil man z. B. wegen einer Erbschaft Erwerbstätigkeit nicht nötig hat und sich sein Leben lang mit Hochgeistigem vergnügt. Rätsel über Rätsel. Man hat den Eindruck: Je hochgezwirbelter und zugleich debiler die Ausdrucksweise unserer Journalisten wird, um so mehr Erneuerungs- und Anpassungsprozesse im Hirn sind erforderlich, um auch nur die einfachsten Zeitungsmeldungen zu verstehen.
[1] Denen mußten wir uns in diesem Blog schon häufiger widmen, siehe z. B. http://deutsche-sprak.blogspot.com/2011/02/praktikanten.html.
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Montag, 9. Januar 2012
Freiheitskämpfer
„Die Freiheit von Information und Wissensarchitekturen, billige oder kostenfreie öffentliche Daseinsvorsorge sowie die gezielte Förderung sozialer Infrastrukturen befördern eine gesellschaftliche Produktivität in Formen freier Kooperation, deren Rückfluss in gemeinschaftlich freie Nutzung garantiert ist.“ Das meint jemand vom „Infoladen Moskito“; so nämlich sehe die „Alternative zum Ökoimperialismus“ aus.[1]
Nun weiß ich leider nicht, was Wissensarchitekturen sind. Es hört sich aber nicht gut an und es wäre vielleicht gut, wenn wir von ihnen frei blieben. Aber die Freiheit von Information zu fordern scheint mir doch sehr bedenklich. Der Moskitoladen oder wenigstens der Autor jenes Artikels hofft auf eine rot-rot-grüne Koalition. Er scheint also dem politischen Lager anzugehören, das sich in der Tradition der demokratischen Aufklärung sieht, und in dieser ist man doch eher dafür gewesen, daß die Informationen frei zu jedem fließen dürfen und keiner von ihnen frei bleibt.
Allerdings gibt es unter den politischen Kräften, die man in der rot-rot-grünen Koalition vereinigen möchte, auch manche, die damals – die Älteren unter Ihnen werden sich erinnern – für die schöne Institution des „Tals der Ahnungslosen“ gesorgt haben. Das war die Gegend um Dresden, in der konnte man kein Westfernsehen empfangen. Die Forderung nach Freiheit von Information war damit weitgehend erfüllt.
In diesem Fall scheint das zunächst etwas erstaunlich anmutende Anliegen also eine einleuchtende Erklärung zu finden. Anders ist es in dem folgenden: Die „Arbeitsgemeinschaft Zukunft e.V.“ fordert in ihrer Stellungnahme zur "Verordnung zum Schutz von zu Sicherheitszwecken verwendeten Empfangs- oder Sendefunkgeräten (VSiFunk)" des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit: „Die Freiheit von Information und wissenschaftlicher Betätigung muss gewährleistet bleiben.“ Und das begründet sie „mit dem besonderen Schutz durch Artikel 5 GG, unter dem der Amateurfunkdienst steht.“[2] Ich glaube ja gern, daß der Amateurfunkdienst unter dem besonderen Schutz eines Artikels des Grundgesetzes steht. Aber daß das Grundgesetz uns von Informationen freihalten, uns vor ihnen schützen möchte, mag ich nicht glauben. Und die Freiheit von wissenschaftlicher Betätigung scheint mir ohnehin nicht bedroht. Seit der Einführung der Bachelor-Studiengänge ist der Genuß dieser Freiheit den meisten Studenten garantiert.
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