Hier finden Sie in loser, wenn's gut geht rascher Folge Kommentare zu Vorboten der allgemeinen zerebralen Zerbröselung und des ihr auf dem Fuße folgenden Weltuntergangs sowie zum Thema „Deutschland schafft sich ab“.
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Samstag, 11. Februar 2012
Neusprech: Versammlungsrecht
Im Tagesspiegel steht heute, daß die Immunität von zwei Politikern der Linken aufgehoben worden ist, weil sie "gegen das Versammlungsrecht verstoßen" haben. Man wirft ihnen die Teilnahme an einer Versammlung gegen eine NPD-Versammlung vor. Sie haben also das Versammlungsrecht, das Recht, sich zu versammeln, wahrgenommen.
Donnerstag, 9. Februar 2012
Kulturschaffende
„Durch das Mäzenatentum der Medici und weiterer norditalienischer Kaufleute und Bankiers entwickelten sich Florenz, Venedig, Mailand, Genua und auch Rom zu den kulturellen und wirtschaftlichen Metropolen der damaligen den Europäern bekannten Welt und prägten (beziehungsweise ermöglichten erst) das Zeitalter der Renaissance.“ (Wikipedia, Stichwort Medici, 18.10.11)
Boticelli und Michelangelo und Leonardo da Vinci und die Maurer und Zimmerleute, die die Kathedralen und Paläste bauten, und all die anderen Parasiten der Mäzene haben mit der Entwicklung von Florenz usw. nicht viel zu tun und sie haben darum das Zeitalter der Renaissance nicht geprägt, geschweige denn ermöglicht. Daß in unseren Tagen die Kaufleute und Bankiers schlechterdings alles machen, was von kultureller Bedeutung ist, wissen wir ja, aber man dachte doch immer, daß es früher anders war. Stimmt wohl auch, aber man muß viel weiter zurückgehen. Die Höhlenbilder von Lascaux sind wohl tatsächlich nicht von Bankiers gemalt worden, ja, nicht einmal finanziert.
Wikipedia soll ein demokratisches, ja geradezu ein zutiefst[1] demokratisches Projekt sein, denn das ganze Volk darf mitschreiben, nicht nur die wenigen, die es können. Aber was hilft es, wenn im Volk sich die Liebe zu seinen Herren derart breitgemacht hat, daß für die Grundeinsichten der Demokratie gar kein Platz mehr ist?
Dienstag, 17. Januar 2012
Endlich: Keine Armut mehr in Berlin!
Früher, etwa in den 20er Jahren, aber auch noch in den Nachkriegsjahren, soll die Armut in Berlin groß gewesen sein, vor allem in den Arbeitervierteln. Heute ist es anders:
„Jeder Siebente in Berlin ist von Armut bedroht“, lautete vor Kurzem eine Überschrift im Tagesspiegel (13.1.12).
Im Artikel erfahren wir allerlei Genaueres, etwa, daß jeder dritte Berliner mit niedrigem Schulabschluß von Armut bedroht ist. Auch von Armutsrisiko ist öfter die Rede; „von Armut bedroht sein“ scheint das gleiche zu bedeuten wie „ein Armutsrisiko haben“. Ganz unerwartet war für mich, daß es trotz dieser großen Zahl von Menschen, die von Armut bedroht sind, offenbar keinen einzigen gibt, der arm ist, denn sonst hätte das in dem ziemlich langen und ins Detail gehenden Artikel doch wenigstens einmal erwähnt werden müssen. Wenn jeder Siebente von 3,4 Millionen Menschen vom Herzinfarkt bedroht ist, dann müßte es, sollte man denken, doch wenigstens ein paar geben, denen tatsächlich einer zugestoßen ist.
