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Mittwoch, 30. November 2011

Koalitionsschmiede

„Es war sowohl für uns als auch für die SPD ein sehr ernsthaftes Gespräch mit einer klaren Option auf eine gemeinsame Koalition, die einen echten Politikwechsel in NRW möglich gemacht hätte.“[1]
Es wäre ja auch schade, wenn man mit großer Mühe einen Politikwechsel hinbekommt, und dann ist der gar nicht echt, also gar kein Politikwechsel. Aber richtig traurig wär’s, wenn die Grünen eine Koalition schlössen und die SPD auch, und plötzlich merkt man, daß es keine gemeinsame ist. Doch die Hauptsache bleibt, das Gespräch war ernsthaft und die Option klar und man hat die Wörter echt und gemeinsam irgendwie untergebracht.

Sonntag, 18. September 2011

Sprach-Supergau und Sprachterrorismus

Beim Lesen der Seiten von http://twitter.com/Phrasenpranger habe ich mich oft gefragt, ob es die dort versammelten Phrasen und Stilblüten wirklich gibt oder ob die Autoren sie sich ausgedacht haben, und wenn es sie gibt: ob sie Teil der geschriebenen Sprache sind oder ob sie nur mal so dahingesagt werden. Ich wollte mit Klarheit verschaffen und habe nach „Qualität hat seinen Preis" mit Google gesucht – ein Satz, bei dem ich sehr im Zweifel war, ob ihn je einer zu Papier oder in eine Datei gebracht hat.
Ich erhielt 157.000 Ergebnisse, "Qualität hat ihren Preis" ergab ziemlich genau die gleiche Trefferzahl (162.000).[1] Nie hätte ich das  für möglich gehalten. Den Supergau haben wir nicht vor uns, wir sind schon mitten drin. Die Sprachkompetenz bröckelt nicht nur an den Rändern, der Kern ist bereits geschmolzen.
Oder erklärt sich die Sache ganz anders? Seit Jahren plagt uns die zwanghafte „Geschlechtergerechtigkeit“ vor allem in der Medien- und Politikersprache einschließlich des Jargons der Amateurpolitiker, wenigstens der mehr oder weniger linken (im wirklichen Leben ist diese Gerechtigkeit um einiges seltener). Politiker, so scheint es, bauen Wörter wie Steuerzahler oder Castrop-Rauxeler nur deshalb in ihre Reden ein, weil sie ihnen die Gelegenheit geben, Steuerzahler und Steuerzahlerinnen oder Castrop-Rauxeler und Castrop-Rauxelerinnen zu sagen. Dagegen regt sich jetzt Widerstand. Eine Bewegung kündigt sich an, die den Wohlklang der Sprache verteidigen will. Leider mit allen Mitteln. Alles Weibliche wird eliminiert. Man tut, was vor Jahren die radikalsten Feministinnen taten, nur umgekehrt. „Heilerde hat seinen Preis“ gibt es inzwischen auch schon, wer weiß, was noch alles.
Das Ergebnis des Kampfes ist, wie man sieht, schlimmer als das, was die Kämpfer bekämpfen. Man möchte sie Sprach-Terroristen nennen. Terroristen pflegen mit allen Mitteln für das Gute zu kämpfen, mit verheerenden Folgen.



[1] Am 30.3.2011. Sätze wie „der/das X der Qualität hat seinen Preis“ waren selten, die Trefferzahl trifft's also wirklich einigermaßen.

Samstag, 10. September 2011

Zutiefst entsetzt

"'Wir waren zutiefst entsetzt' - Unsere User erinnern sich an den 11. September 2001."

Das steht heute auf der GMX-Eingangsseite. 

Einem, der sagt, er sei "zutiefst" entsetzt, dem glaube ich nicht, daß er überhaupt entsetzt war. Diesen Glauben hat mir der Politikerjargon in den letzten Jahren ausgetrieben.

Erfreulich ist aber, daß GMX so, wie es noch vor wenigen Monaten allgemein üblich war, "11. September" und nicht "9/11", gesprochen "naineleffen", schreibt. Man freut sich doch über jeden, der in Modedingen etwas zögerlich ist.