Oder meinen die mit Armutsrisiko vielleicht etwas anderes als ich dachte? Nicht das Risiko, arm zu werden, sondern allerlei Ungemach, das einem zustoßen kann, wenn man arm ist? Gemeint sind also möglicherweise aufgrund der Armut drohende Gefahren. Nicht Armut droht jemandem zuzustoßen, sondern die Armut bedroht ihn damit, ihm etwas zustoßen zu lassen, beispielsweise, daß ihm das Telefon abgestellt wird oder die Wohnung gekündigt. Das wird’s wohl sein. Der Tagesspiegel ist eine Zeitung für die gebildete obere Mittelschicht und wird von gebildeten Menschen geschrieben. Die machen nicht solche Fehler, wie ich zunächst vermutet hatte. Irritierend ist nur, warum man dann „von Armut bedroht“ geschrieben hat; „durch die Armut bedroht“ wäre doch weniger mißverständlich gewesen.
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Freitag, 30. Dezember 2011
Einnahmengenerator
Der Abgeordnete Dietmar Bartsch von den Linken sagt im Bundestag: „Die Linke sagt: Wir müssen über die Erbschaftsteuer mehr Einnahmen generieren.“ Der Abgeordnete Otto Fricke von der FDP blökt dazwischen: „Sie wollen den Leuten mehr Geld wegnehmen!“[1]
Ob das stimmt, sei dahingestellt, aber der Abgeordnete von der Schreihalspartei hat doch insofern recht, als er uns dazu bringt, über die Vergeblichkeit des Ansinnens des Herrn Bartsch nachzudenken. Einnahmen kann man haben, man kann sie, wenn man sie hat, in die Sparbüchse tun oder gleich wieder ausgeben. Aber generieren kann man sie nicht, auch wenn gerade die Partei des Herrn Fricke das den Leuten weismachen will und Herr Bartsch ihr auf den Leim gegangen ist.
Generieren heißt erzeugen. Ein Betrieb kann z. B. Essiggurken oder Autoreifen erzeugen, also generieren, und dann verkaufen; dann hat er Einnahmen. Wenn man das Erzeugen von Autoreifen und das Erzielen von Einnahmen dadurch, daß man andere übers Ohr haut, mit dem gleichen Wort „generieren“ belegt, dann vernebelt man die gesellschaftlichen Ausbeutungsverhältnisse. Das hat die Partei des Herrn Bartsch ganz, ganz früher, als sie noch anders hieß, schon mal gewußt und hat sich darum beim Vernebeln auf andere Gebiete verlegt. Dabei sollte sie bleiben. Sie sollte es der Partei des Herrn Fricke überlassen, Leute, die Einnahmen durch das Herstellen von Autoreifen und Essiggurken erzielen, und Leute, die Einnahmen dadurch erzielen, daß sie andere übers Ohr hauen, gleichermaßen „Leistungsträger“ zu nennen. Daran hält sich, wie mir scheint, die Partei des Herrn Bartsch bisher auch. Aber wenn man einmal Einnahmen für etwas hält, das man generieren kann, dann ist man nicht mehr weit davon entfernt, „Leistungsträger“ in der Bedeutung zu verwenden, die das Wort im Jargon der Partei der Besserverdienenden hat.
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Donnerstag, 29. Dezember 2011
Gefahrenpotential im Verzuge
„Gefahrenpotential durch die Produktion von Nanotubes“ ist eine Anfrage der Grünen im Düsseldorfer Landtag überschrieben.[1]
So reden sie alle. Wer nur vor einer Gefahr warnt, dem könnte man vorwerfen, daß er sie nicht ernst nimmt. Darum muß es wenigstens ein Gefahrenpotential sein. Mir kommt das inzwischen etwas abgenutzt vor, man muß es abermals steigern. Ich würde zu „totales Gefahrenpotential“, „absolutes Gefahrenpotential“ oder, damit man gleich sieht, daß der Warner nicht im defätistischen Geist warnt, sondern im rechten positiven die Bewältigung gleich mit denkt, „Gefahrenpotentialherausforderung“ raten.
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Samstag, 3. Dezember 2011
Neusprech auf lutherisch
Dr. Michael J. Inacker ist „Vorsitzender der Internationalen Luther-Stiftung und Bereichsleiter Unternehmenskommunikation der Metro AG.“ Er erklärt in der christlichen Zeitschrift Chrismon[1], warum „das System der sozialen Marktwirtschaft“, das ihm zufolge vor allem den USA ihr Gepräge gibt, nicht schuld ist an der Bankenkrise und überhaupt an allem, was es nach allgemeiner Meinung anrichtet: Diese Krise „hat ihre Ursachen vor allem in einer falsch verstandenen Sozialpolitik. Viele Menschen, die es mit ihrem Einkommen nicht konnten, sollten sich ein Haus kaufen können. Die Marktwirtschaft hat aber letztlich funktioniert, indem sie diese Fehlentwicklungen an den Immobilienmärkten aufgedeckt hat.“
Ich wollte, nebenbei bemerkt, immer schon wissen, was der Unterschied zwischen einer falschen und einer falsch verstandenen Sozialpolitik ist. Es gibt wohl einen; eine richtige Sozialpolitik kann ja durchaus falsch verstanden werden, ohne daß sie dadurch zu einer falschen wird. Auch unser Vorsitzender scheint mir - wie alle, die von „falsch verstandener“ Sozialpolitik, Umweltpolitik, Kulturpolitik oder was auch immer reden - zu meinen, es gebe einen, denn sonst würde er sich das "verstanden" ja sparen. Aber andererseits kann ich beim besten Willen nicht erkennen, daß er etwas anderes meint als eine falsche Politik.
Aber zur Hauptsache: Ist das nicht eine ungeheure Verschwendung? Hätte man zum Aufdecken nicht einen Ermittler, einen Hauptkommissar z. B. wie im Tatort, einsetzen können? Das wäre doch viel billiger gekommen als eine ganze Marktwirtschaft! Abgesehen davon, ob sie dafür überhaupt zuständig ist; ich habe immer gedacht, sie sei zu etwas anderem da. Und schließlich: Wie macht sie es denn, wenn sie etwas aufdeckt? Sie beschert uns eine Krise, dann wissen wir alle, was los war und uns bisher entgangen ist. Manchmal beschert sie uns auch einen Krieg, daran kann man ebenfalls sehen, daß sie letztlich funktioniert, denn was deckt sie damit nicht alles auf an Fehlentwicklungen! Man mag sich gar nicht vorstellen, wohin diese noch geführt hätten, wenn die Marktwirtschaft nicht rechtzeitig mit einem enthüllenden Krieg dazwischengefahren wäre!
Mittwoch, 24. August 2011
Jobrotation
Bei Wikipedia findet man unter dem Stichwort „Jobrotation“ folgendes:
„Durch die Übernahme einer anderen Arbeit kann die jetzt eigentlich erforderliche Erholungszeit vermieden werden. Schon eine Rotation über nur zwei (verschiedenartige) Arbeitsplätze steigert im genannten Beispiel nicht nur die Qualität des Arbeitsergebnisses erheblich, es fördert auch die Effizienz. Für Jobrotation wird jeweils höher qualifiziertes Personal benötigt, als bei der ursprünglichen Einzelarbeit. Es macht in kurzzyklischen Rotationssystemen die Arbeit für den Mitarbeiter erträglicher, oft auch interessanter (beachte: Arbeitsorientierung) und kann die Identifikation mit Arbeitsinhalten und -zielen steigern, zieht jedoch oft aber auch eine Erhöhung des Entgeltes nach sich.“[1]
In den Jahren nach 68 hat man gern die „Lohnschreiber des Kapitals“ entlarvt. Aber Wikipedia-Autoren bekommen ihre Tätigkeit nicht bezahlt. Man fragt sich: Warum tun die so etwas?
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